Teile des Gewerbegebiets Marie-Curie-Straße noch unbebaut

Statt der Wirtschaft wachsen Bäume

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Birken, Buchen, Brombeeren und viele andere Pflanzen gedeihen auf den unbebauten Grundstücken des Gewerbegebiets Marie-Curie-Straße.

Nieder-Roden - Ein Wäldchen im Gewerbegebiet: Das gibt es an der Marie-Curie-Straße in Nieder-Roden. Das Gewerbegebiet N 27 bleibt ein Sorgenkind der Stadt. Vor 17 Jahren wurden dort Straßen gebaut und Leitungen verlegt. Seither wachsen die Bäume. Von Ekkehard Wolf 

Große Flächen sind noch unbebaut: Die hellgrau unterlegten Grundstücke des Gewerbegebiets N 27 werden bereits genutzt, die grünen Flächen sind noch frei.

Nur einzelne Betriebe haben sich dort angesiedelt. Die teuer gebauten Straßen dienen als Parkplatz für große Laster. „Stadt hat wieder Gewerbeflächen in der Hand“, titelte unsere Zeitung im März 2000. Damals liefen die Bauarbeiten zur Erschließung. Die städtische Wirtschaftsförderung berichtete davon, Dienstleistungsbetriebe seien an Flächen interessiert. 17 Jahre später hat die Stadt noch kein einziges Grundstück verkauft. Sechs der sieben größten Flächen an der Marie-Curie-Straße gehören der Stadt Rodgau. Zusammen sind sie 3,2 Hektar groß. Das sind 70 Prozent des Gewerbegebiets N 27. Wer dort investieren will, muss mit einem Bodenrichtwert (Preis) von 160 Euro pro Quadratmeter rechnen. Die Stadt könnte das Geld gut gebrauchen: fünf Millionen Euro, um aufgelaufene Schulden zu tilgen.

Die Verkehrsanbindung ist prima. Mit dem Auto ist man in drei Minuten auf der B 45 und wenig später auf der Autobahn. Bis zur S-Bahn-Station Rollwald sind es 1,3 Kilometer zu Fuß. Der Bahnhof Nieder-Roden ist per Stadtbus erreichbar. Doch das Gewerbegebiet hat auch einen großen Nachteil: Auf den brachliegenden Flächen haben sich Büsche und Bäume angesiedelt. Feuchtgebiete gibt es auch. Wer dort baut, muss den Eingriff in die Natur ausgleichen. Das kostet Geld.

„Wenn man die Flächen vermarkten möchte, muss man sich über Ausgleichsmaßnahmen Gedanken machen“, sagt die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer. Ein Biotop werde grundsätzlich durch ein gleichartiges Biotop ersetzt. Das bedeutet: Wer ein Wäldchen rodet, muss als Ausgleich wieder Bäume pflanzen. Wie hoch der ökologische Wert der Grundstücke an der Marie-Curie-Straße ist, kann die Stadt nicht sagen. Nur eines ist sicher: Er wächst Jahr für Jahr. Erst bei einem konkreten Bauvorhaben wird der Biotopwert ermittelt. Dann kann es durchaus eine Überraschung geben, falls sich dort seltene Pflanzen- oder Tierarten finden.

Dennoch sieht die Stadt keinen Anlass, sich von ihren Zielen fürs N 27 zu verabschieden. „Es ist ein Gewerbegebiet und es bleibt ein Gewerbegebiet“, bekräftigt Sabine Fischer. Dass die Entwicklung dort sehr langsam vorangeht, ist nichts Neues. Seit 33 Jahren gibt es einen Bebauungsplan für dieses Gebiet. Er trat am 9. März 1984 in Kraft. Mit der Erschließung wartete die Stadt so lange, bis die Querspange von der Rodgau-Ringstraße zur B 45 gebaut wurde. Erst dadurch erhielt die Marie-Curie-Straße ihre vorteilhafte Verkehrsanbindung. Davor gab es nur den umständlichen Weg durchs Gewerbegebiet Süd – oder eine Landstraße mit Bahnschranken nach Rollwald.

Was Experten zu Grün als Wohntrend sagen

Als erster Betrieb an der Marie-Curie-Straße eröffnete der Rewe-Markt im Jahr 2001 oder 2002. Aldi war schon da, weil er über die Borsigstraße erschlossen wurde. Fünf Jahre später interessierte sich die Handelskette Tegut ebenfalls für diesen Standort. Das Stadtparlament veranlasste den damaligen Bürgermeister Alois Schwab, gegen dessen Bedenken beim Planungsverband eine Genehmigung für großflächigen Einzelhandel (bis 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche) zu erwirken. Als das „Ja“ im Jahr 2009 endlich vorlag, war Teguts Interesse an Rodgau abgekühlt. Das Unternehmen baute wenig später in Dietzenbach.

„Das N 27 war schon immer ein Problemkind“, fasst die städtische Pressesprecherin zusammen. Warum sich dort bisher erst wenige Unternehmen ansiedelten, lässt sich nur vermuten. Ein Faktor könnte die Expansion des Gewerbegebiets J 28 in Jügesheim gewesen sein. Dort machte ein Betrieb nach dem anderen auf. Namhafte Unternehmen machten das J 28 zu einer guten Adresse. Mit Änderungen des Bebauungsplans sperrte die Stadt beide Gebiete (N 27 und J 28) für Logistikbetriebe. Um unnötige Kosten zu vermeiden, wurden die brachliegenden Grundstücke nicht intensiv gepflegt. Im Jahr 2006 wurde erstmals aktenkundig, dass sich die Flächen an der Marie-Curie-Straße zum Biotop entwickeln.

Quelle: op-online.de

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