Leerstände und Baulücke

Zukunft für Hainhausen gesucht

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Altbau am Beginn der August-Neuhäusel-Straße: Der Tanzsaal im Obergeschoss ist ebenso Geschichte wie die ehemalige Bäckerei und Gastwirtschaft Löw.

Hainhausen - Eine neue städtebauliche Entwicklung im alten Ortszentrum Hainhausens will der SPD-Ortsverein Rodgau-Nord anstoßen. Das haben andere auch schon versucht - bisher aber erfolglos. Von Ekkehard Wolf

Leere Fenster, geschlossene Läden: Mehrere Gebäude an der August-Neuhäusel-Straße strahlen eine Atmosphäre der Verlassenheit und des Verfalls aus.

Leere Fenster, abblätternde Farbe, geschlossene Geschäfte: Der Charme des Verfalls ist an der August-Neuhäusel-Straße auf Schritt und Tritt spürbar. Natürlich gibt es auch Anlieger, die ihre Häuser liebevoll pflegen und gut in Schuss halten. Doch die verlassenen Altbauten prägen den Eindruck dieser Straße.

Mitten drin gähnt eine Lücke: Wer aus der Eingangstür der Wallfahrtskirche St. Rochus tritt, blickt auf Niemandsland - dort, wo bis zum Sommer 2011 das alte Feuerwehrhaus stand. Der vordere Teil des Grundstücks ist notdürftig als Parkplatz hergerichtet, dahinter wachsen ungestört Gräser und Stauden - die höchsten sind einen Meter hoch.

Was soll aus der Baulücke am Feuerwehr-Gelände werden?

Was wird aus dem Grundstück des ehemaligen Feuerwehrhauses? Auf Anfragen im Ortsbeirat wurden bisher keine konkreten Pläne genannt. Die 1 080 Quadratmeter liegen seit eineinhalb Jahren brach.

Auf die Frage, was aus dem 1080 Quadratmeter großen Grundstück werden soll, gab es bisher nur unverbindliche Antworten. Bereits ein Jahr vor dem Abriss der Feuerwehrhäuser vermied Bürgermeister Jürgen Hoffmann vor der Presse ganz bewusst jeglichen Hinweis darauf, was aus der Baulücke werden könnte. Die Stadt setze auf einen breiten Dialog mit Ortsbeirat, Grundbesitzern und Investoren. Auf diesen Dialog wartet man in Hainhausen vergebens. Der CDU-Kommunalpolitiker Ewald Simon: „Wir werden weiterhin im Ortsbeirat Anfragen an den Magistrat stellen.“ Bisher kam an Antworten wenig heraus.
Das Feuerwehr-Gelände ist nicht das größte Problem des Ortskerns. Gerade weil es unbebaut ist, eröffnet es Chancen für eine städtebauliche Entwicklung. Schwieriger ist das mit manchen maroden Altbauten, an denen seit Jahrzehnten nicht mehr viel gemacht wurde.

„Aktives Hainhausen“ weckt Aufbruchstimmung

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Aufbruchstimmung hatte der Magistrat im August 2008 mit einer Bürgerversammlung unter dem Titel „Aktives Hainhausen“ geweckt. „Es muss in Rodgau heißen: Komm, wir fahren nach Hainhausen“, sagte damals ein begeisterter Besucher. Etliche der 80 Teilnehmer unterschrieben am Ende eine „Hainhäuser Erklärung“, in der sie sich zur Mitarbeit an einem lebendigeren Ortskern bereit erklärten. Die Begeisterung ist längst verpufft - sicher auch deshalb, weil die erhofften Landeszuschüsse nicht eintrafen. Für das Städtebauförderprogramm „Aktive Kernbereiche in Hessen“ wurden andere Kommunen ausgewählt. Notfalls wolle der Magistrat Verbesserungen auch ohne Geld aus Wiesbaden realisieren, versprach der damalige Bürgermeister Alois Schwab. Es blieb bei diesem Versprechen.

„Wie geht es weiter mit Hainhausen?“, fragt der SPD-Ortsverein Rodgau-Nord nun in einer Pressemitteilung. Der Stadtteil habe sich seit dem Bau der S-Bahn und Unterbrechung der ehemaligen Ortsdurchfahrt stark verändert. Das alte Zentrum verliere an Attraktivität. „Teilweise beginnt der Verfall bereits gefährlich zu werden“, schreibt SPD-Pressesprecher Reinhard Seyer: „Eine Veränderung dieses Zustands kann nur gelingen, wenn die Besitzer der Grundstücke in diesem Bereich es wollen.“ Nun wollen die Sozialdemokraten nun mit den Eigentümern und örtlichen Geschäftsleuten sprechen, um herauszufinden, wie sie sich eine zukünftige Entwicklung dieses Bereichs vorstellen. Die Ergebnisse dieser Gespräche will der SPD-Ortsverein Mitte des Jahres in einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen. Vize-Vorsitzender Egon Laux: „Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen bewegen, ihre Ideen und Vorstellungen aufgreifen und zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügen.“

Anreize für Investitionen in den Ortskern fehlen

So sinnvoll Gespräche mit den Anliegern sein mögen: Christdemokrat Ewald Simon verbindet damit keine allzu großen Hoffnungen. „Das hat man alles schon in der Vergangenheit gemacht“, gibt er zu bedenken. Es fehle an Anreizen, um in den Ortskern zu investieren.

Leerstände an der August-Neuhäusel-Straße gibt es übrigens nicht erst seit dem S-Bahn-Bau. Nur ältere Hainhäuser erinnern sich noch an die Metzgerei Friedrich Greb (gegenüber dem TGH-Clubheim) und an die Bäckerei und Gastwirtschaft Löw. Beide Gebäude verfügen über große Tanzsäle im Obergeschoss. Im Löwschen Saal gründeten die Schützen des SKV ihre Abteilung „Silbervogel“ und bauten auch dort ihren Schießstand auf. Über der Metzgerei Greb wurde in den 60-er Jahren noch Fastnacht gefeiert. Einer, der dabei war, erzählt: „Beim Tanzen hat der ganze Bau gebebt.“

Quelle: op-online.de

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