Kerzen mit Weihrauchduft

+
Vor dem Giebel der neuen Rollwaldkirche zeigt Brigitte Lorenz eine kleine Auswahl ihrer ungewöhnlichen Spendenkerzen.

Rollwald - Die Kreativität kennt keine Grenzen: Bei den Spendenaktionen für den Neubau der Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald lassen sich katholische Christen immer wieder etwas Neues einfallen. Von Ekkehard Wolf

Die jüngsten Ideen: ein Orgel-Wunschkonzert am 23. März und ein ganz besonderer Kerzenverkauf. Die Kerzen bestehen aus dem Wachs ehemaliger Altarkerzen. Die dicken Altarkerzen können viele Stunden Licht spenden, aber im Gottesdienst lässt man sie nie bis auf den Stummel abbrennen. Wohin mit den halben Kerzen? Brigitte Lorenz hat aus der Not eine Tugend gemacht. Sie hat die gesammelten Wachsreste zu neuen Kerzen verarbeitet: „Ich habe 130 Kerzen gegossen, die für einen Obolus abgegeben werden.“ Während der Arbeit hatte sie ein unerwartetes Erlebnis: In ihrer Wohnung mischte sich der Geruch des geschmolzenen Wachses mit dem Duft von Weihrauch. Offenbar hatten sich die ätherischen Öle des Räucherwerks in den geweihten Kerzen festgesetzt.

Die Kerzenmanufaktur im Haus Lorenz ist eine von vielen Initiativen, um Spenden für den Bau der Rollwaldkirche herbeizuschaffen. Für den ersten Kirchen-Neubau im Bistum Mainz seit mehr als 20 Jahren stehen 800.000 Euro zur Verfügung. 200.000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen.

„Das Ziel werden wir wohl schaffen“, sagt Heribert Söllner vom Verwaltungsrat St. Matthias. Der ehemalige Bauamtsleiter der Stadt Rodgau kümmert sich im Ruhestand ehrenamtlich um das Kirchenprojekt. Dabei hat er die Finanzen stets im Blick. Noch im November stand das Spendenbarometer laut Pfarrer Dr. Peter Eckstein bei 160.000 Euro. Seither sind weitere Gelder eingegangen. Söllner: „Wir sind sehr dankbar, dass wir verschiedene Großspenden bekommen haben.“ Darunter seien auch Beiträge von Spendern gewesen, die die Pfarrgemeinde zuvor nicht kannte.

Gebrauchte Kirchenbänke zu kaufen

Spenden fließen nicht von selbst. Mit ungewöhnlichen Aktionen macht die Gemeinde immer wieder auf sich aufmerksam. Seit Januar bietet sie gebrauchte Kirchenbänke (150 Euro) und Buntglasfenster (250 Euro) zum Kauf an. Mit diesem Angebot schaffte es die Pfarrgemeinde St. Matthias sogar ins regionale Fernsehen. „Wir haben eine richtige Verkaufsshow gemacht“, erzählt Heribert Söllner. Der Erfolg: Anfragen kamen bis aus Würzburg. Doch weiter als bis nach Aschaffenburg konnte er noch kein Fenster verkaufen. Die anderen gingen nach Nieder-Roden, Dudenhofen, Rödermark und Seligenstadt – dort wurde ein ehemaliges Kirchenfenster als Ersatz für Glasbausteine eingebaut.

Wer jetzt noch ein Fenster aus der alten Rollwaldkirche kaufen will, sollte sich beeilen. Nur noch Einzelstücke sind übrig, jedes 112 mal 192 Zentimeter groß. Vier Fenster wurden in die neue Kirche eingebaut, drei weitere wurden als Reserve im Keller des Pfarrhauses eingelagert, um im Fall eines Schadens einzelne Gläser austauschen zu können. Die Kirchenbänke verkaufen sich bisher schlechter. Das liegt vielleicht an ihrer Größe (2,90 Meter) oder am eingeschränkten Sitzkomfort. Dennoch hoffen die Verantwortlichen, dass die Holzbänke noch Liebhaber finden. Denn auch sie atmen Vergangenheit: Auf diesen Bänken haben Gottesdienstbesucher seit Jahrzehnten gebetet.

Kirchenpavillon in Rollwald abgerissen

Kirchenpavillon in Rollwald abgerissen

Kurz Entschlossene können noch Musikwünsche für ein außergewöhnliches Orgelkonzert anmelden. Unerhörtes ist am Sonntag, 23. März, um 17 Uhr ist in der Kirche St. Matthias in Nieder-Roden zu erleben. Thomas Gabriel (Seligenstadt) spielt auf der romantischen Schlimbach-Orgel ein Wunschkonzert von Klassik bis Pop. Auf dem Programm stehen unter anderem Toccata und Fuge in d-moll (Bach), ein Stück von Débussy, der Rock-‘n‘-Roll-Hit „See You Later, Alligator“ und „Dancing Queen“ von Abba. Zwei oder drei weitere Stücke kann der Künstler noch im Programm unterbringen. Die Spielregeln: Für die Dauer des Musikstücks zahlt der Auftraggeber eine Spende von zehn Euro pro Minute. Er kommt dafür in den Genuss seines Musikwunsches und erhält freien Eintritt für sich und eine weitere Person. Auf Wunsch wird der Name des Sponsors im Programmheft genannt. Für Zuhörer ist der Eintritt zwar frei, die Organisationen freuen sich aber über eine Spende von zehn Euro pro Erwachsenen.

Das Konzert ist Teil einer Reihe an Benefizveranstaltungen zum Bau der Heilig-Kreuz-Kirche. Kulturvereine aus Nieder-Roden haben für diesen Zweck bereits mehrere Konzerte und Veranstaltungen ausgerichtet. Die Einnahmen aus dem Wunschkonzert sollen zum Kauf einer Orgel für die neue Kirche verwendet werden. Die 20 000 Euro für das Instrument waren im Bau-Etat nicht enthalten. Nur mit einer Sondergenehmigung aus Mainz darf die Pfarrgemeinde eine elektronische Orgel aufstellen, wie der langjährige Organist Bernhard Koser berichtet. Grundsätzlich bevorzuge die katholische Kirche Pfeifenorgeln. Diese seien aber anfällig für Temperaturschwankungen.

Quelle: op-online.de

Kommentare