Zocker verlieren

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Viele suchen das kleine Glück am Geldspielautomaten.

Rodgau (eh) - Spielhallen sind im Aufschwung. Die Zahl der Geldspielgeräte ist in Rodgau von 2006 bis 2010 von 71 auf 115 gestiegen. Die Automaten sind auch eine sprudelnde Steuerquelle. Sie sollen einen Teil dazu beitragen, das Haushaltsdefizit zu senken.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann erwartet für dieses Jahr 200.000 Euro an Spielapparatesteuer. In Rodgau suchen Menschen verstärkt das kleine Glück am Geldspielautomaten. Doch letzten Endes gewinnen immer diejenigen, die die Geräte aufstellen und betreiben. 1,87 Millionen Euro haben Spieler im Jahr 2010 in Rodgau an Geldspielgeräten verloren. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet bedeutet das einen Verlust von 43,48 Euro pro Person - vom Neugeborenen bis zur hundertjährigen Greisin.

Satte Zuwachsraten sind üblich. Allein von 2008 bis 2010 stieg die Jahreskasse in Rodgau um rund 66 Prozent, in den zwei Jahren zuvor um fast 50 Prozent. Noch vor einem Jahrzehnt hingen Daddelkästen mit Gewinnmöglichkeit vorwiegend in Kneipen und Gaststätten. Mit dem Aufschwung der Spielhallen hat sich das geändert. Anfang 2010 gab es in Rodgau 72 Geldspielgeräte in Spielhallen, aber nur 43 in der Gastronomie. Die Apparate in den Spielstätten machten jedoch erheblich mehr Umsatz. Nur ein Sechstel des Jahresgewinns durch Geldspielgeräte entfiel auf die Gastronomie.

Einen Teil des Gewinns schöpft die Stadt als Steuer ab: zwölf Prozent der so genannten „Bruttokasse“ in den Spielhallen und zehn Prozent in der Gastronomie. Für Geschicklichkeitsspiele, die den Spielern keinen Geldgewinn versprechen, sind die Steuersätze halb so hoch. Allerdings kassiert die Stadt höchstens 140 Euro pro Gerät und Monat. Das entspricht einem Kasseninhalt von 1166,66 Euro. Davon profitieren die Spielhallenbetreiber: In den Kassenboxen ihrer Geldspielgeräte landeten im Jahr 2010 durchschnittlich 1801,66 Euro pro Monat.

Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel

Die Stadt könnte ihre Einnahmen aus der Spielapparatesteuer um gut 60.000 Euro im Jahr steigern, indem sie die komplette „Bruttokasse“ besteuert - ohne Obergrenze von 140 Euro pro Gerät.

Bereits jetzt sprudelt diese Steuerquelle stärker als erwartet. Für 2009 rechnete die damalige Stadtkämmerin Hildegard Ripper mit 50.000 Euro, tatsächlich zahlten die Betreiber 82.161,01 Euro. Ein Jahr später verdoppelte die Kämmerin den Haushaltsansatz auf 100.000 Euro - und erneut floss weitaus mehr Geld von der Automatenbranche in die Stadtkasse (166.963,88 Euro). Ein neuer Rekord zeichnete sich 2011 bereits nach drei Vierteljahren ab.

Die Bundesregierung hat der Automatenwirtschaft seit 2006 eine massive Ausweitung ihres Geschäftszweiges ermöglicht: Die Mindestspieldauer beträgt seither nur noch fünf statt zwölf Sekunden, der maximale Verlust pro Stunde ist von 60 auf 80 Euro gestiegen. In Spielhallen dürfen mehr Geräte pro Konzession auf weniger Fläche aufgestellt werden.

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) kritisiert diese Entwicklung. Die Zahl der Geldspielgeräte sei seit 1998 „explosionsartig gestiegen“, teilte die HLS im Dezember mit. Bis zu 80 Prozent der Glücksspielsüchtigen seien vom Spiel an diesen Automaten abhängig.

Quelle: op-online.de

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