Stadtbücherei mit Nachholbedarf

Rodgau - (eh) Die Stadtbücherei Rodgau gehört zu den 25 am schlechtesten besuchten Büchereien in der Bundesrepublik.

Mit dieser Angabe aus der Deutschen Bibliotheksstatistik hat es Rodgau im „Zeit-Magazin“ zu bundesweiter Bekanntheit gebracht. Für die Auswertung wurden nur Städte mit mehr als 40 000 Einwohnern berücksichtigt. Während sich die meisten unbeliebten Bibliotheken im Rheinland und in der Gegend von Hannover ballen, weist die Landkarte südlich der Mainlinie nur zwei Standorte mit schlecht besuchten Büchereien aus: Rodgau und Homburg (Saar).

Laut „Zeit-Magazin“ leiht sich jeder Rodgauer durchschnittlich 2,4 Bücher pro Jahr aus. Diese Zahl ist noch geschmeichelt. Die Ausleihstatistik der städtischen Kulturabteilung verzeichnet für das vergangene Jahr 34 814 Ausleihvorgänge - das sind lediglich 0,8 Bücher pro Einwohner.

Nur jeder 16. Bürger Rodgaus ist überhaupt in einer der Stadtteilbüchereien als Leser eingeschrieben. Die Büchereien in Jügesheim, Nieder-Roden, Weiskirchen und die katholische Bücherei Hainhausen haben zusammen 2 589 aktive Nutzer. Und die kann man nicht gerade lesefaul nennen: Jeder Inhaber eines Leseausweises hat sich im letzten Jahr durchschnittlich 13,4 Bände zum Schmökern geholt.

Die Büchereien in Rodgau sind im Umbruch. Zwei Fachkräfte arbeiten seit einem Jahr daran, den Medienbestand im Computer zu erfassen. Für die Mitarbeiterinnen in den Stadtteilen war das ein Anlass, die Bücherregale zu durchforsten. Was veraltet oder nicht mehr gefragt war, wurde aussortiert. Insgesamt 9 745 Bände wurden weggeworfen oder zum Schnäppchenpreis verhökert. Spitzenreiter war die Bücherei Weiskirchen: Sie trennte sich fast von der Hälfte ihrer Bestände.

26 471 Bücher und andere Medien (Stand: 1.9.2008) stehen derzeit noch in den Regalen. Das ist weitaus weniger als die Mindestnorm von einem Buch je Einwohner. Die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) riet den Städten bereits 1973 dazu, zwei Medieneinheiten pro Einwohner anzustreben.

Der Medienbestand „müsste dringend durch Neukauf eines größeren Umfangs von Büchern wieder aufgefüllt werden“, legte die städtische Kulturabteilung den Stadtverordneten im vergangenen Herbst ans Herz. Mit dem bisherigen Anschaffungsetat von 50 Cent je Einwohner sei das nicht möglich. Dennoch stehen im Haushaltsplan 2009 nur 22 620 Euro zum Bücherkauf zur Verfügung.

Damit bildet Rodgau ein Schlusslicht unter den größeren Städten im Kreis Offenbach, wie die städtische Kulturabteilung anhand von Zahlen aus dem Jahr 2006 ermittelte. Damals gaben Langen, Dreieich und Neu-Isenburg zwischen 36 000 und 154 000 Euro für die Anschaffung von Büchereimedien aus. Allerdings sind in den Stadtbibliotheken dieser drei Städte auch zwischen sieben und zehn hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt.

Rodgau kommt seit vielen Jahren mit Minijobs und zwei Teilzeitstellen über die Runden. Das reicht nur für minimale Öffnungszeiten. Erst seit der Umstellung auf einen elektronischen Gesamtkatalog beschäftigt die Stadt eine Bibliothekarin und einen Bibliothekarsmitarbeiter - beide mit befristeten Verträgen.

Die Hessische Fachstelle für öffentliche Büchereien in Wiesbaden empfiehlt der Stadt Rodgau dringend die unbefristete Einstellung eines Bibliothekars - denn sonst sei die Umstellung auf eine moderne Bibliotheks-Software „eine Verschwendung von öffentlichen Geldern“.

Dazu: „Interview“

AUSWEISE

 Neue Leserausweise im Scheckkartenformat werden voraussichtlich im Juni/Juli ausgegeben.

 Sie gelten in allen städtischen Büchereien.

 Am Computer kann man nachsehen, welche Bücher in welchem Stadtteil verfügbar sind.

 Eine Reservierung ist dann auch per Internet möglich.

BÜCHER

 Die Zahl der Medieneinheiten (Bücher) in den Büchereien der Stadt Rodgau am 1.9.2008:

Jügesheim 9 278

Nieder-Roden 5 698

Hainhausen 7 245

Weiskirchen 4 250

 Das sind zusammen 26 471 Bände.

 9 745 veraltete Bücher wurden in den letzten Monaten aussortiert.

GEÖFFNET

 Jügesheim: Dienstag und Donnerstag von 14 bis 19 Uhr.

 Nieder-Roden: Mittwoch von 15 bis 19 Uhr.

 Hainhausen: Dienstag von 17 bis 18 Uhr, Samstag von 10.30 bis 12 Uhr.

 Weiskirchen Freitag von 14.30 bis 18.30 Uhr.

 Kirchliche Büchereien gibt es in Jügesheim, Dudenhofen, Nieder-Roden.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare