Stapellauf und Schiffstaufe auf dem Baggersee

Ein Arbeitsschiff lernt fliegen

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Zehn Tonnen am Haken: Behutsam setzte der Autokran den stählernen Lastkahn neben dem Anlegersteg aufs Wasser des Sand- und Kiessees.

Dudenhofen - Eine Schiffstaufe zelebrierten die Rodgauer Baustoffwerke gestern Mittag. Eine zehn Meter lange Schute heißt nun so wie eine Produktlinie der Steinefabrik: Unika. Das Boot dient als Plattform für Reparaturen an schwimmenden Anlagen.

Zehn Meter lang, drei Meter breit, zehn Tonnen Eigengewicht und 28 Tonnen Auftrieb: Das sind die wichtigsten Daten der „EMS Unika“. Ein Elektromotor mit 30 Kilowatt treibt das Boot an. Das dient dem Schutz des Grundwassers. Das Regierungspräsidium erlaubt auf dem Baggersee keine Verbrennungsmotoren mehr. Also musste der alte Schiffsdiesel raus. Der Betrieb nutzte die Gelegenheit zu einer Generalüberholung mit weiteren Umbauten. Die Schlosserwerkstatt glich in den letzten drei Monaten einer Werft.

Am schwierigsten sei es gewesen, einen passenden Antrieb zu finden, erklärt Hubert Bachmann, der Betriebsleiter des Kalksandsteinwerks. Für den Umbau der Schute gebe es weder eine Anleitung noch einen fertigen Bausatz. Motor, Batterien und Wechselrichter wurden einzeln eingekauft und aufeinander abgestimmt. Die Steuerung wurde komplett umgebaut. Das Bootsgetriebe hat keinen Rückwärtsgang, stattdessen wird der Propeller um 180 Grad gedreht.

Ein Stahlrumpf ist so gut wie unverwüstlich. Das beweist auch die „EMS Unika“. Die Schute ist rund 60 Jahre alt. Sie wurde in einer Werft am Rhein gebaut und in verschiedenen Kiesgruben eingesetzt. 1993 kauften die Rodgauer Baustoffwerke den Lastkahn von einer Kiesgrube im hessischen Ried. Er wurde benötigt, weil das ausgebaggerte Material auch Sand und Steine enthielt, die für die Produktion nicht verwendbar waren. Die Schute übernahm dieses Material und verklappte es an anderen Stellen im Baggersee. Dabei wurden Klappen am Boden des Laderaums geöffnet.

Bilder: Lastkahn auf dem Sand- und Kiessee

Heute kann der Betrieb praktisch alles verarbeiten, was der Bagger zutage fördert. Die Schute dient nun als Reparaturplattform für Montage- und Wartungsarbeiten am Baggerschiff und an den Schwimmbändern. Sie kann 18 Tonnen Ersatzteile und Werkzeuge aufnehmen. Das reicht sogar für den riesigen Greifer des Baggers. (eh)

Quelle: op-online.de

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