Rodgau

Stadt will Staudinger-Ausbau einschränken

Die Stadt Rodgau lehnt die Erweiterung des Kraftwerks Staudinger um einen Steinkohleblock mit 1 055 Megawatt elektrischer Leistung ab. Allenfalls eine mit Erdgas befeuerte Anlage mit 800 Megawatt kommt aus Rodgauer Sicht infrage.

Rodgau (eh) - Die Stellungnahme des Magistrats zum Raumordnungsverfahren fand am Dienstag im Umweltausschuss den Beifall aller Redner. Nur um einzelne Formulierungen wird noch gerungen. Noch sind elf Tage Zeit: Spätestens am 16. Februar muss die Stadt ihre Stellungnahme abgeben.

Eine klare Ablehnung des geplanten Kohlekraftwerks möchten Bündnis 90/Die Grünen an den Anfang des Papiers setzen, wie Karin Wagner im Umweltausschuss sagte. Auch Jürgen Kaiser(SPD) forderte eine eindeutige Aussage: „Wir schreiben da rein, wir wollen das Ding nicht, und fertig.“ Solche Formulierungen seien „unüblich“, gab Lars Neumann (CDU) zu bedenken. Bisher steht am Anfang ein einleitendes Satzungetüm von sieben langen Zeilen.

Inhaltlich sind sich CDU, SPD und Grüne einig: Wenn der Energieversorger E.ONeinen Ersatz für die alten Kraftwerksblöcke 1 bis 3 plane, dann solle auch der Ausstoß an Luftschadstoffen spürbar sinken. Die Region sei schon mehr als genug belastet.

Das entspricht auch einer Vorschrift im Regionalplan. Großkraftwerke sollen demnach nur erweitert werden, „wenn sich aus dieser Maßnahme in der Gesamtbetrachtung ökologische Vorteile ergeben“. Die Kraftwerksbetreiber haben in ihren Antragsunterlagen zwar eine geringfügige Senkung der Schadstoffsumme errechnet - aber um den Preis, dass der Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) um 58 Prozent steigt. „Da darf man sich schon fragen, ob das in der Bilanz ein ökologischer Vorteil für die Region ist“, sagte Monika Treske von der städtischen Planungsabteilung im Umweltausschuss.

Der Magistrat hält ein Erdgaskraftwerk mit 800 Megawatt aus zwei Gründen für geboten: Eine höhere Leistung sei in Großkrotzenburg nicht zwingend nötig, außerdem erzeuge Erdgas bei der Verbrennung weniger Schadstoffe als Steinkohle.

Die alten Kraftwerksblöcke, die stillgelegt werden sollen, haben eine Leistung von zusammen 790 Megawatt. Falls das Unternehmen E.ON eine höhere Leistung als 800 Megawatt wünscht, kann es nach Auffassung der Stadt Rodgau auch an anderen, weniger belasteten Standorten neue Kraftwerke bauen.

Für Erdgas als Brennstoff spricht unter anderem der geringere Ausstoß an Feinstaub. Laut Antragsunterlagen erfüllt der geplante Kraftwerksblock 6 zwar die Feinstaub-Grenzwerte einer EU-Richtlinie von 2005, aber nicht die verschärften Grenzwerte, die ab 2010 gelten - und das, obwohl Block 6 erst 2012/2013 in Betrieb gehen soll.

Die Stadt Rodgaugibt der Landesregierung im Raumordnungsverfahren noch einige Vorschläge und Wünsche mit auf den Weg. So soll auch in Rodgau eine Messstelle zur Luftüberwachung eingerichtet werden. Das neue Staudinger-Kraftwerk soll auch Fernwärme anbieten, um die Energie effizienter zu nutzen. Zudem regt der Magistrat an, zu prüfen, ob ein Gaskraftwerk teilweise auch mit Biogas betrieben werden kann.

Quelle: op-online.de

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