Stadt ersteigert alte Telefonzelle

Rodgau (eh)- Eine gelbe Telefonzelle aus der Zeit der ehemaligen Deutschen Bundespost wird bald vor dem Rathaus aufgestellt. Die Stadt hat sie im Internet ersteigert. In der Telefonzelle wird ein öffentlicher Bücherschrank eingerichtet.

„Drei, zwei, eins ... meins!“ hieß es am Samstag um 19.10 Uhr. Mit 81 Geboten hatten sich acht Kaufinteressenten bis auf 515 Euro hochgehandelt. Dann fiel der Zuschlag an die Stadt Rodgau. Für Stefan Jaud, den Leiter des Fachdienstes „Soziale Angelegenheiten und Bildung“, ist damit eine beharrliche Suche von Erfolg gekrönt. Seit Monaten hatte er bei unzähligen Auktionen mitgesteigert, aber stets hatten ihm andere Bieter die Ware weggeschnappt. Die gelben Zellen sind begehrt. „Es hat wirklich lange gedauert“, gibt Jaud zu. Das sei nicht zuletzt auf das begrenzte Budget zurückzuführen: „Wir haben natürlich versucht Steuergelder zu sparen und da sind wir eben ein paar mal aus dem Rennen geflogen.“

Als erfahrener Bieter ging der Fachdienstleiter nicht auf jedes Angebot ein: „Es gibt auch Anbieter im Netz, bei denen würde ich nichts kaufen.“ Die Stadt selbst hat einen ausgesprochen guten Ruf: Mit 798 positiven Bewertungen gilt sie als sehr zuverlässig. Schon zahlreiche Gebrauchtgeräte der EDV-Abteilung wurden via Internet verhökert. Im gleichen Auktionshaus fand die Stadt aber auch schon gebrauchte Büromöbel für einen Seminarraum der Volkshochschule.

„Das Holz liegt schon bereit“

Noch steht die Telefonzelle in Vilseck in der Oberpfalz. Bald soll sie per Spedition in Rodgau angeliefert werden. In etwa zwei Wochen will die Stadt vor dem Rathaus ein Betonfundament gießen, auf dem die Telefonzelle sicher verankert wird. Anstelle des zerfledderten Telefonbuchs von 2003/2004 sollen dort künftig 200 bis 300 Bücher zur kostenlosen Ausleihe bereitstehen.

Als Inneneinrichtung bekommt die gelbe Zelle ein maßgeschreinertes Bücherregal. Dafür sorgen handwerklich begabte Jugendliche aus dem Berufsförderungsprojekt „Rodgau 16 plus“. „Das Holz liegt schon bereit“, sagt Stefan Jaud.

Ebenfalls schon vorbereitet ist der Lesestoff. Bibliothekarin Nicole Köster hat eine Auswahl an Romanen sowie Kinder- und Jugendbüchern bereitgelegt. Sie will künftig regelmäßig nachsehen, wie der öffentliche Bücherschrank genutzt wird. Wenn sich das Pilotprojekt bewährt, will die Stadt weitere Bücherschränke in anderen Stadtteilen aufstellen.

Ob die Stadt dann wieder eine Telefonzelle ersteigert, bleibt abzuwarten. Klar ist: Das modernere Modell in den Telekom-Farben Magenta und Weiß wird nicht zu haben sein. „Die Telekom stimmt einem Verkauf nicht zu“, weiß Stefan Jaud: „Diese Telefonzellen sind als Geschmacksmuster geschützt.“ Ein Schrotthändler, der ein Exemplar abzweigte, habe richtig Ärger bekommen.

Quelle: op-online.de

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