CDU-Stadtgespräch: Der Euro ist stabil

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Er nannte als Ursache der Finanzkrise das „Markt- und Staatsversagen“: Dr. Carsten Lehr.

Rodgau - Die Feststellung kam aus berufenem Mund. „Der Euro ist eine der stabilsten Währungen“, machte Dr. Carsten Lehr beim CDU-Stadtgespräch zur Eurokrise gut 50 Zuhörern Mut. Der Mann muss es wissen. Von Bernhard Pelka

Als Mitglied der Geschäftsführung der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH steuert der gebürtige Dudenhöfer mit 300 Mitarbeitern das Schuldenmanagement des Bundes und die Refinanzierung des Euro-Rettungsschirms - zusammen natürlich mit der Bundesbank und dem Finanzministerium.

Im kleinen Saal des Bürgerhauses Nieder-Roden zeigte der Experte Ursachen der aktuellen Finanzkrise auf. Dr. Lehrs Vortrag schärfte den Blick dafür, dass es sich weniger um eine Währungskrise als vielmehr um eine Schuldenkrise handelt - um tiefgreifende strukturelle Verwerfungen also, vielleicht sogar um ein gesellschaftliches Problem. Dieses lasse sich nicht auf Griechenland reduzieren. Denn „was in Griechenland und Italien passiert, kann auch hier geschehen“, warnte der Referent. Die Keimzellen dazu seien bereits gelegt.

Es gab zwar blaue Briefe, mehr aber nicht

Seine Prognose machte der Wirtschaftswissenschaftler an Zahlen fest. So habe die Finanzkrise 2008 Deutschland zwar 150 Milliarden Euro gekostet. Die inzwischen angehäuften Bundesschulden betrügen aber zwei Billionen Euro, also 2000 Milliarden! Das Land lebe seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse. Dr. Lehr machte auf künftige Risiken und Herausforderungen aufmerksam. Diese könnten die Lage noch verschärfen - etwa die immer größere Kluft zwischen jungen Geldverdienern und Rentnern. Arbeiten bis 70: darauf hat sich der Finanzexperte bereits eingestellt. Er zeigte Kardinalfehler des Eurosystems auf. 2003/2004 sei zwar „bekannt gewesen, dass die griechischen Statistiken gefälscht waren“. Konsequenzen habe dies freilich nicht gehabt. Dasselbe gelte für die wiederholten Verstöße fast aller EU-Länder gegen die Verschuldungsgrenzen (Maastrich-Kriterien). Es gab zwar blaue Briefe, mehr aber nicht. Als Fehler habe sich herausgestellt, allen Euroländern anfangs die gleiche Bonität zu unterstellen. Dies habe zu einer „Scheinsicherheit“ geführt. Nun versagten die „alten Regulierungssysteme“ und die Krise sei da.

In Exkursen die zurück reichten bis zur Schuldenkrise von Preußen vor 190 Jahren, erläuterte Dr. Lehr das Phänomen der Staatsverschuldung und der Bankenkrise und schlug die Brücke zum heutigen Rettungsschirm. Er zeigte sich optimistisch, dass die Krise bewältigt wird. Von der Politik forderte er Transparenz und Mut zur Durchsetzung unbequemer Wahrheiten und von jedem einzelnen Bürger mehr Verantwortung für das Gemeinwesen. „Wo sind wir zum Verzicht bereit?“

Quelle: op-online.de

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