Furcht um Hausfassaden

Steinschlag aus dem Schlagloch

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Wasser und Steinchen spritzen an die Hausfassaden. Der Putz ist so nass, dass sich die Rücklichter der Autos darin spiegeln. Anwohner fürchten, die Bausubstanz nehme Schaden.

Weiskirchen - Seit Jahren gleicht die Schillerstraße an manchen Stellen einem Flickenteppich. Die Mitarbeiter der Stadtwerke geben mit Kalt-Asphalt und Splitt zwar ihr Bestes. Aber die vergangene Frostperiode hat wieder deutliche Spuren hinterlassen - mit Folgen.

Nicht nur leiden Stoßdämpfer und Spurstangen der Autos beim Rumms im Schlagloch. Darin sammeln sich überdies Steinchen und Wasser. Dieses Gemisch spritzt dann mit Karacho gegen Hauswände und Rollläden - und beschädigt möglicherweise Fassaden. Die Steinchen sind fast wie kleine Geschosse. Schlimm ist es auf Höhe der Hausnummer 2. Wer haftet dafür?

Schlaglöcher in der Umgebung

Hauseigentümer haben nur begrenzte Möglichkeiten, eventuelle Schäden am Fassadenputz bei der Stadt geltend zu machen. Der Rodgauer Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Dr. Thomas Kilz, mag eine Haftung der Stadt wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht zwar grundsätzlich nicht ausschließen. Das Schadensersatzrecht kennt jedoch viele Hürden, die Betroffene überwinden müssen. Die höchste: Die Geschädigten sind in der Beweispflicht. „Und ohne teure Gutachten lässt sich das kaum packen“, informiert der Fachanwalt. „Man muss sich gut überlegen, ob man einen solchen Prozess führt.“ Der Einzelfall müsse genau beleuchtet werden.

Theorie und Praxis

Theoretisch muss die Stadt zwar auch für Folgeschäden (wie eine kaputte Hauswand) aufkommen, sofern sie ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt. Dieser Zusammenhang lässt sich aber nur schwer beweisen. Auch müssen zahlreiche Fragen beachtet werden: War der Schaden in der Hauswand schon angelegt, weil das Haus bereits einige Jahre steht? Wie viel Mitverschulden trifft Autofahrer, die durchs Schlagloch sausen und den Steinschlag verursachen?

Das Problem wird die Anwohner der Schillerstraße leider noch eine Weile begleiten. Die städtische Pressestelle kann keine grundhafte Sanierung der Schlagloch-Piste versprechen. Vielmehr wird es auch 2013 bei Not-Reparaturen bleiben. Das hat mehrere Gründe:

  • Die Stadt hat beim Land Hessen Zuschüsse für die Sanierung der Schillerstraße beantragt. Ein Zuweisungsbescheid liegt aber noch nicht vor. Bedeutet: Es kann nicht sicher kalkuliert werden, welche Kosten auf die Kommune zukommen.
  • In die Kalkulation der Baumaßnahme spielt überdies die derzeit heiß diskutierte Frage, ob die Stadt eine Straßenbeitragssatzung erlassen wird oder nicht. Die Verwaltung bereitet eine solche Satzung zwar vor. Aber bis die Politik diese beschließt, vergeht etwa noch ein Jahr. Erst wenn die Satzung steht, ist aber klar, wie sich die Kosten auf Kommune und Bürgern verteilen. Das soll entweder projektbezogen geschehen (dann würden nur die jeweiligen Anwohner zahlen) oder aber alle Rodgauer zahlen regelmäßig Straßenbeiträge.

bp

Quelle: op-online.de

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