Im Alter droht manchen die Armut

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Nicht immer geht es bei der Seniorenberatung um existenzielle Fragen. So fand zum Beispiel das Schulungsangebot „Förderung gesunder Lebensstile“ großen Zuspruch. Es diente ehrenamtlichen Mitarbeitern der Altenhilfe als Fortbildung in Gesundheitsfragen.

Rodgau - Günstiger Wohnraum wird immer knapper. Zugleich steigen die Energie- und Lebenshaltungskosten drastisch. Diese Entwicklung wirkt sich jetzt auch auf die Arbeit der städtischen Seniorenberatung aus.

Dort haben im vergangenen Jahr 300 Senioren (überwiegend Frauen) um Hilfe gebeten, die nicht mehr wussten, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. 2011 gab es hingegen nur 150 Fälle. „Manche Schicksale sind erschreckend“, berichteten Seniorenberaterin Kerstin Heres und die Fachbereichsleiterin Clarissa Jäger gestern vor der Presse. „Wenn manche zu uns kommen, brennt es nicht erst seit gestern, schon seit vorgestern.“ Ein Fall besonders krasser Altersarmut bewegte sie vor Weihnachten: eine ältere Frau, die über die Feiertage nichts mehr zu Essen gehabt hätte. „Die Bürgerhilfe Rodgau und Tante Emma haben sofort unbürokratisch geholfen.“

In Rodgau leben 12.000 Männer und Frauen über 65 Jahre. 283 davon sind finanziell so schlecht gestellt, dass sie zur Sicherung ihres Lebensunterhalts Sozialleistungen (die sogenannte Grundsicherung) beziehen. Tausenden Senioren in Rodgau geht es also sehr gut, manche aber leben an der Armutsgrenze. Nicht immer geht es bei den Anfragen an die städtische Seniorenberatung um Existenzielles. Die fast 900 Anfragen 2012 betrafen die unterschiedlichsten Themen. In der Seniorenberatung können Betroffene und deren Angehörige nicht nur auf offene Ohren hoffen, sondern sie erhalten Informationen über schnelle und unkomplizierte Hilfsangebote. Etwa bei Wohnungsnot. Trotz der neu gebauten Seniorenwohnanlage in der Ludwigstraße warten auf der Bewerberliste der Seniorenberatung 50 Personen auf eine barrierefreie beziehungsweise behindertengerechte Seniorenwohnung, die dann auch noch besonders günstig sein soll.

Beratungen zu Vollmachten oder Patientenverfügung sind ebenso gefragt wie Wohnraumberatung im Bereich „Zuhause wohnen bleiben“ oder die Unterstützung bei der Antragstellung beziehungsweise Veranlassung einer gesetzlichen Betreuung beim Amtsgericht in Seligenstadt. Zahlreiche Fachbroschüren wie der Seniorenwegweiser, Sozialwegweiser oder zu Sachthemen geben ebenfalls einen Überblick und werden regelmäßig aktualisiert. Auch soll ein Sozialatlas entstehen. Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige ist seit Jahren ein gern genutztes Angebot der Seniorenarbeit. Er hilft Betroffenen, mit der heimischen Pflegesituation fertig zu werden. Es ist angedacht, künftig zeitgleich eine Betreuung der demenzkranken Angehörigen anzubieten, damit die Pflegepersonen an den Treffen des Gesprächskreises immer teilnehmen können.

Regelmäßige Vorträge zu aktuellen Themen runden das breite Aufgabenspektrum der Seniorenberatung ab. Die Demenzvortragsreihe in Kooperation mit dem Kreis Offenbach gab mit sechs Veranstaltungen Einblicke in das Krankheitsbild und zeigte Handlungsmöglichkeiten auf. Auch die städtischen Mitarbeiter hatten bereits Gelegenheit sich in Vorträgen zum Thema zu informieren und die Erkenntnisse im eigenen Arbeitsbereich einzusetzen. Auch für das laufende Jahr sind Vorträge und Informationsveranstaltungen geplant. Auf der Agenda stehen unter anderem: „Pflegeversicherung – Begutachtung und Einstufung durch den medizinischen Dienst“, „Elternunterhalt – Wenn Kinder für ihre Eltern zahlen müssen“ oder „Betrügerische Gewinne – ausgefragt, abgebucht und abgezockt“.

Auch besteht eine enge Verbindung zu den Seniorenclubs. Hier findet nicht nur das regelmäßige Treffen zur Erörterung der Situation der Clubs und deren Vernetzung statt. Die „Arbeitsgruppe der Seniorenclubs“ bearbeitet einzelne Themen inhaltlich, denn die Frage, wie man mit an Demenz erkrankten Clubmitgliedern umgeht oder die Problematik der Nachfolgeregelung für die Clubleitung ist nicht immer leicht zu klären. Nicht zuletzt werden im Fachbereich Soziale Dienste auch der Seniorentag mit durchschnittlich bis zu 2000 Besuchern und die städtischen Weihnachtsfeiern mit bis zu 1000 Gästen koordiniert und geplant.

bp

Quelle: op-online.de

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