Prozess vor dem Landgericht

Staatsanwalt war ein übler Betrüger

Rodgau - Kriminelle sind bei ihren Schurkereien oft sehr kreativ. Das bewies einmal mehr ein 53-jähriger Rodgauer, der wegen Erpressung vom Amtsgericht Offenbach zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

Anstatt die Strafe abzusitzen, saß er nun zur Verhandlung in zweiter Instanz vor dem Landgericht Darmstadt erneut vor der Justiz. Dem selbstständigen Fliesenleger war es ein Dorn im Auge, dass der Onkel seiner Ehefrau regelmäßig ohne Fahrerlaubnis auf dem Traktor unterwegs war. Der ältere Herr hatte zwar irgendwann mal die Fahrschule besucht, sie jedoch ohne Prüfung abgebrochen. Da überlegte sich der Angeklagte, wie er dieser Ordnungswidrigkeit endgültig den Garaus machen und dabei auch noch Geld heraus schlagen könnte.

Anfang Dezember 2011 griff er zum Telefon und rief den Onkel an. So oder ähnlich soll der Verwandte die von ihm nicht erkannte Stimme im Hörer vernommen haben: „Hier ist Oberstaatsanwalt Schmidt. Es liegen mehre Anzeigen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis gegen sie vor. Ich kann von einer weiteren strafrechtlichen Verfolgung absehen, wenn sie 72.000 Euro zahlen.“ Der erschrockene Erpresste erklärte sich einverstanden. In weiteren Telefonaten wurde die Übergabe des Geldes vereinbart. In zwei Raten deponierte er je 30.000 und 42.000 Euro in einem Mülleimer in der Bleichstraße in Dudenhofen. Und der Eimer wurde auch geleert.

Der selbsternannte Oberstaatsanwalt investierte das ergaunerte Geld in eine Urlaubsreise, zu begleichende Gerichtskosten und einen Mercedes Transporter. Wahrscheinlich wäre er damit ungeschoren davon gekommen, wenn der Handwerker das lukrative Geschäft nicht noch mehr hätte ausreizen wollen. Er überspannte den Bogen und forderte im Frühjahr 2012 vom Onkel noch einmal 20.000 Euro. Endlich ging der Geschädigte zur Polizei. Bei einer fingierten Geldübergabe mit Spielgeld wurde der 53-jährige dann festgenommen. Aus der ersten Erpressung zahlte er 45.500 Euro zurück.

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Sowohl Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte legten Berufung ein. Vor der 8. Strafkammer nahmen allerdings nun beide Parteien in gegenseitigem Einvernehmen ihre Rechtsmittel zurück. Verteidigerin Friederike Vilmar: „Nach reiflicher Überlegung möchten wir Rechtsfrieden herstellen.“ Damit ist das Urteil rechtskräftig.

(gel)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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