Verkauf von 6 700 Quadratmetern

Baugebiet am ehemaligen Weiskircher Kreisel

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Wohnen am Lärmschutzwall: Hier will ein Bauträger zehn Doppelhaushälften und drei Dreier-Reihenhäuser errichten.

Weiskirchen - Ein Bauträger will 19 Wohnhäuser an der Ostpreußen- und Udenhoutstraße errichten, wenige Meter vom Lärmschutzwall an der Bundesstraße 45 entfernt. Für das 6 704 Quadratmeter große Baugelände bietet er der Stadt 500.000 Euro.

Der Magistrat ist froh, nach jahrelangen Bemühungen einen Käufer gefunden zu haben. Früher befand sich an dieser Stelle ein Verkehrskreisel, mit dem Weiskirchen an die B 45 angebunden war. Der Kaufpreis sorgte für Diskussionsstoff im Bau- und Verkehrsausschuss. Fred Neuhäusel (ZmB) bezeichnete 74,50 Euro je Quadratmeter als viel zu niedrig; immerhin könne man für Baugrundstücke am Forschheimer See gut 400 Euro bekommen. Jürgen Kaiser (SPD) hielt ihm entgegen, es gebe erhebliche Unterschiede zwischen diesen beiden Wohnlagen; außerdem sei das Gelände in Weiskirchen noch nicht erschlossen.

Auch Anette Schweikart-Paul (CDU) warf die Frage auf, ob der Preis marktgerecht sei. Die Stadt solle sich für den Fall absichern, dass der Bauträger damit einen Riesen-Reibach mache. Grundsätzlich sei es ein altes Anliegen der CDU, das Gelände zu verkaufen: „Dass es jetzt vermarktet wird, ist gut.“

„Wir haben viele Jahre lang versucht, das Grundstück zu verticken. Das kann nicht daran liegen, dass der Andrang so groß war“, spottete Heino Reckließ (FDP). Das Gelände sei nur begrenzt attraktiv. Wer dort baue, müsse wohl „DDR-Nostalgiker sein und an der Mauer wohnen wollen“. Nach dem Rückbau des Kreisels war mit den brach liegenden Flächen im so genannten „Hundsrück“ zunächst wenig anzufangen. Deshalb wurden sie bei der Bewertung des städtischen Vermögens im Jahr 2005 nur mit drei Euro pro Quadratmeter eingestuft. Eine zusammenhängende Fläche entstand daraus erst später, als die Bundesrepublik der Stadt Rodgau drei nicht mehr benötigte Flurstücke schenkte. Die Stadtplaner erstellten daraufhin im April 2006 ein Bebauungskonzept für 14 Wohnungen und reichten eine Bauvoranfrage ein.

Negativbeispiel Deutsche Reihenhaus AG

Seit 2007 habe die Stadt immer wieder mit interessierten Bauträgern gesprochen, berichtet der Magistrat. Das Problem: Oft seien Bauträger auf Gewinnmaximierung aus gewesen. Als Negativbeispiel nennt Erster Stadtrat Michael Schüßler ein Konzept der Deutschen Reihenhaus AG, die 28 Wohnungen auf das Gelände quetschen wollte. Unter sieben Interessenten hat der Magistrat die Firma Werner-Wohnbau GmbH & Co. KG aus Niedereschach im Schwarzwald ausgewählt. Das Unternehmen will 19 Wohneinheiten bauen: fünf Doppelhäuser und drei Dreier-Reihenhäuser. Die meisten Gärten werden nach Westen ausgerichtet. Für sein Bauvorhaben braucht der Bauträger nicht nur die städtischen Flächen, sondern auch ein kleines Grundstück eines privaten Eigentümers von 170 Quadratmetern.

Falls die Stadtverordnetenversammlung dem Verkauf am 18. März zustimmt, macht die Stadt einen ordentlichen Gewinn: 479.888 Euro. Das ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem so genannten Buchwert von drei Euro pro Quadratmeter. Bürgermeister Jürgen Hoffmann bezeichnet den Preis von 74,50 Euro pro Quadratmeter als angemessen. Er liege zwischen den Beträgen, die die Hessische Landgesellschaft beim Ankauf von Bauerwartungsland in Jügesheim (85 Euro) und Hainhausen (65 Euro) bezahle.

(eh)

Quelle: op-online.de

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