Stadt fordert Konsequenzen

Störfall in Rußfabrik hat ein Nachspiel

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Hier wird Ruß gemacht. Anwohner aller Himmelsrichtungen klagen über sporadischen Gestank.

Hainhausen (eh) - Nach dem Störfall in der Rußfabrik dringt die Stadt Rodgau auf eine gründliche Untersuchung. „Es ist augenscheinlich, dass es hier doch einige Defizite gibt“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann gestern vor der Presse.

Von dem Unternehmen gehe „ein Potenzial aus, dass vielleicht bisher nicht so bewertet wurde“. Auch die Brockhues GmbH & Co. KG, die das Werk betreibt, will Konsequenzen aus dem Störfall ziehen. „Wir prüfen jetzt erstmal die Maßnahmen, die erforderlich sind, um bei einem Stromausfall besser gerüstet zu sein“, sagt Christoph Britz, der in der Brockhues-Zentrale in Walluf für Sicherheit und Umwelt zuständig ist.

Die Fabrik hatte am Freitag schwarze Rußwolken freigesetzt. Die Abluft der Öfen wurde nicht abgesaugt und gefiltert, weil die Ventilatoren wegen des Stromausfalls stillstanden. Über ein Notstromaggregat verfügt die Rußfabrik nicht. Nach Löschversuchen der beiden Mitarbeiter löschte die Freiwillige Feuerwehr die Anlage ab.

Kosten des Großeinsatzes in Rechnung gestellt

„Stinker“ haben Unbekannte auf die Grundstücksmauer der Rußfabrik gesprüht. Der schmutzige Verputz blättert ab. Das Unternehmen sieht derzeit keinen Anlass, den äußeren Eindruck zu verbessern.

Die Kosten des Großeinsatzes stellt die Stadt dem Unternehmen in Rechnung. Zudem fordert sie Ersatz für Einsatzkleidung, die auch nach viermaligem Waschen nicht sauber wurde. „Durch die Konstruktion des Ofens bestand zu keiner Zeit die Gefahr einer Brandausbreitung“, betont das Unternehmen in einer Pressemitteilung: „Die Freisetzung des Rußes stellt keine Gefahr für die Gesundheit und die Umwelt dar und es entstand kein Schaden an der Produktionsanlage.“

Als Sicherheitskoordinator der Unternehmensgruppe Rockwood Pigments in Europa unterstreicht Christoph Britz, „dass in Hainhausen nach dem Stand der Technik produziert wird und unsere Verpflichtung zu einer sicheren und umweltgerechten Produktion höchste Priorität hat“.

In Rodgau bleiben Zweifel

In Rodgau bleiben Zweifel. „Solche Vorfälle bringen natürlich Verunsicherung in die Bevölkerung“, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler. Der Bürgermeister hält weitere Schadstoffmessungen für erforderlich, um alle Befürchtungen auszuräumen. Erst vor drei Wochen habe es erhebliche Beschwerden von Bürgern über Geruchsbelästigungen gegeben.

Schüßler ist selbst betroffen: „Es gibt Momente, da mache ich das Badfenster zu. weil ich weiß, es ist keiner meiner Nachbarn.“ Beschwerden aus der Bevölkerung leitet die Stadtverwaltung an das Regierungspräsidium Darmstadt weiter. Acht Fälle waren es 2011.

„Wir messen kontinuierlich unsere Abgasströme“

Auch das Unternehmen in Walluf gehe Hinweisen von Bürgern nach, sagt Sicherheitskoordinator Christoph Britz. Wichtig seien genaue Angaben (Datum, Uhrzeit), um gezielt nachforschen zu können. „Wir messen kontinuierlich unsere Abgasströme“, so Britz: „Die Anlage ist so eingestellt, dass sie abschaltet, wenn eine Grenzwertüberschreitung droht.“ Das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde überprüfe die Rußfabrik mindestens einmal pro Jahr. Die jüngste Kontrolle im Mai ergab keine Beanstandung.

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Eine Absage erteilt Brockhues dem Wunsch aus Rodgau, die Außenmauer der Rußfabrik neu zu streichen oder hinter Kletterpflanzen zu verstecken. Man habe Zaun und Tor erneuert und örtlichen Vereinen erlaubt, ihre Hinweisschilder auf dem Gelände aufzustellen, sagt Christoph Britz: „Weitere Aktionen zur Außendarstellung haben wir nicht geplant.“

Quelle: op-online.de

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