Stadt kann vom Stromnetz profitieren

Rodgau ‐ Die Stadt Rodgau und die Energieversorgung Offenbach (EVO) wollen das Stromnetz der vier nördlichen Stadtteile möglicherweise gemeinsam betreiben. Diese Option sieht der neue Konzessionsvertrag vor, den beide Partner jetzt für eine Laufzeit von zehn Jahren geschlossen haben. Von Ekkehard Wolf

Auch der Gasversorger Maingau Energie GmbH aus Obertshausen, der 2007 in den Stromvertrieb eingestiegen ist, hatte sich um die Stromkonzession beworben. 

Finanziell kamen beide Unternehmen der Stadt entgegen. Beide garantierten die höchste zulässige Konzessionsabgabe – bisher etwa eine Million Euro im Jahr – und einen Rabatt auf die Stromrechnung der städtischen Einrichtungen. Die Stadt ist einer von sieben Gesellschaftern der Maingau Energie GmbH, sie hält 8,28 Prozent der Anteile.

Dass der Magistrat letztlich die EVO bevorzugte, lag nicht nur an der langen Geschäftsverbindung, sondern auch an den Möglichkeiten, die sich nach dem Ende des Zehnjahresvertrags bieten. Bei einem Vertrag mit der Maingau Energie hätte die Stadt in zehn Jahren das Stromnetz kaufen können, um es selbst zu betreiben. Die EVO hingegen bot die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft an. „Diese Option öffnet der Stadt den Weg in eine viel versprechende Kooperation“, schrieb Bürgermeister Jürgen Hoffmann in der Beratungsvorlage fürs Stadtparlament: „Die Stadt gewinnt dadurch strategische und wirtschaftliche Handlungsspielräume und kann an den Gewinnen aus dem Netzbetrieb teilhaben, ohne das alleinige Risiko sowie die finanzielle Last tragen zu müssen.“

Mit der Vertragslaufzeit von zehn Jahren gibt die Stadt Rodgau dem Netzbetreiber EVO die Sicherheit, dass sich Investitionen ins Stromnetz lohnen. Seit 2001 war der Konzessionsvertrag immer nur um zwei Jahre verlängert worden. Die Stadt hoffte, dass sich mehr Wettbewerb in der Energiewirtschaft in günstigeren Konditionen niederschlagen würde.

In den nächsten Jahren ist nach Ansicht des Magistrats „genügend Zeit, die Möglichkeit der Bildung einer gemeinsamen Gesellschaft zu prüfen und zu planen“. Der Vertragstext lässt einen zeitlichen Spielraum: Falls die Idee einer „Netzgesellschaft Rodgau GmbH“ Wirklichkeit wird, endet der Konzessionsvertrag schon vor Ende 2019.

Für das Stromnetz in Nieder-Roden und Rollwald hat sich Rodgau hingegen auf 20 Jahre an die Firma HSE (Darmstadt) gebunden. Erst im Jahr 2026 eröffnet sich die Gelegenheit, das Stromnetz im Stadtgebiet in der Hand eines Betreibers zu vereinen.

Die Trennung der Stromnetze ist eines der letzten Überbleibsel aus der Zeit vor der kommunalen Gebietsreform 1977. Damals gehörte die Gemeinde Nieder-Roden zum Kreis Dieburg, die übrigen vier Rodgau-Gemeinden zum Kreis Offenbach. Auch bei den Einzugsbereichen der Sparkassen und einiger Sportverbände lebt diese alte Trennung noch fort.

Fakten

  • Das örtliche Verteilnetz der EVO in den vier nördlichen Stadtteilen Rodgaus besteht aus Leitungen von 20.000 Volt (58 Kilometer) und 400 Volt (197 Kilometer). Der größte Teil dieser Leitungen ist älter als 15 Jahre.
  • Die EVO betreibt in Rodgau 80 Netzstationen, 6774 Hausanschlüsse und 16.796 Stromzähler.
  • Jedes Jahr investiert der Netzbetreiber in Rodgau rund 300.000 Euro.
  • Stromausfälle sind ärgerlich – und selten. Die mittlere Unterbrechungsdauer pro Kunde lag in den vier nördlichen Stadtteilen Rodgaus 2009 bei einer Minute, im gesamten EVO-Gebiet bei fünf Minuten.
  • Zum Vergleich: Die Maingau Energie GmbH hat in Rodgau 3400 Gas- und 240 Stromkunden. Sie betreibt in Rodgau ein Gasrohrnetz von 140 km Länge. In dessen Instandhaltung und Erneuerung investiert sie jährlich rund 250.000 Euro.

Quelle: op-online.de

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