Sternensinger-Aussendung ist eine große Sache in St. Matthias

Nudeln für die kleinen Könige

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Die Garderobe der Weisen aus dem Morgenland ist absolut professionell aufgezogen: An jedem Gewand steht der Name und die Nummer der Gruppe. Immerhin sind es 57 Kinder, die ausstaffiert werden müssen. Damit die Kinder auch von Autofahrern nicht übersehen werden, tragen sie Reflektoren in Sternenform.

Nieder-Roden - Den heiligen drei Königen ist zwar kein Zacken aus der Krone gebrochen, doch viele Spitzen der hölzernen Sterne müssen dran glauben: Das gibt wieder viel Arbeit. Wie viel Aufwand hinter den Besuchen der Kinder und Jugendlichen an den Haustüren steckt, kann in der Gemeinde St. Matthias in Nieder-Roden beobachtet werden. Von Simone Weil

Lange Schlangen stehen an der Essenausgabe und der Geräuschpegel steigt im Pfarrheim der katholischen Gemeinde in Nieder-Roden: Jetzt haben alle ordentlich Hunger und sehnen sich nach einer warmen Mahlzeit. Schließlich sind die etwa 100 Menschen seit 9 Uhr in der eisigen Kälte unterwegs. Direkt nach dem Gottesdienst geht es los: Zehn Gruppen von jeweils fünf bis sechs Kinder begleitet von zwei Jugendlichen und zwei Erwachsenen ziehen aus, um sich an der bundesweiten Aktion Dreikönigssingen zu beteiligen. Caspar, Melchior und Balthasar werden jeweils von einem Sternträger und einem Schatzmeister begleitet. Weil es pro Kind eine Aufgabe geben soll, ist in manchen Fälle noch ein Springer dabei, mit dem sich die anderen abwechseln können. Mit der Hilfsaktion soll diesmal den Kindern in Kenia geholfen werden, die vom Klimawandel betroffen sind. Denn für den Besuch der Sternsinger wird mit einer Spende gedankt. Überall wo die dick eingemummelten Kinder mit dem Schatzkästlein auftauchen, werden sie erwartet: Inzwischen kommen die Weisen aus dem Morgenland in den meisten Gemeinden nämlich nur noch auf Bestellung.

Mehr als 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene beenden die Sternsinger-Aktion am Samstag mit einem gemeinsamen Mittagessen im Pfarrheim der Gemeinde St. Matthias.

Doch auch heute werden die Überbringer von Gottes Segen einige Male von ihrem geplanten Weg abgebracht, weil ihre Visite von manchem Bürger spontan erbeten wird. Oft stehen an den Türen heißer Orangensaft, Tee und Süßigkeiten bereit. Die Zuhörer sind meist echt gerührt. „Viele ältere Leute hatten Tränen in den Augen oder haben geweint, als wir gesungen haben“, erzählt ein Junge. Zwischen 13.30 und 13.45 Uhr pilgern kleine Grüppchen zum Treffpunkt der Gemeinde nahe der S-Bahn-Station. Sie werden dort vom Küchenteam mit Nudeln mit Hackfleisch- oder Tomatensoße, Salat und Schokoladenmousse erwartet. Das Mittagessen kommt bei allen gut an, „weil wir was zusammen gemacht haben“, freut sich eine Mutter. Deswegen wird es später auch noch eine Applaus-Rakete und ein gesungenes Trullala für die Küchengeister geben.

Um ein Haar wäre die Hilfsaktion allerdings ins Wasser gefallen, erzählt Stefanie Schultheis, die plötzlich auf zwei Mitstreiter im Organisationsteam verzichten musste. Da sprang Pfarrer Peter Eckstein ein. Denn zu tun ist jede Menge: Material muss bestellt, die Garderobe aus dem Fundus gesichtet, gewaschen und notfalls ausgebessert werden. Insbesondere Accessoires wie die hölzernen Sternenschilder sind in ihrer Lebensdauer bedroht: „Die erste Spitze musste schon beim Verlassen der Kirche dran glauben“, erzählt Gudrun Wilhelm, die den Kindern beim Anziehen hilft. Was alles zu tun ist, fällt auch bei den vorbereiteten Aufklebern mit dem Segen „Christus Mansionem Benedictat (Christus segne dieses Haus)“ auf. Die heiligen drei König schreiben die Worte nicht mehr selbst? Das allerdings wirkt schon arg professionell. „Auf Metalltüren kann man nicht schreiben“, erklärt Pfarrer Eckstein dem Laien. Deswegen seien außer der Kreide auch die Aufkleber im Marschgepäck.

Hessische Sternsinger bei Angela Merkel

Maike Weiland ist begeistert von der Stimmung: „Es war superschön.“ Sie hat ihre beiden Söhne Tim (6) und Nico (8) begleitet und will im kommenden Jahr wieder dabei sein. Die Jungs waren mit Jogging- und Schneehosen so so gut eingepackt, dass die Kälte ihnen nichts hätte anhaben können, erzählt die Mutter. „Ihnen war sogar zu heiß.“ Inzwischen haben die Schatzmeister die Spenden gezählt: 5 500 Euro. Doch im Gottesdienst am Sonntag kommt meistens noch ein ordentliches Sümmchen hinzu. „Allerdings liegt der Mehrwert der Aktion darin, dass Kinder etwas für andere Kinder tun“, meint der Pfarrer.

Quelle: op-online.de

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