Die Stadt als Spielplatz

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Professor Meyer Foto: 

Rodgau (bp) - Kein gutes Haar ließ Professor Bernhard Meyer beim jüngsten Stadtgespräch der CDU am Rodgauer Spielplatzkonzept. Für Meyer verdient es seinen Namen nicht. Die Bewertung der Spielplätze sei „nicht nachvollziehbar“.

Meyer zufolge weist das Konzept zurück in die 80er Jahre, als Spielplätze als Alibi dafür dienten, Kinder andernorts vom Spielen abzuhalten und auf die ihnen zugewiesenen Plätze zu vertreiben.

Das Spielplatzkonzept listet alle 62 Rodgauer Spielplätze auf. Eingeflossen sind in diesen Steckbrief Bewertungen und Wünsche von Kindern und Erzieherinnen. Von den 62 Spielplätzen sollen 50 bleiben. Aus dem Verkauf freier Flächen erhofft sich die Stadt einen Erlös von 1,9 Millionen Euro. 600.000 Euro davon fließen in die Erneuerung und die Neuanlage von Spielplätzen. Fünf davon sollen als Mehrgenerationenplätze dienen.

Das Konzept ist zugleich eine Prioritätenliste. 15 Spielplätze müssen demnach nicht verändert werden, 17 fallen in die Priorität 1 und werden 2012 bis 2015 saniert. 22 gehören zur Kategorie 2 und werden erst 2015 bis 2020 verbessert. Im städtischen Haushalt sind 480.000 Euro Kosten für 2012 ausgewiesen.

Meyer stellte als Alternative und Ergänzung zu den bestehenden Spielplätzen sein Konzept der bespielbaren Stadt Griesheim (bei Darmstadt) vor. Die 28.000-Einwohner-Kommune war 2009 die erste bespielbare Stadt bundesweit. In Dreieich, Rödermark und Seligenstadt realisierte Meyer das Projekt „Kinderfreundliche Stadt“, mit 75 weiteren Städten in Deutschland arbeitete er an ähnlichen Ansätzen.

Sicherheit spielt bei Diskussion eine große Rolle

Das Projekt des Sozialwissenschaftlers aus Griesheim (ehemals an der Evangelischen Hochschule Darmstadt tätig) fußt auf den Erfahrungen von Kindern. Kitas und Grundschulen erkunden diese mit einer Fragebogenaktion: Was erleben Kinder auf ihren Wegen durch die Stadt, wenn sie zum Beispiel zur Kita, zum Sportplatz und zur Schule laufen? Wo laufen sie überhaupt entlang? Was fehlt ihnen dort?

Als diese Wegebeziehungen in Griesheim erkundet waren, entstanden darauf mehr als 100 Spielobjekte. Diese sind über die ganze Stadt auf den Gehwegen verteilt: Baumstämme zum Balancieren, Drehscheiben, Kugeln, Findlinge, ein Surfbrett zum Schaukeln und mehr. Zusätzlich werden einige Straßen zu „Spielstraßen auf Zeit“ erklärt. Kinder erobern sich seither den öffentlichen Raum als Spielzone zurück. Die Kosten der Aktion betrugen 100.000 Euro. Dank Spenden blieben an der Stadt Griesheim letztlich nur 16.000 Euro hängen.

Sicherheitsfragen spielten in der Diskussion im Saal eine große Rolle. Doch Meyer versicherte: „Es gibt in Griesheim keine Unfälle mit Kindern.“ Wie ein solcher Prozess in Gang komme und ob das für Rodgau denkbar wäre, wollte ein anderer Zuhörer im Bürgerhaus Nieder-Roden wissen. „Ja. Aber es kommt auf den Bürgermeister an“, berichtete der Wissenschaftler. „Und sie müssen die Kitas und Grundschulen mit ins Boot holen.“ Das Interesse aus dieser Ecke war aber beim CDU-Stadtgespräch gering. Die Parteivorsitzende Margit Müller-Ollech irritierte, dass sie zwar Vertreter aller Grundschulen und Kitas sowie privater Elterninitiativen eingeladen hatte, aber so gut wie niemand kam. „Teils gab es nicht mal eine Rückmeldung.“

Quelle: op-online.de

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