Stefanie Truschel ist beste Elektrikerin

„Frauen sind im Beruf einfühlsamer“

+
Stefanie Truschel muss im Männerberuf zupacken.

Nieder-Roden - Unter zwölf Teilnehmern an der Sommerprüfung derInnung für Elektro- und Informationstechnische Berufe war Stefanie Truschel die Beste. Die 23-Jährige hat bereits einen anderen Beruf gelernt und darin gearbeitet: Zahnarzthelferin.

Jetzt aber verdient sie ihr Geld bei Elektro Dohm und damit im Betrieb ihres Bruders Andreas. Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach mit der cleveren Elektrikerin.

Waren Sie während der Prüfung die einzige Frau?

Unter den Prüflingen war ich die einzige Frau. Im Prüfungsausschuss saß allerdings eine Frau, die einen Teil meiner praktischen Prüfung abgenommen hat.

Wie reagieren Kunden, wenn eine Frau zu ihnen kommt und Strippen ziehen will?

Die meisten reagieren sehr gut und offen. Gerade alleinstehende Frauen und ältere Damen freuen sich, dass nicht immer nur männliche Bauarbeiter im Haus sind. Ältere Herren gucken einem gerne ein bisschen länger auf die Finger. Aber die meisten merken schnell, dass es gut funktioniert. Und dann vertrauen sie einem auch.

Dann haben Sie keine Akzeptanzprobleme bei Kundschaft und Kollegen?

Nein, überhaupt nicht. Ich muss mich manchmal zwar etwas mehr beweisen als meine männlichen Kollegen auf der Baustelle, aber Akzeptanz ist grundsätzlich kein Problem. Wenn man etwas gut kann, wird man auch schnell akzeptiert.

Wie kommt’s überhaupt, dass Sie sich in diesem Beruf, der eine Männerdomäne ist, so wohl fühlen - zumal Sie ja fertig ausgebildete Zahnarzthelferin sind.

Ich finde, dass der Beruf des Elektrikers sehr vielseitig ist. Man hat nicht nur körperlich schwere Arbeiten, sondern man muss auch seinen Kopf anstrengen. Man macht viele feine Arbeiten, bei denen Männer dann gerne mal die Geduld verlieren. Ein solch schöner Beruf sollte nicht den Männern vorbehalten bleiben. Von der Zahnarzthelferin zur Elektrikerin war eine Altersfrage. Mit nur 16 Jahren hätte ich es in diesem Männerberuf vielleicht nicht geschafft. Mit 16 Jahren steckt man zu sehr ein. Denn die Männer auf dem Bau testen schon aus, wie weit sie gehen können. Jetzt mit 20 Jahren beißt man ein, zweimal zurück - und dann ist es gut.

Die Familie spielt in Ihrem Fall sicher auch eine Rolle beim Berufswechsel. Immerhin ist ihr Chef ja Ihr Bruder.

Durch meinen Bruder kam das größere Interesse an diesem Beruf. Wenn mein Bruder nachhause kam, hat er viel erzählt von seinem Job, mal geschwärmt und mal geschimpft. Das Schwärmerische über die kreativen Seiten - gerade was die Lichttechnik angeht - hat mich dann doch sehr interessiert.

Was machen Frauen in Ihrem Beruf besser als Männer und welche Qualifikationen bringen sie mit, die Männer einfach nicht drauf haben?

Frauen sind dem Kunden gegenüber meist einfühlsamer. Es geht ja oft um viel Geld und manchmal auch um verschiedene Interessen auf Kundenseite. Da muss man vermitteln. Frauen haben da das größere Feingefühl. Ansonsten kriegen Männer und Frauen diesen Beruf aber sicher gleich gut hin.

Kennen Sie Kolleginnen?

Persönlich nicht, nur vom Namen her. Zum Beispiel eine junge Meisterin aus Rodgau.

Wie sieht Ihre berufliche Zukunftsplanung aus?

Ich gehe auf jeden Fall auf die Meisterschule und hoffe, die Firma in Zukunft zusammen mit meinem Bruder leiten zu können.

Bei gleicher Leistung verdienen Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer. Macht Sie das ärgerlich?

Ich habe damit noch keine Erfahrungen gemacht. Ich hatte bisher keine Probleme, was den Verdienst angeht.

Die beliebtesten Berufe

Die beliebtesten Berufe

Quelle: op-online.de

Kommentare