Ausstellung: „Ein Dorf im Ersten Weltkrieg“

Statt Kerb war Krieg

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Johann und Philipp Schweigart aus Weiskirchen starben als junge Soldaten im Ersten Weltkrieg. Dieses Foto ist ein Teil der Ausstellung „Ein Dorf im Ersten Weltkrieg“, die morgen, Sonntag, von 11 bis 17 Uhr erstmals im Heimatmuseum Weiskirchen zu sehen ist.

Weiskirchen - „Die Kerb fällt aus, es ist Krieg!“ So oder ähnlich muss es geklungen haben, als Polizeidiener Adam Ludwig Henkel vor 100 Jahren in Weiskirchen den Beginn des Ersten Weltkriegs verkündete. Der Ausrufer mit der Schelle war das örtliche Bekanntmachungsorgan. Von Ekkehard Wolf 

Es war am 1. August gegen 19 Uhr. Keine zwei Stunden zuvor hatte Kaiser Wilhelm II. die Mobilmachung der deutschen Streitkräfte angeordnet. Pfarrer Karl Blumöhr notierte in der Kirchenchronik: „Es war am Sonntag vor dem Kirchweihfest. Die Tanzmusik unterblieb zum ersten Mal, ebenso alle anderen Vergnügungsveranstaltungen.“

Einen Auszug aus der Kirchenchronik kann man in der Ausstellung „Ein Dorf im Ersten Weltkrieg“ lesen, die ab Sonntag, 7. September, im Heimatmuseum Weiskirchen zu sehen ist. Fotografien und Dokumente lassen erahnen, wie sich der Krieg aufs Leben im Ort auswirkte. Sogar ein 100 Jahre altes Telegramm an den Weiskircher Bürgermeister wird als Faksimile gezeigt. Zu den handfesteren Exponaten zählen Gasmasken, Gewehre, Bajonette und die Ulanen-Uniform des späteren Bürgermeisters Karl Sattler, die in Friedenszeiten als Fastnachtskostüm aufgetragen wurde. Militaria-Sammler Wolfgang Sahm hat ein Diorama gebaut, das die Schützengräben des Jahres 1917 an der Westfront darstellt.

Während die Soldaten starben, brauchte der Staat immer mehr Geld für die Kriegsmaschinerie. Rektor Johann Diehl überredete die Weiskircher, ihre Ersparnisse in Kriegsanleihen anzulegen. Das Geld war weg.

Viel Not durch den Krieg

Glück im Unglück hatte Johann Josef Horch aus dem Mühlweg. Er geriet schon 1915 in französische Gefangenschaft. Von Algerien aus schrieb er mehr als 100 Postkarten an seine Verlobte Anna Roth in Hainstadt. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl davon. Ein paar Schritte weiter findet sich ein Feldpostbrief des Soldaten Michael Sahm: „Hoffentlich nimmt dieses Schlachten bald ein Ende, zwei Jahre sind wirklich lang genug.“

Wie viel Not der Krieg verursachte, zeigt auch der Rentenbescheid für einen Kriegswaisen. Adam Zerfass erhielt monatlich drei Mark und 35 Pfennig Waisenrente - zu wenig zum Leben. Ein fünfköpfiges Team des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen hat die Ausstellung zusammengestellt: Hans Busch, Arnold Haag, Martin Häfner, Erhard Stephan und Helmut Trageser. Wie viele Männer aus Weiskirchen vor 100 Jahren in den Krieg zogen, haben die Heimatkundler nicht herausgefunden. 50 Soldaten kehrten nicht mehr lebend zurück. Die Namensliste nennt 49 Tote und einen Vermissten. Das sind viele, wenn man bedenkt, dass der Ort höchstens 1500 Einwohner hatte.

Martin Häfner (links) und Helmut Trageser betrachten ein Diorama, in dem Wolfgang Sahm den Stellungskrieg des Jahres 1917 an der Westfront darstellt.

Drei Wochen nach Kriegsbeginn kamen die ersten beiden Weiskircher ums Leben. Ihr Todestag jährte sich am 22. August zum 100. Mal. Zwei Bildtafeln erinnern an die Kriegsteilnehmer. Etliche Fotos zeigen gestandene Männer, manche mit Familie. Aus einem Doppelporträt blicken die jungen Gesichter von Johann und Philipp Schweigart. Sie hätten den größten Teil ihres Lebens noch vor sich gehabt. „Zunächst wurden 20-Jährige eingezogen, später auch die 18-Jährigen“, so Martin Häfner.

Auch jüdische Bürger zogen in den Krieg. Unter ihnen waren die Brüder Albert und Nathan Meyer. „Sie lebten dort, wo jetzt der Raiffeisenmarkt ist“, erzählt Helmut Trageser. Nur zwei Jahrzehnte später mussten Juden nach Amerika fliehen.

Erster Weltkrieg auf Feldpostkarten

Der Erste Weltkrieg auf Feldpostkarten

Viele Weiskircher haben Fotos aus ihren Familienalben zur Verfügung gestellt. Es sind so viele, dass die Schau nur eine Auswahl zeigen kann. Der Verein hat alle Bilder eingescannt. Erfahrungsgemäß melden sich nach dem ersten Ausstellungstag weitere Mitbürger, die etwas beitragen können. Dann kann der Heimat- und Geschichtsverein die Schautafeln ergänzen.

Auch in der Dauerausstellung finden sich Stücke, die thematisch zur Sonderschau passen. Dazu zählen ein Feldgesangbuch und ein Bild zur Erstkommunion 1917, auf dem auch eine Kanone abgebildet ist. In einer Vitrine steht eine Sammlung von Bierkrügen aus den Jahren 1906 bis 1909 mit militärischen Szenen. Sie glorifizieren das Militär im Kaiserreich. Der Erste Weltkrieg war dann ganz anders. Statt hoch zu Ross kämpften und starben die Soldaten in Schützengräben. Es gab Maschinengewehre, Panzer, Giftgas und zehn Millionen Tote. Landrat Oliver Quilling eröffnet die Ausstellung morgen, Sonntag, um 11 Uhr.

Quelle: op-online.de

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