Sportcoach und Vereine bemühen sich um Integration von Flüchtlingen

Mit Fahrdienst zum Training

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Gemeinsam suchen sie nach Möglichkeiten, um Flüchtlinge und Sportvereine zusammenzubringen (von links): Miriam Seib, Erwin Kneißl, Arif Shahnawaz und Annemarie Jonas im Gespräch.

Weiskirchen - Sport soll Flüchtlingen helfen, sich einzuleben, wohlzufühlen und zu integrieren. Rodgaus Sportcoach Erwin Kneißl kümmert sich darum, den Kontakt zwischen Flüchtlingsinitiativen, Sportvereinen und Asylbewerbern aufzubauen und Angebote zu koordinieren. Dafür stellt das Land Hessen Fördermittel zur Verfügung. Von Simone Weil

„Ich weiß, wie das Leben ist, wenn man in ein fremdes Land kommt“, sagt Arif Shahnawaz. Vor mehr als 20 Jahren flüchtete er aus Pakistan nach Deutschland. Seit geraumer Zeit spielt er mit Gleichgesinnten das sogenannte Shooting-Volleyball, das in Pakistan, Indien und den USA beliebt ist. Auch Flüchtlinge spielen inzwischen mit. Deswegen ist Shahnawaz froh, bei der Sportvereinigung Weiskirchen (SVW) eine Heimat für die Sportler gefunden zu haben und immerhin fünf Stunden pro Woche die Halle nutzen zu können. Dafür telefoniert der Busfahrer den neuen Mitspielern auch bis zu drei- oder viermal hinterher: erinnert sie an ihren Trainingstermin, holt sie mit dem Auto ab und fährt sie auch wieder zurück zu ihrer Unterkunft. Jetzt würde er den Flüchtlingen gerne zu Sporttaschen verhelfen, damit sie ihre Trainingskleidung nicht in einer Plastiktüte mitbringen müssen. „Das sieht nicht so schön aus“, findet der Volleyballer, der sich auch Gedanken darüber macht, wie die Flüchtlinge von der Bevölkerung wahrgenommen werden. Annemarie Jonas, stellvertretende SVW-Vorsitzende, hat von dem Mangel gehört und sucht im Keller nach Sporttaschen.

Im Gespräch mit Erwin Kneißl und Miriam Seib, die die Arbeit aller Sportcoaches im Kreis koordiniert, sind sich alle Beteiligten einig, dass es diverser Bemühungen bedarf, um Flüchtlinge und deutsche Vereinskultur unter einen Hut zu kriegen. „Verbindlich Termine einzuhalten und regelmäßig zum Training zu erscheinen, fällt vielen offensichtlich schwer“, hat Annemarie Jonas bei den Gymnastikfrauen gemerkt. Miriam Seib, die für den Sportkreis Offenbach nach Interessenten für eine „interkulturelle Übungsleiterausbildung“ (C-Lizenz) sucht, weiß, dass gerade bei Frauen die Kinderbetreuung ein wichtiges Thema ist: Die Fortbildung mit entsprechenden Sprachtrainings findet an zwölf Wochenenden statt. „Wir überlegen natürlich auch, wie wir die Motivation bei den Teilnehmern erhalten können“, sagt Kneißl.

Archivbilder

Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

Dem Sport-Coach sind „mono-ethnische Sportvereine“ ein Graus. Seiner Meinung nach wird der Integrationsgedanke unterlaufen, wenn Italiener, Türken oder Afrikaner unter sich bleiben. Deswegen liegt Kneißl viel daran, dass sich alle Mannschaften öffnen, um Begegnungen möglich zu machen. Denn nur dann kann gelingen, was sich Annemarie Jonas vom Engagement der Vereine erhofft: nämlich Vorurteile abzubauen. So ist bei der SVW im neuen Jahr ein offenes Training mit den Shooting-Volleyballern geplant, damit auch andere den Sport ausprobieren können. „Jeder kann bei uns mitspielen“, wirbt Shahnawaz.

Auch die aktuelle Liste mit Angeboten, die den Flüchtlingen offenstehen, kann sich sehenlassen. Immerhin gibt es in Rodgau derzeit 49 Sportvereine, davon gehören 33 dem Landessportbund Hessen an: Von Cricket über Kinderturnen und Boule bis hin zu Zumba und Skigymnastik reicht das Spektrum allein in Rodgau. Als gedruckte Broschüre ist die kreisweite Sammlung der Möglichkeiten als „Sportwegweiser für Flüchtlinge“ erschienen.

Quelle: op-online.de

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