Zu steil für Rollstuhl und Rollator

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Nur mit starken Helfern (Steffen Hartmann, Lars Neumann) kann Maria Ullrich den schweren Elektro-Rollstuhl ihres Mannes vom Bahnsteig der S-Bahn hinab auf den Gehweg schieben. Säße ihr Ehemann darin, wäre der Rollstuhl kaum zu halten.

Nieder-Roden (ma) - Hindernisse und Stolperfallen machen gehbehinderten und älteren Menschen den Alltag schwer. Wie es um die Barrierefreiheit in Nieder-Roden bestellt ist, testeten VdK und CDU Nieder-Roden auf einem gemeinsamen Rundgang mit Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen.

Bereits nach wenigen Metern zückte Steffen Hartmann den Notizblock. Der Architekt, der für die CDU im Ortsbeirat sitzt, notierte unzureichend abgesenkte Bordsteine und schadhaftes Pflaster an der Frankfurter Straße. Weitere Hindernisse: wuchernde Büsche, zu weit in den Gehweg ragende Hecken, hoch gedrückte Wurzeln sowie Querungen ohne Zebrastreifen auf der Frankfurter und Wiesbadener Straße.

Am Puiseauxplatz lauerten die nächsten Stolperkanten an den Waschbetonplatten vor der Postfiliale. Die Rollstuhl-Rampe der Post landete ebenso auf der Mängelliste wie diejenige am ehemaligen Schlecker-Drogeriemarkt, die recht schmal und seitlich nicht abgesichert ist. Mit Rollator, Rollstuhl und Kinderwagen spürten Mitglieder des VdK und der CDU Gefahrenstellen für Fußgänger auf.

Hindernisse und Stolperfallen

Weil Hindernisse und Stolperfallen gerade für ältere Mitbürger ein Gefahrenpotenzial darstellen, begann der Rundgang an der K & S Seniorenresidenz. Zwei Heimbewohnerinnen und ihre Betreuerin schlossen sich den „Testläufern“ an. Sie konnten dank eigener Erfahrung wertvolle Hinweise geben.

Auch wenn angesichts drohender Regenwolken auf die Einbeziehung des Altorts verzichtet wurde, lag ein langer Rundgang vor den 15 Teilnehmern. Von der Seniorenresidenz führte er über den Puiseauxplatz zum Bahnhof, dann zurück über die alte Frankfurter Straße, Wiesbadener Straße und den Verbindungsweg an der Gartenstadtschule zur Königsteiner Straße. Zum Schluss wurden die Kastanienallee, der Fußweg zur Limburger Straße und die Parkplätze hinter der Seniorenresidenz begutachtet. Mit dabei war auch CDU-Stadtverbandsvorsitzende Margit Müller-Ollech.

Die Schwachstellen dokumentieren

Gerd Weyland, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Nieder-Roden, dokumentierte die Schwachstellen fotografisch. Als gravierend entpuppte sich ein Hindernis an der Nordseite der S-Bahn-Haltestelle. Wegen der Bauarbeiten für das Parkhaus des Ärztehauses „Medicum Rodgau“ werden dort die Fußgänger und Radfahrer über den Bahnsteig umgeleitet. An der Treppe in Höhe der Fahrrad-Abstellplätze ist jedoch Endstation für Rollstuhlfahrer, Rollator-Führer und Mütter mit Kinderwagen. Ohne fremde Hilfe kommen sie nicht weiter. Die dort angebrachte provisorische Rampe ist viel zu steil, deren Spur zu breit. Lars Neumann, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Nieder-Roden und Wolfgang Wacker, zweiter Kassierer beim VdK, mussten ordentlich zupacken, um die Gefährte von Irmtrud Mayer, Hannelore Wrede und Maria Ullrich hinunterzutragen.

Auch Schatzmeisterin Elke Plößer wäre ohne ihren tatkräftigen CDU-Kollegen Rainer Ollech mit dem Kinderwagen nicht weiter gekommen. Nur wenige Meter entfernt blockieren Wertstoffcontainer am Wendehammer der alten Frankfurter Straße einen Teil des Gehwegs, der im weiteren Verlauf stellenweise zugeparkt war.

Optische Zweiteilung der Trottoirs

Am Wendehammer der Frankfurter Straße an der Volksbank ist der Gehweg zugeparkt. Hannelore Wrede und Elke Plößer müssen mit Rollator und Kinderwagen auf die Fahrbahn ausweichen.

Kopfzerbrechen bereitete Neumann, Weyland und Hartmann auch die optische Zweiteilung der Trottoirs entlang der Frankfurter und Wiesbadener Straße aus Zeiten der benutzungspflichtigen Radwege. Nach Einrichtung der Tempo-30-Zone wurden diese abgeschafft, Radfahrer sollen seitdem die Fahrbahn nutzen. Da aber die optische Trennung durch unterschiedliche Pflasterung oder Begrenzungslinien meist noch vorhanden ist, kommt es auf den streckenweise schmalen Gehwegen immer wieder zu kritischen Begegnungen zwischen Radlern und Fußgängern.

Zum Abschluss des Kontrollgangs konnten die Tester ihre Liste um letzte Punkte ergänzen: tief hängender Bewuchs und schlechte Beleuchtung am Fußweg entlang der Gartenstadtschule zur Königsberger Straße. Nicht abgesenkte Randsteine und aus dem Boden ragende Halterungen abmontierter Sperrpfosten an der Kastanienallee. Und zum Finale ein Auto, das den Fußweg beim Parkplatz Limburger Straße in voller Breite versperrte.

Mit dem Versprechen, eine bebilderte Aufstellung nebst Lösungsvorschlägen zeitnah ans Ordnungsamt zu übermitteln, verabschiedete Steffen Hartmann nach gut zwei Stunden die Beteiligten. Sie alle hoffen, dass möglichst viele der dokumentierten Schwachstellen so rasch wie möglich beseitigt werden können, um Fußgängern ein sicheres und barrierefreies Fortkommen zu ermöglichen.

Quelle: op-online.de

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