Stadt muss 60.000 Liter Bier verkaufen

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Noch bis zum 30. Juni ist das Bürgerhaus-Restaurant unter bisheriger Leitung offen. Stammgäste sorgen sich um die Zukunft.

Dudenhofen (eh) - Der Magistrat sucht neue Wege für die Zukunft der Gastronomie im Bürgerhaus Dudenhofen. Für das Restaurant unter bisheriger Leitung bedeutet dies das Aus. Der Magistrat hat den Pachtvertrag zum 30. Juni gekündigt.

Nur dann sehe er die Möglichkeit, „einen Veränderungsprozess in Gang zu setzen“, sagt Stadtrat Michael Schüßler (FDP).

Dennoch ist die Stadt in der Pflicht, einen alten Vertrag mit der Privatbrauerei Glaab erfüllen. Etwa 600 Hektoliter Bier muss sie noch verkaufen. „Wir zahlen ein Darlehen für die Ausstattung der Gaststätte durch den Verzicht auf die Rückvergütungen ab“, erklärt Bürgermeister Hoffmann (SPD).

Der Vertrag lief von 1. August 2001 bis 31. Juli 2011. Die Stadt verpflichtete sich, in diesen zehn Jahren 1 400 Hektoliter Bier abzunehmen. Doch nur etwas mehr als die Hälfte dieser immensen Menge floss durch die Zapfhähne im Bürgerhaus Dudenhofen.

Stadtrat Schüßler führt dies auch darauf zurück, dass Vereine ihre Gäste bei Saalveranstaltungen üblicherweise selbst bewirten. Die Folge: Der Getränkeumsatz wird in der Regel nicht auf den Biervertrag der Stadt angerechnet. Schüßler will das ändern: „Was wir in den letzten Jahren betrieben haben, das war so eine Art Rosinenpickerei - und die Stadt hat die Zeche bezahlt. Das ist keine Kritik, sondern eine Beschreibung des Status quo.“

Stadt und Brauerei haben sich nun laut Schüßler geeinigt, auch das Bürgerhaus Nieder-Roden und das Strandbad in den Getränkevertrag aufzunehmen, um die 600 Hektoliter in absehbarer Zeit unter die Leute zu bringen.

Schließung gefährdet Vereinsleben

„Als wir hineingekommen sind, lief der Vertrag schon fünf Jahre“, berichtet Andreas Depold, dessen Ehefrau Laura das Bürgerhaus-Restaurant seit Sommer 2006 betreibt. Ihr Pachtvertrag wurde zunächst auf fünf Jahre geschlossen und sollte sich danach stillschweigend von Jahr zu Jahr verlängern. Am 29. Dezember erhielten die Pächter die Kündigung. „Das hat nichts mit uns persönlich zu tun, man will sich lediglich den Rücken frei halten“, sagt Andreas Depold: „Das ist Sache des Eigentümers, damit gehe ich auch konform. Fakt ist aber auch, dass Vereinsmitglieder und Senioren in Dudenhofen enttäuscht sind.“ Eine Schließung des Lokals gefährde das Vereinsleben. Auch für die Jahrgangstreffen der älteren Menschen gebe es im Ort bald keine Möglichkeit mehr.

„Wir haben die Kündigung nicht ausgesprochen, um die Gaststätte dichtzumachen“, betont Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Der Magistrat wolle nur die Möglichkeit für eine Umgestaltung schaffen: „Jede Veränderung bedingt, dass wir diese Räumlichkeiten frei haben müssen.“

Was aus der Gastronomie im Bürgerhaus Dudenhofen werden soll, steht noch in den Sternen. Eine Machbarkeitsstudie soll die Chancen des Standorts ausloten. „Der Außenbereich hat große Potenziale, aber das muss auch vom Ambiente her stimmen“, sagt Stadtrat Schüßler. Zudem bestehe im Bürgerhaus hoher Sanierungsbedarf, unter anderem bei der Wärmedämmung. Bereits vor Jahren hatte die Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) eine umfangreiche Mängelliste erstellt, die auch ein Thema im Ortsbeirat war.

Was alles an dem 32 Jahre alten Zweckbau gemacht werden muss, konnte die Stadtverwaltung gestern nicht sagen. Im Haushaltsplan 2012 steht für eine Sanierung des Bürgerhauses ohnehin kein Geld bereit.

Quelle: op-online.de

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