Stadt korrigiert Bebauungsplan

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Das Grundstück an der Tannenstraße 11 möchte die Stadt verkaufen.

Nieder-Roden (eh) - Korrekturen am Bebauungsplan „Forschheimer See“ (N 19. 2) hat Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Dienstag in einer Bürgerversammlung angekündigt. Die Gebäudehöhe werde wie bei den bestehenden Häusern auf zehn Meter begrenzt (statt 14 Meter).

Zudem werde ein „reines Wohngebiet“ festgeschrieben, kein „allgemeines Wohngebiet“. Viele der etwa 80 Zuhörer quittierten diese Ankündigung mit Beifall. Bürger hatten etwa 40 Einsprüche gegen die Änderung des Bebauungsplans vorgebracht.

Hoffmann versprach zudem, er wolle prüfen, den Fußweg auf dem Grundstück Tannenstraße 11 zu erhalten. Die Bürgerinitiative habe dafür „nachvollziehbare Argumente“ vorgebracht.

An der Absicht, drei Grundstücke zu verkaufen, will die Stadt nicht rütteln. Bürgermeister Hoffmann begründete dies mit dem Spielplatzentwicklungskonzept und der prekären finanziellen Lage der Stadt: „Es ist die einzige Chance, überhaupt noch etwas zu bewegen.“

Zentrale Spielfläche bleibt erhalten

Stadtrat Michael Schüßler, Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Hannelore Wrede, Sprecherin der Bürgerinitiative bei der Bürgerversammlung am Dienstag

Das Stadtparlament hatte im Dezember beschlossen, nicht mehr benötigte Flächen zu veräußern und die Hälfte des Erlöses in eine bessere Ausstattung der übrigen Spielplätze zu investieren. Für jedes Rodgauer Kind gebe es mindestens einen Spielplatz im Umkreis von 300 Metern, so Hoffmann. Für die 56 Kinder im Gebiet Forschheimer See bleibe die zentrale Spielfläche erhalten.
Auf sinkende Kinderzahlen wies Stadtrat Michael Schüßler hin. Auch in Nieder-Roden sei nicht mit einem starken Geburtenzuwachs zu rechnen - dafür gebe es zu wenig Eltern.
In einer oft emotional aufgeladenen Atmosphäre trugen Mitglieder der Bürgerinitiative ihre Argumente vor, um einen Verkauf der drei Grundstücke zu verhindern. Da ging es um kurze Fußwege, rücksichtslose Autofahrer, grüne Oasen und die angebliche „Umwandlung von Spielplätzen in Beton“. Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal (Frankfurt) kritisierte, dass es in Rodgau keine Grünflächenplanung für das ganze Stadtgebiet gebe. Während Frankfurt sich mit großem Aufwand bemühe, Grünachsen in die Stadt zu holen, opfere Rodgau drei so genannte Pocket- oder Taschenparks.

Haushalt sanieren per Lottospiel

Den Vorwurf stadtplanerischen Versagens ließ Stadtrat Michael Schüßler nicht auf der Stadt sitzen. Das grundlegende Problem in Rodgau bestehe darin, dass Jahrzehnte lang Gruppeninteressen befriedigt worden seien. Das Ergebnis seien 40 Millionen Euro Schulden. Ein Spielplatz-Anwohner schlug sogar vor, per Lottospiel den Haushalt zu sanieren. Schüßler winkte ab: „Der Kreis Offenbach hat das jahrelang getan und ist damit brachial auf den Kopf gefallen.“

Ausgebuht wurde eine Immobilienmaklerin, die den Konflikt am Forschheimer See aus einem anderen Blickwinkel beleuchtete: Viele Menschen lebten allein in viel zu großen Häusern und wollten ihre Grundstücke für Kinder oder Enkel aufheben, die in München oder Berlin wohnten. Was wirklich fehle, seien Seniorenwohnungen.

Quelle: op-online.de

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