Strampeln für die gute Sache

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Der Großhandelsmarkt Fegro/Selgros unterstützt die nächste Benefiztour von Andreas Beseler (Zweiter von rechts) mit Essen und Getränken für alle Fahrradfahrer. Dadurch kann der größte Teil des Teilnehmerbeitrags in der Spendenkasse landen. Dieses Foto entstand bei der Spendenüberreichung für eine frühere Aktion im Mai 2013.

Jügesheim - Der MS-kranke Rennradfahrer Andreas Beseler plant eine neue Benefiztour. Im Juni will er in zwölf Tagen von Jügesheim nach Barcelona fahren. Das Motto heißt „Besi & Friends“. Jeder, mit und ohne Handicap, kann einzelne Etappen oder die ganze Strecke mitradeln.

Mit der 1762-Kilometer-Tour will Beseler um Spenden für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung werben. Start zur Tour nach Spanien ist am 15. Juni um 9 Uhr an der Radsporthalle Jügesheim. Zwölf Etappen von 120 bis 173 Kilometer sind geplant. An einzelnen Tagen sind bis zu 3 600 Höhenmeter zu überwinden. Nach der siebten Etappe wird in Clermont-Ferrand (Frankreich) ein Ruhetag eingelegt.

Wer mitfahren will, kann sich noch bis zum 31. Januar anmelden. Geplant ist, in zwei Gruppen in unterschiedlichem Tempo zu fahren. Ein Fahrzeug mit Verpflegung und Gepäck begleitet jede Gruppe. Die Handball-Spielgemeinschaft (HSG) Rodgau-Nieder-Roden stellt dafür drei Kleinbusse zur Verfügung, die von Opel gesponsert wurden. Heute Abend stellt die HSG diese Aktion den Besuchern ihres Heimspiels vor.

„Das ist Klasse, dass die mir so helfen“, freut sich Andreas Beseler, „umso mehr kommt in die Spendenkasse.“ Bereits jetzt sind Spenden in Höhe von 9000 Euro zugesagt. Auch Unternehmen wie Lufthansa und Fegro/Selgros unterstützen die Benefiztour. Für die komplette Tour haben sich bereits 33 Sportler aus ganz Deutschland gemeldet. Acht Teilnehmer wollen einzelne Etappen mitfahren. Etliche Radler sind trotz gesundheitlicher Handicaps dabei: vier leiden an Multiple Sklerose (MS), einer hat einen bösartigen Gehirntumor. Auch Menschen mit Krebs oder nach einem überstandenen Schlaganfall oder Herzinfarkt muten sich die Strapazen der Zwölf-Tage-Tour zu.

Für Andreas Beseler ist es nicht die erste derartige Langstrecke. Im Sommer letzten Jahres fuhr er mit dem Rennrad durch die Rocky Mountains. Vom 6. Juli bis zum 2. August legte er 3 835 Kilometer zurück. Reine Fahrzeit: 112 Stunden und 26 Minuten. Zahlreiche Sponsoren unterstützen die gute Sache mit Centbeträgen pro Kilometer. Das Ergebnis nennt Beseler „sagenhaft“: 26 248,68 Euro gehen an die Stiftung, die MS-Kranke in Notlagen unterstützt.

Andreas Beseler leidet seit vielen Jahren an Multipler Sklerose. Mit Hilfe des Fahrradfahrens ist es ihm gelungen, dem scheinbar unvermeidbaren Schicksal „Rollstuhl“ zu entkommen. Sein Beispiel gibt anderen Betroffenen Mut und Hoffnung. „Ich möchte andere Menschen mit ähnlichem Schicksal ermuntern, es mir gleich zu tun oder es wenigstens zu versuchen“, schreibt er auf seiner Internetseite „Rad statt Rollstuhl“.

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1992 spürte er die ersten Symptome der Krankheit. Dann die ärztliche Diagnose - niederschmetternd. Im Folgejahr setzt er sich trotz Schmerzen auf Anraten eines Freundes wieder aufs Mountainbike. 1996 kauft er sich ein Rennrad, nimmt zuerst an Radtouristikfahrten und später an Wettkämpfen teil. Zehn Jahre nach der Diagnose „MS“ sieht er einen Fernsehbeitrag über querschnittgelähmte Sportler, die mit Handbikes eine Deutschlandtour unternehmen. Der Film motiviert ihn dazu, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Sein Ziel: So lange wie möglich durch Sport fit bleiben. Die Krankheit hat sich trotz allem verschlechtert. „Durch das Radfahren und den Sport kann ich noch vieles ausgleichen“, sagt Andreas Beseler.

Sein Verein, der Radfahrerverein Germania Jügesheim, hat jetzt eine Auszeichnung erhalten. Für die Unterstützung des Integrationsprojekts „Rad statt Rollstuhl“ erhielt der RV Germania einen Anerkennungspreis der „Sterne des Sports“.

(eh)

Quelle: op-online.de

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