Erstmals Laich des Moorfroschs nachgewiesen

Stadtgärtner lassen es blühen

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Noch sieht die Bepflanzung am Jügesheimer Kapellchen mickerig aus, aber die Stauden gucken schon neugierig aus der Erde, während die Narzissen aus ihren Knollen bereits farbenfroh getrieben haben. Fachdienstleiter Peter Kämmerling erfreut sich selbst an der kleinsten Blüte.

Rodgau - Der Fachbegriff „Biodiversität“ bedeutet unter anderem biologische Vielfalt als Beitrag zum Arten-, Umwelt- und Naturschutz. In Rodgau trägt das Bemühen um diese Vielfalt Früchte. Erstmals wurde jetzt in Nieder-Roden Laich des seltenen Moorfroschs nachgewiesen. Von  Bernhard Pelka 

Für uns ist das eine Sensation“, freut sich der Chef des städtischen Fachdienstes für Stadtplanung, Umwelt und Forst, Peter Kämmerling. Den Moorfrosch gibt es nur noch an zwei Stellen in Hessen. Das kleinere dieser Gebiete liegt zwischen Rodgau und Babenhausen. In der Nähe des Frachtpostzentrums Nieder-Roden leben noch etwa 50 bis 100 Exemplare. 

Die Stadt hat den Lebensraum der markanten Amphibien in den vergangenen Jahren systematisch erweitern, um den Bestand zu sichern. Seit 2009 wurden fünf Feuchtgebiete und Gewässer für die Frösche hergerichtet. „Die Vorkommen gab es schon lange, nur ausgebreitet hat sich der Frosch bisher nicht. Das ist uns jetzt gelungen“, freut sich Peter Kämmerling, Chef des städtischen Fachdienstes für Stadtplanung, Umwelt und Forst. Zufrieden ist er auch wegen des Besuchs anderer seltener Gäste – etwa des Nachtreihers am Finkensee zwischen Jügesheim und Hainhausen.

Die städtische Biodiversitätsstrategie steht aber auf noch weiteren Säulen. „Wir haben 100 Hektar Stadtwald stillgelegt. Dort findet keine Bewirtschaftung mehr statt. Nicht zu vergessen die Fläche nahe dem Kalksandsteinwerk in Dudenhofen, die wir mit einem Rückepferd vorsichtig bearbeitet haben für die haarige Holzameise und den Dukatenfalter“, zählt Kämmerling weitere Maßnahmen auf. 

Und in Jügesheim sei Wald gerodet worden als Lebensraum für den Ziegenmelker. Derzeit reife an der Gänsbrüh in Dudenhofen ein weiteres Projekt. In diesem Mooskiefernwald findet sich noch das seltene Doldenwinterlieb. Die weitverbreitete Traubenkirsche verdrängt dieses Heidekrautgewächs aber langsam. Deshalb wird geprüft, ob man die Fläche nicht von Eseln beweiden lässt, die das Doldenwinterlieb verschonen, aber sonst alles kahl fressen.

Leuchtende Blumenbänder wir hier im Rodaupark bringen für die Biodiversität zwar wenig, sie erfreuen aber das Auge.

Ein weiterer Baustein sind die wilden Blühflächen in der Stadt. 2013 ließ die Stadt erstmals wilde Wiesen an ausgewählten Straßenrändern und in Grünanlagen anlegen. Nichts tun und trotzdem viel erreichen – das war das Motto. Denn sobald Wildkräuter und -blumen weitgehend ungebremst wachsen dürfen, finden wichtige Insekten wie Bienen Nahrung. Dies ist wiederum Grundlage dafür, dass zum Beispiel Obstbäume bestäubt werden und sich Früchte bilden. Im Martin-Luther-Park in Dudenhofen und im Rodaupark Jügesheim lassen Stadtgärtner das Gras in den Randzonen wachsen, damit Biene, Schmetterling & Co. Nahrung finden. Seither entstanden im Stadtgebiet aus speziellem Saatgut 10.715 Quadratmeter Blumenwiesen und rund 41.200 Quadratmeter Rasen oder Wiesen, die nur ein bis zweimal im Jahr gemäht werden.

Nicht alle Flächen sind noch intakt. Die Blühwiese an der Feuerwehr Mitte zum Beispiel wurde nach den ersten Pflanzaktionen mit speziellem Samen sich selbst überlassen – auch ein Stückchen an der Mainzer Straße.

Die Stadtgärtner haben mit den Jahren viel gelernt. Etwa, dass wilde Wiesen in der Innenstadt nicht gut ankommen bei den Bürgern. Das wuchernde Grün am Kapellchen in Jügesheim ist dafür ein Beispiel. „Wir wurden immer wieder angesprochen, das sehe ungepflegt aus“, erinnert Peter Kämmerling. Deshalb kehrte die Stadt dort beim Pflanzkonzept zu ordentlichen Gräsern und Stauden zurück, die robust genug sind, um den Straßenverkehr dort auszuhalten: Glockenblumen, Astern, Echinacea, Sonnenauge. Zuvor wurde der ausgelaugte Boden gegen ein Pflanzsubstrat mit hohem Lava-Anteil ausgetauscht. Das speichert das Wasser gut und lässt Luft an die Wurzeln.

Unglücklich war es auch, an den wild blühenden Straßenrändern nicht zu mähen. „Das hohe Gras fiel uns auf die Fahrbahn oder den Gehweg. Also mähen wir jetzt einen schmalen Streifen direkt am Asphalt – und erst dann kommt die Blühwiese.“ 

Hier wurde die Stadt aus Erfahrung klug. Zur Biostrategie gehören auch rund 9000 Stadtbäume. Die Hälfte davon sind Bienennährgehölze wie Spitzahorn, Wildkirsche, Wildapfel, Weiden & Co. Da trifft es sich gut, dass die Stadtwerke jetzt auf den Friedhöfen große Bienenhotels aufgestellt haben. Als Nisthilfe für die Aufzucht des Nachwuchses.

Quelle: op-online.de

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