Das Sterben der Fachgeschäfte

Sport Berger schließt nach 30 Jahren

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Nach dem Räumungsverkauf ab 16. November schließt Sport Berger am 5. Januar 2018.

Jügesheim - 30 Jahre nach der Eröffnung schließt das Sportfachgeschäft Berger an der Hintergasse. Nach Eisen Rupp und Elektro Rossbach verliert der Jügesheimer Ortskern erneut ein Traditionsgeschäft. Von Bernhard Pelka 

„Ich will mich nicht ausheulen, sagt Karl Berger. Aber auch er sei ein Opfer des Strukturwandels im Einzelhandel. Das tue ihm im Herzen weh. „Das Internet und der kostenlose Warenversand sind ein Krebsgeschwür“, findet der Mann deutliche Worte. Und er weist auf Gefahren hin: Waren zu bestellen und hin- und herzuschicken sei derzeit zwar noch kostenlos. „Sobald es aber nur noch zwei, drei Große gibt, werden sie Preise diktieren.“ Bis dahin werde das Sterben im Einzelhandel weitergehen. „Und dann haben die Kunden keine Ausweichmöglichkeit mehr, weil alle Geschäfte vor Ort zugemacht haben.“

Der 67-Jährige macht wirtschaftliche Gründe und sein Alter für die Geschäftsaufgabe verantwortlich. Zwar habe er viele treue Kunden, „denen ich sehr, sehr dankbar bin“. Und auch das Geschäft mit den örtlichen Vereinen laufe nach wie vor „sehr fair und gut“. Das reiche aber nicht zum wirtschaftlichen Überleben. Am 5. Januar 2018 ist der letzte Verkaufstag, ab dem 16. November beginnt der Räumungsverkauf. Zuvor ist am 13. und 14. November geschlossen, um das Fachgeschäft für den letzten Kundenansturm vorzubereiten.

Mit dem Räumungsverkauf hat der Geschäftsmann dieselbe Agentur beauftragt, die im März 2016 bei Eisen Rupp aktiv geworden war und das bittere Ende zu einem verträglichen Abschluss brachte. Große Hoffnungen hatte Karl Berger darauf gesetzt, dass sich die Idee durchsetzt, in Jügesheim zwischen Kirche und Ostring unter Einbeziehung der Alten Schule eine Ladengalerie zu bauen. „Dann hätte ich noch mal Gas gegeben.“ Doch Investoren und Grundbesitzer einigten sich nicht. Ein Konzept zur Lösung der erwarteten Verkehrsprobleme kam nie auf den Tisch. Überdies wurde im Lauf der Planungen immer unsicherer, ob das Großprojekt in der Bürgerschaft überhaupt Akzeptanz findet. Übrig geblieben davon ist der Wille, hinter der alten Schule auf dem heutigen Parkplatz einen Nahversorgungsmarkt zu etablieren.

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„Ich gebe niemand alleine die Schuld“, sagt Berger. „Aber wenn man sich umschaut in unserer Region, dann leidet zwar auch in anderen Städten der Einzelhandel, aber diese Städte versuchen wenigsten mitzuhalten und tun was.“ Dann blättert er nachdenklich er in einem Ordner mit Zeitungsartikeln, die von den zerplatzten Einkaufs-Träumen berichteten. „Wenn das gekommen wäre, hätte ich mich noch mal neu aufgestellt und sogar einen Internetshop eingerichtet.“

So aber schließt das 1987 eröffnete Fachgeschäft Anfang nächsten Jahres. Vor 30 Jahren begann Karl Berger in einer ehemaligen Schreinerei an der Hintergasse mit 100 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die gute geschäftliche Entwicklung erlaubte 1997 einen Neubau: drei Etagen mit 300 Quadratmeter Geschäftsräumen. 2006 musste der gelernte Bürokaufmann seinen Laden allerdings gesund schrumpfen. Von einst acht Mitarbeitern blieben seine Frau Mirela, seine Schwester Steffi Kupi und er.

Als der Geschäftsmann 1987 begann, gab es in der benachbarten Rodgau-Passage nach seinen Erinnerungen 16 Einzelhandelsgeschäfte. „Heute sind es drei“, zieht Berger Bilanz. Seine Geschäftsräume hat er bereits vermietet. Wo Turnschuhe und Sportbekleidung verkauft wurden, wird das Deutsche Rote Kreuz ab Anfang 2018 verschiedene Angebote bündeln.

Quelle: op-online.de

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