Ausbrecher im Netz des Ordnungsamts

Stinktier Liesel auf Abwegen

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Rette sich wer kann! Unter einem Auto suchte der tierische Ausbrecher Deckung.

Rodgau - Unglaublich, aber wahr: Zwei Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts haben auf dem Parkplatz am Pflegeheim Gretel-Egner-Haus in Dudenhofen ein Stinktier gefangen. Es war aus einem Freigehege in Rodgau entlaufen.

An der Jagd beteiligten sich auch Beschäftigte des Toom-Markts gegenüber. „Ich dachte erst, es handelt sich um einen Marder, Waschbären oder Dachs“, sagt ein Toom-Mitarbeiter, der in der Zeitung nicht namentlich genannt werden möchte. „An ein Stinktier hat doch keiner geglaubt!“

Auch die Männer des Ordnungsamts waren sich anfangs nicht sicher. Fachlichen Rat holten sie sich deshalb per Telefon bei Petra Simon. Sie leitet in Dudenhofen die offizielle Auffangstation für Wildtiere und Exoten. Die Expertin gab wertvolle Tipps, wie die Stinktierjäger es am besten vermeiden, von dem Tier vollgestänkert zu werden. Derweil hielten Toom-Beschäftigte den Ausreißer unter einem Auto in Schach und schafften einen Karton als Käfig bei. Relativ schnell ergab sich eine Gelegenheit, den Karton über das Tier zu stülpen. Letztlich ging der Ausbrecher im wahrsten Wortsinn ins Netz des Ordnungsamts und landete bei Petra Simon. Die Jagdszenen beobachtete auch Daniel Arrebola, der zurzeit im Gretel-Egner-Haus arbeitet. Er drückte geistesgegenwärtig auf den Auslöser an seinem Handy und stellte die Fotos unserer Zeitung gestern zur Verfügung.

Ende des Ausflugs: Stinktier Liesel im Netz des Ordnungsamts.

Durch einen Zufall konnte Petra Simon die Herkunft des tierischen Flüchtlings schnell feststellen. „Gerade einen Tag vorher hatte ich geschäftlich mit einer Frau telefoniert, die vor zwei Jahren ein Schwesterpaar aus einem Stinktierwurf bei mir übernommen hatte. Tatsächlich war das Stinktier bei ihr entlaufen. Es heißt Liesel.“ Sie lebt zusammen mit Schwester Lotte bei einer Rodgauerin und war aus dem Freigehege abgehauen. „Es sind beide ausgebüchst. Irgendwie haben sie die Schiebetür aufgekriegt. Lotte ist freiwillig zurück, Liesel aber nicht. Die ging auf Entdeckungsreise“, erzählt Petra Simon.

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Sie weiß auch die Antwort darauf, weshalb Liesel ihre Verfolger nicht mit übel riechendem Drüsensekret abgewehrt hat. „Es handelt sich um ein handzahmes Haustier, das bei Menschen aufgewachsen ist. Es hat die Situation wohl nicht als bedrohlich empfunden und deshalb nicht gespritzt. Normalerweise tun das Stinktiere nur, wenn sie sich von ihren Fressfeinden bedroht fühlen. Und da die Ordnungsamtsleute nicht nach Raubkatze riechen, gab es dazu keinen Anlass.“ Liesel ist inzwischen wieder bei ihrem Frauchen. Und an der Schiebetür des Außengeheges hängt jetzt ein dickes Vorhängeschloss.

(bp)

Quelle: op-online.de

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