Städtische Grünexperten rätseln über die Ursache

Das Sterben der Ahornbäume

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Ein Stahlgitter schützt den Wurzelballen.

Rodgau - Ein mysteriöses Baumsterben an der Weiskircher Hauptstraße beschäftigt die Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Grünanlagen und Forst schon seit zwei Jahren. Von Bernhard Pelka 

Während die dort am Straßenrand angepflanzten Kugelahorn überwiegend prächtig gedeihen, gehen sie vor dem Haus Nummer 137 regelmäßig ein. Von Baum kann man fast nicht mehr schreiben – eher von Gerippe. Die Blätter des Kugelahorn haben nicht nur eine ungesunde braune Farbe, sie sind obendrein total verwelkt. Auch in den dürren Ästen steckt kein Leben mehr. Die zwei Kugelahorn vor dem Haus Weiskircher Straße 137 bieten einen traurigen Anblick: sie sind tot. Die Bäume in ihrer Nachbarschaft wachsen hingegen prächtig. Sie treiben kräftig aus. So geht das schon seit zwei Jahren. Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Grünanlagen und Forst haben bereits nachgepflanzt und den Boden der zwei Baumscheiben zweimal ausgetauscht. Vergeblich: Auch die nachgepflanzten Kugelahorn gingen trotz dieser Rettungsversuche ein.

Während der Kugelahorn im Vordergrund abgestorben ist, treiben die anderen entlang der Hauptstraße prächtig aus.

Die städtischen Baumexperten rätseln über die Ursache. Spekulationen gibt es zwar viele. Einzig greifbarer Fakt ist aber die Tatsache, dass die Baumscheiben in der Hauptstraße für die Bäume dort generell zu klein sind. Zwölf Kubikmeter Wurzelraum gelten als ideal, um ein Überleben zu sichern. In der Hauptstraße sind die Baumscheiben aber beträchtlich kleiner. Trotzdem wachsen dort die meisten Kugelahorn relativ gut. Vor der Hausnummer 137 wissen sich die städtischen Grünpfleger aber jetzt keinen anderen Rat mehr, als die abgestorbenen Bäumchen erneut zu entfernen und die Baumscheiben mit Pflastersteinen zu versiegeln. Ob daraus dann Parkplätze werden, ist noch offen.

Gewöhnlich haben es die Rodgauer Straßenbäume nicht leicht. Die von Asphalt versiegelte Fläche, die sie umgibt, macht die Wasserversorgung schwierig. Und im Sommer strahlt der Straßenbelag die Hitze gnadenlos ab. Abgase und Autorempler machen den Bäumen das Leben zusätzlich schwer. Nicht zu vernachlässigen ist auch die ab einer gewissen Dosis schädliche Wirkung der Hinterlassenschaften von Hunden.

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Um Bäume am Leben zu halten, betreibt die Stadt einen immensen Aufwand – siehe Hauptstraße in Weiskirchen. Dort wurde immerhin nachgepflanzt und der Boden ausgetauscht. An viel befahrenen Orten, wie etwa dem Ludwig-Erhard-Platz in Dudenhofen, schützen Käfige aus Holzpfählen oder Stahlgitter die Stämme. Manchmal hat dieser Anfahrschutz („Vierbock“ im Fachjargon genannt) eine weitere Funktion. Der Stamm wird über Seile mit dieser Konstruktion verbunden. Das leitet bei Wind die Kräfte, die auf die Krone wirken, in die Holzpfähle ab. Dann reißen selbst bei Sturm die Feinwurzeln nicht ab. Wurzelballen schont zusätzlich ein starkes Eisengitter, das in der Baumscheibe auf einem Betonkranz ruht. Da können dann sogar Autos darüberfahren, ohne dass Wurzeln Schaden nehmen, weil der Boden durch das Gewicht zu sehr verdichtet würde.

Sofern Bäume unter Baumaßnahmen zu sehr leiden würden, lässt die Stadt sie sogar umpflanzen. Zuletzt geschehen in Nieder-Roden, als am S-Bahnhof das Parkhaus entstand. Die Bäume siedelten an den Rollwaldkreisel um. Oder die Aktion auf dem ehemaligen Spielplatz an der Eugen-Roth-Straße in Jügesheim. Das Gelände wurde als Bauplatz verkauft, drei Bäume zogen um. Die Auswahl der richtigen Bäume für die Stadt ist schwer. Sie sollen blühen, aber keine Früchte bilden, die Bürgersteig und Schuhe verschmutzen. Sie sollen möglichst keine klebrigen Substanzen absondern (wie etwa Linden), denn das mögen Autobesitzer gar nicht. Ein Problem sind vor allem die Strapazen durch den Klimawandel.

Quelle: op-online.de

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