Kirchturmdenken den Kampf angesagt

Die Rodau als das große Bindeglied

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Jügesheim - „Rodgau ist bis heute noch keine richtige Einheit“, so das Fazit des Zukunftsrates, der die Ergebnisse seiner mehrjährigen Arbeit der Stadtverordnetenversammlung und der Öffentlichkeit präsentierte.

Um dies zu ändern und Rodgau voranzubringen hat das Gremium, das fast ausschließlich aus Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Rodgau besteht, „Leitlinien zur weiteren Stadtentwicklung und Positionierung Rodgaus in der Rhein-Main-Region“ ausgearbeitet. Gefordert wird insbesondere die Entwicklung eines Gesamtkonzepts, anstatt Einzelthemen isoliert voneinander zu betrachten.

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Gemeinsam mit Dr. Björn Simon stellte Dr. Michael Römer, früherer Vorstandsvorsitzender des Pharma- und Chemiekonzerns Merck, die Ideen und Vorschläge des Zukunftsrates vor. Er hofft, dass die Ideen des lediglich beratenden Gremiums bei den gewählten Volksvertretern Beachtung finden werden. Seine Bereitschaft zu weiterem Engagement werde der Zukunftsrat vom Umgang der Entscheidungsträger mit seinen Vorschlägen abhängig machen. Überragend über allen anderen Leitideen steht die stärkere Einheit der Stadt. Dies könne man jedoch nicht von oben diktieren, vielmehr müsse so etwas von unten wachsen.

Die Details der Leitlinien stellte Dr. Simon vor. „Wir wollen weder eine Zentralisierung in Rodgau, noch fünf Stadtteile in einer Stadt“, erklärte er. Flächenmäßig sei Rodgau durch B45, S-Bahn und Kreisquerverbindung mehrfach geteilt und auseinander gerissen. Doch eines verbinde alle Stadtteile: die Rodau. Daher solle der Bach als verbindendes Element der Stadt und all seiner Stadtteile ausgebaut werden. Nicht nur im Sinne der Renaturierung, sondern auch als Symbol einer gemeinsamen Stadt.

„Rodgau muss einen Mehrwert im Vergleich zu Metropolen bieten“, so die zweite Leitlinie. Die Voraussetzungen seien gut, Rodgau verfüge über eine verkehrstechnisch gute Lage, viel Freifläche mit Erholungswert und besonderen Attraktionen wie etwa dem Badesee. Wichtig sei jedoch, dass man sich mit anderen gleich großen Städten vergleichen sollte, nicht mit Metropolen, denn gegen die könne man nur verlieren. „Kein Gewerbe um jeden Preis“, so die Nummer drei im Katalog. Es sei wichtig, die bestehende Bevölkerung zu halten und die Ansiedlung neuer Bürger zu fördern, daher sollte im Zweifel der Wohnbebauung der Vorzug gegeben werden.

Frühlingsmarkt in Jügesheim

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Dem klassischen „Kirchturmdenken“ sagt der Zukunftsrat mit Leitlinie vier den Kampf an. Bei der Stadtentwicklung sollte immer der Bürger im Vordergrund stehen, losgelöst von Partei, Verein oder Stadtteilzugehörigkeit. Gerade im Hinblick auf die kommunale Finanzlage sei es zwingend notwendig, stadtteilübergreifend Ressourcen zu bündeln. Die fünfte Leitlinie fordert, dass dem demografischer Wandel ausreichend Rechnung getragen wird. Ein steigender Altersschnitt bedeute auch immer mangelnde Mobilität. Nicht nur bei konkreten Maßnahmen für die tägliche Versorgung, sondern auch für grundsätzliche Entscheidungen der Zukunft müsse dies beachtet werden.

Als Schlussfolgerung formulierte Dr. Römer den Auftrag, stets eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen, bei der jedoch alle Besonderheiten der Stadtteile berücksichtigt werden müssen. Dies sei auch kein Widerspruch, betonte er ausdrücklich auch auf Nachfrage bezüglich der möglichen Stadtentwicklung von Jügesheim als Zentrum. Die Frage, ob es sich hierbei um eine partielle Bevorzugung eines Stadtteils oder insgesamt eine Stärkung der gesamten Stadt handele, kann durchaus kontrovers gesehen werden. Dr. Simon betonte, dass in diesem Punkt zwischen zwei Fragen sauber unterschieden werden müsse: „Soll Jügesheim Stadtzentrum werden?“ und „Soll die Rodgaupassage neu bebaut werden?“ Das Erste lehnt der Zukunftsrat ab, bei der zweiten Frage sollten unbedingt alle möglichen Auswirkungen berücksichtigt werden. Eine derartige Bündelung sei riskant. Verkehr, Wettbewerb, Verdrängung Leerstände und andere Faktoren, an die bisher noch nicht gedacht worden sei, sollten beachtet werden.

(pep)

Quelle: op-online.de

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