Wo stand die Wasserburg wirklich?

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Roland Schlitt (rechts) führte etwa 20 Geschichtsinteressierte von der Kirche St. Rochus auf dem Hainhäuser Abschnitt der „Rodgauer Geschichtspfade“.

Hainhausen ‐ Die Grundmauern der einstigen Wasserburg will der Geschichts- und Kulturverein Hainhausen mit moderner Technik suchen. Von Ekkehard Wolf

Dies kündigte Vize-Vorsitzender Roland Schlitt am Samstag bei einem Rundgang im Rahmen der „Rodgauer Geschichtspfade“ an. Mit einer Art Echolot könne man Bodenstrukturen nachweisen, ohne sie zu zerstören. Vor der Untersuchung werde der Verein die Untere Denkmalbehörde des Kreises Offenbach um Erlaubnis fragen.

Der Burg und ihren Bewohnern verdankt der Ort seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1108. Die Herren von Haginhusen bezeugten damals eine Schenkung des Erzbischofs von Mainz. Nach ihrem Umzug nach Eppstein stellte dieses Adelsgeschlecht selbst mehrere Mainzer Erzbischöfe. Der erste von ihnen hatte vermutlich in Hainhausen das Licht der Welt erblickt. Roland Schlitt: „Hainhausen hat damals Weltpolitik gemacht.“

Zwei Mal wurden bei Bauarbeiten bereits gefugte Steinquader gefunden, die Fundamente eines Wohnturms gewesen sein können, wie Roland Schlitt berichtete: bei der Vertiefung des Mühlgrabens in den 1860er Jahren und beim Kanalbau in den 1950er Jahren. Der Mühlgraben gehörte zu einer Wassermühle, die es längst nicht mehr gibt. Bereits 1869 hatte sie ihren Betrieb eingestellt: Veränderungen am Bachbett hatten ihr buchstäblich das Wasser abgegraben.

Schulbücher im Bach

Erinnerungen verbinden sich mit der alten Rodau-Brücke der Burgstraße, deren Sanierung der Magistrat jetzt in Auftrag gegeben hat. Der Durchgangsverkehr lief über diese schmale Brücke, bevor in den 1960er Jahren die jetzige Straße von der Rußfabrik zur Volksbank gebaut wurde. Kinder balancierten auf den Seitenmauern der Brücke. „Da unten im Bach liegen etliche Schulbücher von mir drin“, erinnerte sich ein Teilnehmer des Rundgangs.

Gut dokumentiert ist der Bau der katholischen Kirche St. Rochus, die am 14. Oktober 1893 geweiht wurde. Aber warum feiern die Hainhäuser ihre Kirchweih (Kerb) im August? Roland Schlitt führt als Begründung das Fest des Schutzheiligen an, das am 16. August begangen wird. Der „Pestheilige“ wird in Hainhausen und Weiskirchen besonders verehrt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und der verheerenden Pest-Epidemie hatten die wenigen überlebenden Hainhäuser Ende des 17. Jahrhunderts aus eigener Kraft eine Rochuskapelle errichtet. Wenige Jahre später versprach die Gemeinde Weiskirchen eine jährliche Prozession zum Rochusfest nach Hainhausen – ein Gelübde, das immer noch eingehalten wird. Mehr darüber ist in einem Buch von Helmut Trageser nachzulesen, das der Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen vor einigen Jahren veröffentlicht hat.

Pfarrer überlebte Konzentrationslager

Am Altar der damaligen Kapelle wird noch heute die Messe gefeiert – er befindet sich in der Kirche St. Rochus. Nach dem Bau der Kirche wurde die ehemalige Rochuskapelle als Feuerwehrgerätehaus genutzt, die Sakristei diente als Arrestzelle.

In der Kirche St. Rochus predigte auch Pfarrer Aloys Grafenberger. Er war Seelsorger in Hainhausen von 1937 bis zu seinem Tod 1966. An den mutigen und aufrechten Christen erinnert eine Gedenktafel der „Rodgauer Geschichtspfade“ am Friedhofseingang. Pfarrer Grafenberger wurde denunziert, nachdem er sich in Predigten gegen Nationalsozialismus und Krieg gewandt hatte. Er überlebte das Konzentrationslager Dachau und kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg als Seelsorger nach Hainhausen zurück.

Quelle: op-online.de

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