Auf den Spuren des Schuhmachers Grimm

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Sie alle stammen - wenn auch manchmal um einige Ecken herum - aus dem Familienzweig von Philipp Grimm ab. Die Einen (wie Melissa und Tim Arifin vorne in der Bildmitte) leben in Amerika, die anderen in Nieder-Roden und Umgebung.

Nieder-Roden - Das Nachforschen in Stammbäumen, Ahnentafeln und als Teil dessen in den Auswanderungstendenzen seiner Mitbürger sind Beschäftigungen, bei denen dem Nieder-Röder Hobby-Historiker Helmut Simon das Herz aufgeht. Von Christine Ziesecke

Gerade die Auswanderungswelle, die an Nieder-Roden bis auf rund 160 Menschen weitgehend vorbeigegangen ist, interessiert ihn zur Zeit und lässt ihn damit liebäugeln, vielleicht auch darüber eines seiner historischen Hefte zu veröffentlichen.

In Nieder-Roden ging es den Menschen immer relativ gut, deshalb sind sie weit weniger ausgewandert als es in den umliegenden Orten der Fall war, wo oft viele Hundert Bürger die Orte verlassen haben“, mutmaßt er. Dass er mit seinen Studien nicht nur Fakten, sondern auch Menschen zusammenbringt, zeigte sich am Mittwochabend beim Treffen aller bekannten Nachfahren des Schuhmachers Phillip Grimm aus der Hauptstraße 26.

Im Jahr 1868 war Grimm mit vier Söhnen und drei Töchtern in den Mittleren Westen Amerikas ausgewandert. Dort gründete er einen gut gehenden Schuhmacherladen - der Beginn einer festen Verankerung der Familie in der neuen Welt.

Melissa Arifin freute sich über das Buch „Die kranke Kuh“, das ihr der Autor Helmut Simon überreichte. Er hatte die Verbindung zu der in den USA lebenden Grimm-Sippe hergestellt.

Rund 130 Jahre später wandte sich nun einer der in Amerika lebenden Nachfahren, Noel Grimm, auf der Suche nach seinen Wurzeln über das katholische Pfarramt Nieder-Roden an Helmut Simon, der schon zahlreiche historische Hefte über seinen Heimatort veröffentlicht hat.

Simon entwickelte darauf den in Rodgau wurzelnden Stammbaum der Grimms, Noel Grimm stellte daraus eine Familienchronik zusammen, einen dicken Ordner, der in Kopie auch in Nieder-Roden landete.

Nach einigen Jahren ohne Kontakt kam es diese Woche nun zu einem unverhofften Familientreffen.

Während ihrer Europareise besuchten Melissa Arifin und ihr indonesischer Ehemann Tim - sie Altenerzieherin, er Wirtschaftsingenieur - zwei Tage lang Rodgau. Nach eigenen Aussagen war Phillip Grimm Melissas „Great-Great-Grandfather“. Also einige Ecken sind wohl drin, doch mit großem Interesse widmete sich das junge Paar der Familiengeschichte, wanderte mit dem Ehepaar Simon durch Nieder-Roden, besichtigte das Geburtshaus von Phillip Grimm, die Kirche und die Grimm-Gräber auf dem Friedhof, und traf sich abends mit dem restlichen Grimm-Clan aus dieser Linie.

Zwischen Fotoalben, Chroniken und Stammbäumen kramte jeder der 37 Gäste von 15 bis 85 Jahre seine Englisch-Kenntnisse zusammen und verklickerte dem Besuch seine Verbindung zur Grimm-Sippe. Letztlich waren unter den Gästen noch sieben Grimms, die heute noch diesen Namen tragen.

So viele Grimms gibt's hier nicht mehr“, wusste Helmut Simon aus seiner Recherche. „Die sterben allmählich ebenso aus wie die Simons - derzeit verbreiten sich hauptsächlich die Weilands und die Kellers in Nieder-Roden.“

Ehe es für die Gäste weiter ging nach Rothenburg, gab es noch eine lange und gelungene Nacht im SG-Clubhaus, das von Wilma Wanko, Helga Grimm und Edith Mayer (alle echte oder angeheiratete Grimms) vorbereitet worden war.

Tags zuvor hatten sie auch schon mit Luftballons und Transparent am Nieder-Röder Bahnhof auf die weit gereisten Nachfahren (von denen sie bis vor Kurzem fast nichts gewusst hatten) gewartet - leider umsonst, denn die hatten wohl ein Problem mit der S-Bahn gehabt und waren derweil mit dem Taxi im Hotel angekommen.

Nach Holland und Deutschland geht es für Arifins noch nach Spanien, ehe sie mit vielen guten Erinnerungen an die Stadt ihrer Vorfahren wieder über den großen Teich zurück nach Minnesota reisen.

Quelle: op-online.de

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