Stadt will Korruption verhindern

Rodgau (eh) - Welche kleinen Aufmerksamkeiten darf man annehmen und wo beginnt die Bestechung? Auf solche Fragen gibt es im Rathaus bald eindeutige Antworten.

Die Stadtverwaltung hat eine spezielle Stelle zur Korruptionsbekämpfung eingerichtet: nicht aus aktuellem Anlass, sondern um Transparenz zu schaffen, wie Bürgermeister Jürgen Hoffmann betont.

„Es ist falsch, erst dann tätig zu werden, wenn etwas passiert ist“, unterstreicht der Bürgermeister. Zum Schutz der Mitarbeiter müsse es klare Spielregeln geben, ergänzt Stadtrat Michael Schüßler. Beide räumen ein, dass es in der Vergangenheit Einzelfälle von Vorteilsnahme gegeben habe, etwa bei Gaststättenkonzessionen und im Bauamt. Das dürfe sich nicht wiederholen.

Glaubwürdigkeit stärken

Wichtig sei, die Sensibilität für das Thema zu wecken, so Hoffmann: „Es geht um den Grenzbereich zwischen ,Ich freue mich, dass es so gut geklappt hat’ und ,Ich erwarte, dass es schneller geht’.“

Mit der Antikorruptionsstelle will die Stadt auch die Glaubwürdigkeit des öffentlichen Dienstes stärken. Es liege im Interesse der Verwaltung, ihre Dienstabläufe transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Als Bürger müsse man sich auf die uneigennützige Führung der Dienstgeschäfte und die Zuverlässigkeit der Behörden verlassen können.

Die Antikorruptionsstelle ist Teil des neuen „Fachdienstes 5“, der aus dem früheren Rechts- und Ordnungsamt entstanden ist. 22 Mitarbeiter kümmern sich um vier Arbeitsbereiche: öffentliche Sicherheit und Ordnung, Recht, Standesamt (mit Einbürgerungen) und Wahlen. Seinen juristischen Sachverstand stellt der Fachdienst auch allen anderen Abteilungen des Rathauses zur Verfügung - etwa wenn es darum geht, über die Vergabe von Aufträgen zu entscheiden.

Aufbau ist „spannende Aufgabe“

Als „spannende Aufgabe“ bezeichnet Fachdienstleiterin Simone Lapointe den Aufbau der Antikorruptionsstelle. Man wolle den rund 560 Mitarbeitern der Stadt Rodgau einen Leitfaden an die Hand geben. „Es sind Kleinigkeiten, die bei den Kollegen Unsicherheit aufkommen lassen“, so Lapointe. Ein Beispiel: Jede Abteilung habe bisher ihre eigene Art entwickelt, mit Werbegeschenken umzugehen. Klare Regeln sorgten für Sicherheit.

An die Antikorruptionsstelle (Tel.: 693-1320) können sich auch Bürger wenden, die Verwaltungsabläufe für unsauber halten. Ein Anruf dort sei für Bürger nicht einfach, vermutet Simone Lapointe: „Sie wollen ja nichts lostreten, wo vielleicht nichts ist.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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