Spenden für Kirche immer wichtiger

Rodgau - (bp) Etwa 2 500 professionelle Spendensammler - in Neudeutsch Fundraiser - beackern in Deutschland derzeit einen Milliardenmarkt. Immerhin wurden 2006 nach Zahlen der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung knapp zwei Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen gespendet. Auch Kai Fuchs möchte davon für die evangelische Kirche im Dekanat Rodgau profitieren.

Der Öffentlichkeitsreferent des Dekanats steht kurz vor der Abschlussprüfung an der Fundraising-Akademie Frankfurt. Die Examensarbeit ist schon eingereicht, am 21. März steht als letzte Hürde das abschließende Prüfgespräch bevor.

Gegen die Bezeichnung „Profi-Spendensammler“ wehrt sich der 36-Jährige energisch. Denn dieser Begriff erschließt nur unzureichend, was der Mann tatsächlich macht. „Dazu gehört auch das Freiwilligenmanagement, die Betreuung der Ehrenamtlichen und Mitglieder. Es ist ganz wichtig herauszufinden, was sie wollen, denn sie finanzieren die Kirche letztlich“, sagt der ausgebildete Zeitungsredakteur.

Trotzdem weiß auch Fuchs natürlich, dass in diesen Zeiten sinkender Kirchensteuereinnahmen die Suche nach privaten Geldgebern oder staatlichen Zuschusstöpfen für die Gemeinden immer wichtiger wird. Der kirchliche Mitarbeiter begreift seine vom Arbeitgeber bezuschusste Zusatzausbildung denn auch als „Investition in die Zukunft der Kirchengemeinden vor Ort“. Mittelfristig werde die Kirchensteuer nur noch zur Deckung des Grundbedarfs reichen. Alle wünschenswerten Projekte, die darüber hinaus gehen, müssten sich dann wohl oder übel aus anderen Finanzquellen speisen. Tendenziell sei das schon heute so. Als Beispiel nennt der Presse-Mann des Dekanats die Jügesheimer Emmausgemeinde. Sie realisiere schon heute manche Vorhaben aus Spenden.

Bei seiner Werbung um mehr Spendenfreudigkeit geht es Fuchs „nicht darum, den Leuten die Büchse unter die Nase zu halten“. Vielmehr versucht er das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es wichtig ist, die Kirche und ihre vielfältigen Angebote noch vor der eigenen Haustür zu haben. „Wenn ich jemand für diese Überzeugung gewinnen kann, ist er auch bereit, das mit Geld zu unterstützen.“

Die Zusatzausbildung in Frankfurt dauerte zwei Jahre. Dazu gehörten Blockseminare, Grundlagenvermittlung in Controlling, im Steuer-, Erbschafts- und Stiftungsrecht, eine Klausur, die Abschlussarbeit, drei Hausarbeiten, die mündliche Prüfung und ein Praxisprojekt. Es führte den Fundraiser nach Seligenstadt. Dort begleitete er das Projekt „Evangelisch renovieren“ der dortigen Kirchengemeinde. Deren Kirche musste dringend renoviert werden. Das sollte 300 000 Euro kosten. Davon musste die Gemeinde in Eigenregie 100 000 Euro aufbringen. Was die Gemeinde binnen eines Jahres tatsächlich fast schaffte - dank eines Spendenbriefs und vieler Aktionen (Kleinkunstabend, Kabarettabende, ein Dinner, bei dem Männer aus der Gemeinde die Gäste bekocht haben und einiges mehr).

Aktiv geworden ist Fuchs im vergangenen November auch in der evangelischen Trinitatisgemeinde Rodgau-Rembrücken. Die Gemeinde muss etwa 70 000 Euro zur Renovierung beisteuern.

Am Anfang seiner Arbeit steht die Situationsanalyse. Dann werden Ziele des Vorhabens formuliert und Zielgruppen analysiert. Für die entwickelt der Fundraiser dann „maßgeschneiderte Aktionen“. Gelernt hat Kai Fuchs während der Ausbildung natürlich auch, wie man einen Spendenbrief möglichst zielführend formuliert. Klar geworden ist ihm während der zwei Jahre aber auch eines: „Ganz wichtig ist am Ende der Dank an alle Spender und Beteiligte. Das vergessen viele leider.“

Quelle: op-online.de

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