Apfelwein-Prämierung beim Naturschutzbund Rodgau

Stöffche im Geschmackstest

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Bembel für Bembel eine andere Qualität: Bei der Apfelweinprämierung des Naturschutzbundes kommen alle eingelieferten Stöffche im hessischen Traditionsgebinde daher.

Nieder-Roden - Der beste Apfelwein kommt aus dem eigenen Fass. Zwar ist diese Überzeugung unter Hobby-Kelterern auch in Rodgau und Umgebung weit verbreitet, manch einen aber verlangt es bisweilen doch nach Abwechslung oder auch Bestätigung im Wettbewerb.

Beides bot die Stöffche-Prämierung beim Naturschutzbund (Nabu) an der Vogelhütte bei Nieder-Roden. Naturschutz und Zecherei - wie geht das zusammen? Beim Nabu ist die Verbindungslinie kurz und führt über baumbestandene Wiesen. Streuobstpflege sei ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit, erläutert Manfred Eberhard, Vorstandsmitglied der mehr als 400 Mitglieder starken Rodgauer Ortsgruppe. Vor allem um Nieder-Roden und Dudenhofen bewirtschafte der Naturschutzbund mehrere Flächen. Wer Apfelbäume habe, bekomme notwendig auch Äpfel, im frühen Herbst nicht zu knapp. Und was liege näher als die ureigene hessische Methode, um mit dem Überfluss fertig zu werden.

Heißt: Keltern, zumeist im Oktober, und daheim bei den Mitgliedern Fässer mit Stöffche ansetzen. Hobby-Kelterer hat es laut Eberhard nicht nur im Nabu und nicht nur in Rodgau: Hausgemachter Apfelwein entstehe überall in der Region, die meisten Hersteller seien untereinander bekannt und träfen sich auch zum gegenseitigen Probieren. So erwarteten die Naturschützer auch Gäste von außerhalb, etwa aus Rödermark und sogar aus dem Kahlgrund drüben in Bayern.

Insgesamt fanden sich rund 20 Apfelweinfreunde ein, um die Produkte aus regionalen Kellern zur Brust zu nehmen und ihr Urteil zu sprechen. In elf Bembeln wartete der Stoff, eingeliefert von zehn Produzenten. Welcher Apfelwein in welchem Tonkrug schwappte, wusste zunächst nur einer: Manfred Eberhard, der die Gefäße hinter verschlossenen gefüllt hatte. Die Tester sahen nur eine Nummer am Bembel und vergaben ihre Punkte per Bewertungsbogen auf einer Fünferskala von „Sehr gut“ bis „Sauer“ – gleichsam anonym.

Was da an Werturteilen erging, hat laut Eberhard jahreszeitbedingt Gewicht und Bestand. Jetzt im April sei die Geschmacksbildung des jüngsten Jahrgangs weitgehend abgeschlossen: „Wir haben das früher schon im Januar gemacht, aber das war nicht gut.“ Während noch die Gärung laufe, schmecke der Äppelwoi jeden Tag anders, weiß seine Frau Dagmar, wie ihr Mann eine Veteranin an der Apfelwein-Front. Geschmack ist übrigens das einzige Kriterium: „Es soll nicht wissenschaftlich sein“, versichert Manfred Eberhard.

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Auch aus welchen Apfelsorten der Saft gepresst wurde, spielt beim Naturschutzbund keine Rolle. Zwar gebe es gelegentlich auch sortenreine Wettbewerbsbeiträge, erklärt der Vorständler, der auch als Hüttenwart fungiert. Am besten aber mundeten gewöhnlich Mischungen aus mehreren Sorten. „Jedes Fass schmeckt anders“, weiß Eberhard aus Erfahrung, und in der Regel habe jedes Stöffche auf seine Weise Qualität.

Dennoch: Es kann nur einen geben. Geschmackssieger wurde diesmal Stefan Hornung aus Ober-Roden, Mitglied im dortigen Kelterverein und somit Halbprofi. 60 Punkte fuhr er ein. Damit verwies er Friedel Meiß aus Dudenhofen (56 Punkte) auf den zweiten Platz. Dritter wurde mit 52 Punkten Holger Möhn aus Nauheim im Taunus - gleichauf übrigens mit Manfred Eberhard, der aber auf seinen Preis verzichtete. Als Gastgeber, Bembelfüller und Regisseur der Veranstaltung keltert und trinkt er grundsätzlich außer Konkurrenz. (zrk)

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Quelle: op-online.de

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