Telekom will Standorte aufgeben

Telefonzellen ein Auslaufmodell?

+
Wie soll man hier telefonieren? Das so genannte Basistelefon am Sozialzentrum Nieder-Roden ist unbenutzbar.

Rodgau - Die Deutsche Telekom will 15 der 17 öffentlichen Telefone im Stadtgebiet abbauen. Der Magistrat ist bereit, unter bestimmten Bedingungen auf vier Standorte zu verzichten, will aber erst die Ortsbeiräte fragen. Einer der Apparate ist seit einem Jahr kaputt. Von Ekkehard Wolf 

Sind Telefonzellen überflüssig, weil fast jeder ein Handy mit sich herumträgt? In einem Brief an den Magistrat verweist die Deutsche Telekom auf sinkende Nutzungszahlen. Das Schlusslicht ist demnach die Sprechstelle neben dem Eingang des Sozialzentrums am Puiseauxplatz. Seit Februar 2013 wurden dort laut Telekom innerhalb eines Jahres nur 17 kurze Anrufe getätigt.

Kein Wunder: Der Apparat ist kaputt. Schon vor einem Jahr baumelte der zerbrochene Telefonhörer in der Luft. „SOS - kein Notruf möglich“, schrieb unsere Zeitung am 9. Mai 2013. Eines hat sich seither verändert: Jetzt fehlen auch die Überreste des Hörers mitsamt Kabel.

Lesen Sie dazu auch:

Rosa oder gelb? Telefonzellen zu haben

Die Deutsche Telekom darf nicht nach Gutdünken öffentliche Telefone abbauen. „Die flächendeckende Bereitstellung von öffentlichen Münz- oder Kartentelefonen“ ist als so genannte Universaldienstleistung gesetzlich vorgeschrieben. Die Telekom muss die Geräte betriebsbereit halten, der finanzielle Ausgleich ist im Telekommunikationsgesetz geregelt. Von dem Begriff „flächendeckend“ hat der T-Konzern seine eigenen Vorstellungen. Zwei Telefonzellen in der 43 000-Einwohner-Stadt hält er für ausreichend: an der Karlstraße (Dudenhofen) und vor der Postfiliale an der Oberen Marktstraße (Nieder-Roden). An der Oberen Marktstraße wurde innerhalb eines Jahres immerhin 1180 Mal telefoniert, insgesamt 1191 Minuten lang.

Ein Abbau öffentlicher Telefone ist nur möglich, wenn die betroffene Stadt zustimmt. Alle Jahre wieder bringe die Deutsche Telekom diesen „Konsensabbau“ zur Sprache, berichtet Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Der Magistrat habe zunächst abweisend reagiert: „Wir haben alle Vorschläge rundweg abgelehnt.“ In weiteren Gesprächen mit der Telekom hätten sich vier Standorte als verzichtbar herausgestellt: zwei in Nieder-Roden und je einer in Weiskirchen und Dudenhofen. Die Stadt werde einem Abbau der Apparate jedoch nur zustimmen, wenn die Ortsbeiräte einverstanden seien, so Hoffmann.

Im Gegenzug verlangt der Magistrat von der Telekom Verbesserungen an anderen Stellen, und zwar so genannte Hotspots an den Bahnhöfen Jügesheim und Dudenhofen und eine neue Telefonzelle an der S-Bahn-Station Hainhausen. Denn in Hainhausen gibt es seit Jahren kein öffentliches Telefon mehr.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare