Steigende Friedhofsgebühren belasten

Die Trauerkultur wandelt sich

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Die Gräberreihen auf dem Friedhof in Jügesheim weisen viele Lücken auf. Manche Gräber werden vorzeitig aufgelöst.

Rodgau - Manche Aspekte traditioneller Trauerkultur verlieren aufgrund eines gesellschaftlichen Wandels zusehends an Bedeutung. Zum Beispiel lösen immer mehr Angehörige die Gräber ihrere verstorbenen Familienmitglieder lange vor Ablauf der Ruhefrist auf.

Die Stadt ebnet die Flächen ein, sät Rasen und pflegt die Gräber gegen eine Pauschale weiter bis zum eigentlichen Ende der Ruhefrist.

„Das ganze Denken und der Umgang mit den Verstorbenen hat sich gewandelt“, beobachtet Christina Breuninger von der städtischen Friedhofsverwaltung. Während seit etwa zwei Jahren immer mehr Einzelgräber vorzeitig aufgelöst werden, sei die Nachfrage nach den neu angelegten und sehr pflegeleichten Gemeinschaftsgrabanlagen auf den städtischen Friedhöfen groß. Die Gründe einer frühzeitigen Grab-Kündigung sind vielschichtig:

1. Die Angehörigen haben an einer weiteren Pflege kein Interesse mehr.

2. Berufliche oder private Gründe zwingen zum Umzug.

3. Die Angehörigen sind zu alt, um die Grabpflege noch bewältigen zu können.

Im Voraus bezahlte Grabgebühr fällt nicht an Angehörige zurück

Sofern ein Grab vorzeitig aufgelöst wird, fällt die im Voraus bezahlte Gebühr nicht an die Angehörigen zurück. Die Fläche wird eingeebnet. Der Stein, die Einfassung, Pflanzen - alles muss weg. Dann wird Rasen eingesät und das Grab bleibt so lange frei, bis die Ruhefrist tatsächlich abgelaufen ist. Fürs Mähen in den Jahren bis dahin fallen für die Angehörigen Gebühren an: 31 Euro Jahrespflegepauschale für ein Urnengrab, 67 für ein Doppelgrab, für ein Reihengrab 33,50 Euro. Nach Ablauf der Ruhezeit entfernt die Stadt die Überreste und beerdigt diese nochmals an einer anderen Stelle auf dem Friedhof. Erst dann kann das Grab wieder neu belegt werden.

„Die Leute haben keine Zeit mehr für die Grabpflege“, sagt Norbert Winter. Der Friedhofsgärtner aus Jügesheim spricht aus Erfahrung. Sein Metier betreibt er schon 30 Jahre lang. Zuvor war sein Vater Adolf in dieser Branche tätig. Norbert Winter beobachtet aber auch das genaue Gegenteil. „Auch der Anteil der Leute, die ganz bewusst eine besonders gute Grabpflege wünschen, wird größer. Ich jedenfalls könnte von Jahr zu Jahr mehr Aufträge annehmen.“ Dem spricht eigentlich nur Winters Altertentgegen. Im März wird der Mann 70. Da muss man die Kräfte einteilen.

Wandel der Trauerkultur

Der Experte macht für den Wandel der Trauerkultur noch einen anderen Umstand verantwortlich. „Die Grabpflege wird Angehörigen in den letzten Jahren immer schwerer gemacht. Die Beerdigungen werden immer teurer und die Friedhofsgebühren in den Städten und Gemeinden steigen drastisch. Da wird die Grabpflege dann zu einer echten Kostenfrage. Man kann das Geld eben nur einmal ausgeben.“

Wünschen würde sich der Gartenfachmann auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Rodgauer Friedhofsverwaltung, Friedhofsgärtnern und Steinmetzen. „Da könnte aus meiner Sicht mehr passieren“, meint er. Auch manche Fremdfirma, die Aufträge von der Stadt zur Pflege der Friedhöfe erhalte, sei „nicht das Gelbe vom Ei“. Man bekomme den Eindruck, „dass da keine Fachleute am Werk sind“. 

bp

Quelle: op-online.de

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