Streit um Straßennamen geht weiter

Jügesheim (eh) - Die Straßennamen im künftigen Baugebiet westlich von Jügesheim erregen weiter die Gemüter. Die Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) sieht in der Entscheidung vom Donnerstag einen neuen Beweis für die Überflüssigkeit der Ortsbeiräte.

Äußerungen des Ortsbeiratsmitglieds Frank Berg (CDU) stoßen unterdessen auf Kritik bei SPD, Grünen und FDP. „Leider haben zurzeit die Ortsbeiräte noch das Recht, die Straßennamen in neuen Baugebieten zu bestimmen“, bedauert ZmB-Pressesprecher Klaus Möller. Dies habe in Jügesheim „zu einem kleinen Straßennamenswirrwarr geführt“.

Im Gegensatz zum Vorschlag des Magistrats werde es neben der Marburger Straße nun keine themennahen Straßennamen geben: „Für Ortsfremde bleibt nun das Chaos auf der Suche nach den neuen Straßennamen, die sich durch nichts erschließen. Man sieht an diesem parteipolitischen Schauspiel, dass der Gedanke des runden Tisches (gemeinsam getroffene sinnvolle Entscheidungen) nie bis zu den Ortsbeiräten vordringen wird, da sie ab 2016 der Vergangenheit angehören.“

„Das ist kein Spielplatz, das ist Demokratie“

Die Entscheidung des Ortsbeirats, die Straßen im Neubaugebiet „Auf den Bruchgärten“ nach Wilhelm Albert, Gisèle Freund und Karl-Hermann Flach zu benennen, habe nichts mit einem Spielplatz politischer Eitelkeiten zu tun, betont die SPD-Fraktion. Die Mehrheit halte alle drei Persönlichkeiten für ehrungswürdig. „Das ist kein Spielplatz, das ist Demokratie“, meint der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ralf Kunert.

Zu den Namensgebern der drei Straßen schreibt die SPD: „Mit Wilhelm Albert wird ein verdienter ehemaliger Bürgermeister Jügesheims geehrt. Karl-Hermann Flach hatte als FDP-Generalsekretär, Bundestagsabgeordneter und preisgekrönter Journalist maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung Deutschlands in den sechziger und siebziger Jahren. Gisèle Freund war eine der großen Fotokünstler und -forscherinnen des 20. Jahrhunderts.“

Winno Sahm verärgert

Verärgert reagiert Winno Sahm (Bündnis 90/Grüne) auf eine Bemerkung von Frank Berg (CDU) gegenüber der Offenbach-Post. Berg hatte in Zusammenhang mit Flach und Freund angemerkt, es handele sich um unbekanntere Menschen („Persönlichkeiten will ich sie mal nicht nennen“). Dazu Sahm: „Hier äußert sich die ,junge’ Generation der CDU, genau so borniert, kultur- und bildungsfern, (...) wie wir es von ihren Vorgängern gewohnt sind, an deren Prägung unsere Stadt bis heute leidet.“

Die angeblich „unbekannteren Menschen“, so Sahm, seien „der - neben Ralf Dahrendorf - bedeutendste konzeptionelle Kopf des deutschen Liberalismus der letzten Jahrzehnte und eine der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts mit einem beeindruckenden Lebenslauf“. Die Äußerung von Frank Berg sei ein weiterer „Baustein der Selbstprovinzialisierung der Stadt Rodgau“. Im Übrigen könne keine Rede davon sein, dass Straßennamen im Stadtgebiet konsequent blockweise vergeben würden. Ein Beispiel: „In Hainhausen haben wir eine Rubensstraße neben der Rilkestraße.“

Auch Heino Reckließ (FDP) fehlt jedes Verständnis dafür, dass ein politisch aktiver Mensch Karl-Hermann Flach nicht kenne. Bergs Äußerung zeuge „von einer anmaßenden Arroganz und skrupelloser Bildungsferne“.

Quelle: op-online.de

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