Landwirt betreibt auf seinem Hof eine Biogasanlage

Strom und mollige Wärme aus Gülle

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Das Steuerhaus (kleiner, grüner Container) und der Feststoffdosierer Nova-Feed sind wichtige Komponenten der Biogasanlage. Im Fermenter (großer, grüner Tank) vergärt das Substrat bei etwa 46 Grad. Das Gärrestlager (im Hintergrund der Behälter mit der grauen Haube) fasst 2600 Kubikmeter Gärreste und 1600 Kubikmeter Gas.

Jügesheim - Seit einem Jahr ist die Biogasanlage auf dem Karolingerhof im Jügesheimer Feld in Betrieb. Natürlich hat Landwirt Sebastian Roßkopf den Bau mit kühlem Kopf geplant. Trotzdem war das Projekt für ihn ein Abenteuer. Von Bernhard Pelka 

Nach zwölf Monaten Betrieb zieht er eine positive Bilanz. „Wir sind zufrieden. Wir sparen durch die Anlage Zeit und haben das gute Gefühl, dass auf dem Hof nichts verkommt.“
Sebastian Roßkopf hält auf seinem Hof etwa 140 Kühe. Im Zuge der Erweiterung des Milchviehbetriebs reifte der Entschluss, eine Biogasanlage zu bauen. Im Februar 2016 rückten die Bagger an. Ende Juni stand die Anlage mit Blockheizkraftwerk, Fermenter, Steuerhaus, Feststoffdosierer, Güllefüllstation und Gärrestlager.

Sebastian Roßkopf an der Steuerung des Feststoffdosierers. Über Förderschnecken führt er dem Fermenter Material zu.

Hört sich unkompliziert und flott an, war aber gar nicht so einfach. Denn viele Vorschriften waren und sind zu beachten. Die Gutachten über die diversen Bauteile füllen drei Leitzordner. Roßkopf muss ein Betriebstagebuch führen, einen Dokumentationsnachweis erbringen, einen Schadnagerbekämpfungs- und einen Hygieneplan aufstellen. Und er musste einen Havariewall bauen.
Die Bilanz des Landwirts nach einem Jahr Betrieb ist trotzdem positiv. Da die Anlage sämtliche Reststoffe wie Gülle, Mist und qualitativ minderwertiges Futter in Energie umwandelt, wird auf dem Karolingerhof nichts mehr untergepflügt oder gar weggeschmissen. „Das gibt einem ein sehr gutes Gefühl“, sagt Roßkopf zufrieden.

Herzstück des Blockheizkraftwerks ist ein Sechszylinder-MAN-Motor mit fast sieben Liter Hubraum. Das aus dem Abbauprozess organischer Stoffe gewonnene Gas bringt ihn zum Laufen, der Motor wiederum treibt einen Stromgenerator an.

Wie funktioniert die Anlage? Über ein Pumpwerk und dicke Leitungen erreicht die Gülle aus den Kuhställen den luftdichten Fermenter. Ein Feststoffdosierer führt dem Fermenter (oder Faulbehälter) über Förderschnecken außerdem festeres Material wie zum Beispiel Futterreste zu. Bei etwa 46 Grad zersetzen Bakterien im Fermenter dieses Gemisch und produzieren dabei Methangas. Das Methangas treibt im Blockheizkraftwerk einen großen MAN-Motor an, der wiederum einen Stromgenerator am Laufen hält. Die Anlage produziert im Jahr 650.000 Kilowattstunden. Die speist Roßkopf komplett ins Netz der Energienetze Offenbach GmbH, einer Tochter der Energieversorgung Offenbach AG, ein. Den Strom für seinen Privatbedarf kauft er hinzu. Über eine Ringleitung ist die Heizung im Wohnhaus der Familie auf dem Hof mit dem Motor im Blockheizkraftwerk verbunden. Das erhitze Kühlwasser des Motors (85 Grad) heizt also Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Flure.

Die Anlage läuft rund um die Uhr. Störungen meldet sie automatisch auf das Handy von Sebastian Roßkopf. Zurück bleibt beim Abbau der organischen Abfallstoffe die von Bakterien zersetzte Gülle. Die wird auf den Feldern ausgebracht. Die Nährstoffe sind darin dann noch enthalten. Da diese spezielle Gülle nicht mehr so scharf ist, können Pflanzen sie besser verwerten. Und die Sache hat noch einen großen Vorteil: Fermentierte Gülle stinkt viel weniger als herkömmliche.

Quelle: op-online.de

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