Sportvereine entwickeln sich zu Dienstleistern

Fit für die Zukunft mit Trendsport

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Wie vielseitig einsetzbar die großen Gymnastikbälle sind, beweist „Drums Alive“ vom Freundeskreis Turnen und Fastnacht. Hier wird auf den Plastikbällen getrommelt.

Rodgau - Sportvereine erfinden sich neu, um fit für die Zukunft zu werden. Neben dem Mannschaftssport sind zunehmend Fitness-Angebote gefragt - je unverbindlicher, umso besser. Trendsport von Tae Bo bis Zumba hat in vielen Rodgauer Vereinen eine Heimat. Von Peter Petrat

„Nur durch Trendsport kann ein Verein heute noch neue Mitglieder gewinnen“, sagt Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel. Neue Angebote seien fast schon lebensnotwendig für die Vereine. Deutlich längere Schulzeiten, zunehmende Konkurrenz innerhalb der Vereinslandschaft und die Angebote der Fitnessstudios machen den Sportvereinen zu schaffen. Schon seit einigen Jahren beobachtet Dinkel eine starke Veränderung innerhalb der Vereine. Es mangelt oft nicht nur am Nachwuchs, das Vereinsleben ist deutlich kurzlebiger geworden: „Der Verein ist inzwischen viel mehr Dienstleister.“

Tae Bo ist eine Fitness-Sportart, die bei schneller Musik verschiedene Elemente aus asiatischen Kampfsportarten mit klassischer Aerobic verbindet und geht auf seinen Erfinder Billy Blanks zurück, der damit bereits 1989 begann. Aber erst in den letzten Jahren schwappte die Welle der Begeisterung nach Deutschland.

Die Werte der Gemeinschaft und der Heimat in einem Verein haben an Bedeutung verloren. Die jüngere Generation kann der gemeinsamen Arbeit und dem gemeinsamen Erfolg nur noch wenig abgewinnen. Ganze Sparten, wie etwa die Tierzuchtvereine, leiden an Überalterung und werden wohl keine Zukunft haben. Um als Sportverein zu überleben, ist es laut Peter Dinkel umso wichtiger, Entwicklungen und Trends zu erkennen und zumindest einen Mitgliederschwund zu vermeiden. Die Entwicklung gehe von reinen Fußball- oder Turnvereinen hin zu Vielspartenvereinen, die ihren Mitgliedern eine große Auswahl bieten können. Dazu bedarf es aber ausreichender Kapazitäten an Sporthallen, -plätzen und Übungsleitern, so dass eigentlich nur Großvereine bleiben.

Zumba gilt als Paradebespiel für Trendsport. Aber was „Trendsport“ eigentlich ist, kann auch der Sportkreisvorsitzende nicht so einfach erklären. Lieber nennt er Beispiele: Showtanz, Tai Chi und Beachsoccer gelten als Trendsportarten. Viele der trendigen Sportarten kommen aus Übersee, überwiegend England und Amerika. Als kleiner Verein hat der Radfahrerverein Germania (RVG) Jügesheim auf den Wandel reagiert. Er bietet schon seit längerer Zeit deutlich mehr als Radsport an. Seit rund einem Jahr unterhält er eine sportliche Kooperation mit dem Freundeskreis Turnen und Fastnacht und hat unter anderem auch Zumba ins Programm genommen. Für das neue Angebot wurde zunächst der eigene Tae-Bo-Kurs deutlich gekürzt, weil dort wieder ein leichter Rückwärtstrend erkennbar war, und ein gemeinsames Angebot mit dem Freundeskreis geschaffen. „Tae Bo nimmt als Trendsport ab, dafür ist Zumba ganz stark im Kommen“, erklärt der zweite Vorsitzende Bernd Fritscher die damalige Entscheidung des RVG und die Notwendigkeit zu reagieren: „Erst nur in den Fitnessstudios, kommt es nun zu den Vereinen.“ Ein Trendsport war der Radsport wohl noch nie. „Früher gab es zumindest bei der Tour de France noch einen Hype“, blickt Vorsitzender Jürgen Herr zurück, „die Hallenradsport-Weltmeisterschaft hingegen war kaum in den Medien vertreten.“ Kaum ein Jugendlicher weiß vom Hallenradsport oder davon, wie erfolgreich Deutschland im anspruchsvollen Radball ist.

Neben Pilates, Rope-Skipping und Dance Aerobics bietet die TGS Jügesheim auch Fitball-Aerobic mit Birgit Stowasser an.

Die Zusammenarbeit des RVG mit dem Freundeskreis bestätigt die Annahme des Sportkreisvorsitzenden Peter Dinkel. „Die Halle ist der Hauptkostenpunkt bei uns“, bestätigt Jürgen Herr. Deshalb sei es wichtig, sie effektiv zu nutzen: „Nun können auch Kurse des Freundeskreises hier stattfinden.“ Auch das Kursangebot hat sich unter dem Strich vergrößert, Mitglieder beider Vereine können nun auch auf die Angebot des jeweils anderen Vereins zugreifen. „Die Zukunft liegt im unverbindlichen Jedermannsport“, resümiert Bernd Fritscher. „Die Menschen wollen wie im Fitnessstudio vorbeikommen, eine Stunde Sport machen und danach einfach wieder gehen, ohne Verpflichtungen, ohne Arbeitsdienste und ohne Vereinsleben.“ Der Verein stehe vor der Aufgabe, besonders die Zielgruppe von 20 bis 40 Jahren zu begeistern.

Auch große Vereine wie TGS und TGM SV Jügesheim stellen sich auf das veränderte Freizeitverhalten ein. Mit Zehnerkarten können auch Nichtmitglieder viele Angebote flexibel in Anspruch nehmen. Pilates, Rope-Skipping oder Fitball-Aerobic gehören dazu. Vereine müssten sich stetig anpassen, um attraktiv zu bleiben, betont Götz Schwarz vom Vorstand der TGM SV.

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Quelle: op-online.de

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