Streit um Symbolfigur

Ist das Streichholzkarlche ein Jügesheimer?

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Dank der Initiative von Hermann Schoppe und dem Verein „Denkmal Streichholzkarlche“ erinnert auf dem Wilhelmsplatz in Offenbach ein Standbild an das Offenbacher Original (Bild rechts). Gleichwohl weist eine Originalakte aus dem Offenbacher Wohlfahrtsamt von 1915 Karl Winterkorn als Jügesheimer aus (siehe Pfeil oben links, Nummer 520).

Rodgau - Der Bericht in unserer Zeitung von Filmportraits über Offenbacher Originale gibt einer liebenswerten Rivalität zwischen Offenbach und Jügesheim neue Nahrung. Es geht dabei um die Frage, wo Karl Winterkorn, das legendäre Streichholzkarlche, geboren wurde.

War er tatsächlich ein Offenbacher Original? Die Stadt Offenbach feiert das Streichholzkarlche gern als eins ihrer unvergleichlichen Originale. Der nur 1,30 Meter große Mann lebte von dem Verkauf von Streichhölzern. Auf dem Wilhelmplatz steht seit April 2000 ein Denkmal, das an den Holzhändler, wie er seinen Beruf schelmisch nannte, erinnert. Geschaffen hat das Standbild die Offenbacher Steinbildhauermeisterin Judith Quartier. Die Spenden dafür sammelte der Verein „Denkmal Streichholzkarlche“ mit seinem Vorsitzender Hermann Schoppe, ehemals CDU-Vorsitzender, Landtagsabgeordneter und Landtagsvizepräsident.

Wo wurde das Karlche denn nun geboren?

Wo wurde das Karlche denn nun geboren? „In Jügesheim“, behauptet Gerhard Lämmlein, ehemals Oberamtsrat im Offenbacher Sozialamt und heute Schriftführer des Heimatvereins Jügesheim. Lämmlein beruft sich auf eine Originalakte des damaligen Offenbacher Wohlfahrtsamts. Dort beantragte der 1880 geborene Karl Winterkorn 1915 Sozialhilfe. „Dazu musste er seinen Ausweis vorlegen, in dem der Geburtsort steht“, berichtet Lämmlein. In der Akte wird Jügesheim als Geburtsort angegeben. „Ein Irrtum ist ausgeschlossen.“

So weit, so schlecht. Denn in Offenbach beruft sich Hermann Schoppe, Motor des ehemaligen Offenbacher Vereins „Denkmal Streichholzkarlche“ darauf, Karl Winterkorn sei in Zell am Main geboren worden. Schoppe führt Taufdokumente der dortigen katholischen Kirchengemeinde als Beweis an. Lämmlein aber sagt, Tauf-Ort sei nicht gleich Geburtsort. „Die Mutter von Karl Winterkorn hatte kein Geld und ist deshalb nach Zell gefahren, um das Kind bei der Verwandtschaft taufen zu lassen.“ Geburtsort sei aber Jügesheim gewesen. Schoppe argumentiert, es sei abwegig, dass nicht am Geburtsort getauft worden sei. „Da gab es bei Taufen immer einen inneren Zusammenhang.“ Lämmlein versichert, es gehe nicht darum, „den Offenbachern ihr Original zu nehmen“. Das Streichholzkarlche habe schließlich sein Leben dort verbracht. „Er ist deshalb ein Offenbacher Original.“ Geboren worden sei der Mann aber in Jügesheim.

Kennen Sie die Wahrzeichen und ihre Städte?

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Darüber führte Lämmlein mit Hermann Schoppe schon vor elf Jahren einen Briefwechsel. Anlass war die Ausstellung der Wohlfahrtsakte von 1915, auf die sich Lämmlein beruft. Das gute Stück liegt noch heute in einem Schaukasten im Jügesheimer Heimatmuseum. Wo immer das Streichholzkarlche auch geboren sein mag, eins steht fest: Das Offenbacher Original starb am 12. Februar 1939. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof. Natürlich in Offenbach.

bp

Quelle: op-online.de

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