Spürnase rettet Leben

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Auftrag erfüllt, vermisste Person gefunden. Jetzt hat sich Hailey das Leckerli aber sicher verdient.

Dudenhofen ‐ Die Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) benötigt permanentes Training, um für Ernstfälle wie zuletzt in Neuseeland gerüstet zu sein. Von Andreas Pulwey

Schließlich sollen empfindliche Hundenasen verschollene Personen und Menschen unter Trümmern aufstöbern. Auf dem Gelände der Rodgauer Baustoffwerke trainieren die Hunde und deren Hundeführer vom DRK Babenhausen. Manuela Schmerker nimmt die Geröllhalde genau unter die Lupe. Irgendwo darin befindet sich eine vermisste Person. Ihre Ausbildung in Trümmerkunde hat die Hundeführerin in den 13 Jahren ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim DRK schon oft wiederholen müssen. So schreiben es die Bestimmungen vor. Schließlich sollen weder Mensch noch Hund bei der Suche selber in Not geraten.

Noch sitzt Schmerkers Belgische Schäferhündin Hailey (5) neben ihr, kann sich aber kaum noch zurückhalten. Sie will die vermisste Person unbedingt suchen. Auch das Tier hat zu diesem Zweck über Jahre hinweg diverse Prüfungen abgelegt.

Die Hundeführerin nimmt ein Fläschchen Babypuder, sprüht den weißen Staub in die Luft und erkennt so die genaue Windrichtung. Der Geruch des unter den Trümmern vermissten Menschen soll in Richtung der feinen Hundenase wehen. Und dann geht die wilde Suche los. Auf Kommando saust Hailey über das vermeintlich eingestürzte Gebäude, immer mit der Schnauze zwischen den Steinen. Bis in vier Meter Tiefe findet sie die Stelle mit dem intensivsten menschlichen Geruch. Ununterbrochenes Bellen signalisiert der Hundeführerin: Hailey ist fündig geworden.

Das Testgelände ist nichts anderes als ein Haufen ausrangierter Steine auf dem Gelände der Rodgauer Baustoffwerke. Manfred Koch, Staffelleiter beim DRK-Babenhausen, ist bei dem Dudenhöfer Unternehmen beschäftigt und schuf somit die Voraussetzungen für das praktische Training auf dem Werksgelände.

Zehn bis 15 Einsätze haben die DRKler jährlich, von Heppenheim bis in den Taunus. „Die laufen meistens unspektakulär in der Nacht ab“, berichtet Manuela Schmerker, die gemeinsam mit Leiterin Judith Grön als Ausbilderin und Prüferin fungiert. Verschwundene Kinder und Senioren suchen, das gehört zum Repertoire der tierischen Spürnasen, genau genommen zum Einsatzgebiet der Flächensuchhunde. Zu den 16 Tieren, die sich im Besitz der Hundeführer befinden, gehören auch Trümmersuchhunde. Letztere waren beispielsweise vor acht Jahren erfolgreich, als Personen nach einer Gasexplosion in Reinheim vermisst wurden.

Beide Such-Gruppen haben eine fast identische Ausbildung, die im Welpenalter von acht bis neun Wochen beginnt. Auch am anderen Ende der Hundeleine ist ein fundiertes Training Pflicht für die Ausübung des verantwortungsvollen Ehrenamtes. Erste Hilfe am Suchhund, Einsatztaktik und Sanitätsausbildung gehören zu den Prüfungsfächern.

„Jede Rasse hat Stärken und Schwächen“, erklärt Manuela Schmerker. Mittelgroße Tiere sollten es sein, wie Schäferhunde, Retriever oder Hütehunde. Aggressionen müssen ihnen fremd sein. Wenn die Hunde beim Einsatz im Wald Rehe aufstöbern, müssen sie diese links liegen lassen. Ihr Ziel gilt einzig und allein dem menschlichen Geruch und der dazugehörigen vermissten Person.

Quelle: op-online.de

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