Terminstau bei der Sperrmüllabfuhr

Rodgau (eh/bp) - Wer Sperrmüll loswerden will, braucht viel Geduld. Bis zu zwei Monate muss man derzeit auf einen Termin für „Sperrmüll auf Abruf“ warten. „Viel zu lang!“, beschweren sich Bürger.

Auf Kritik stößt überdies, dass selbst großer Unrat manchmal nicht mitgenommen wird, weil das Abfuhrunternehmen diesen nicht als Sperrmüll einstuft. Ein Beispiel: Die Polster von Sonnenliegen gelten nicht als Sperrmüll, sondern sollen zerkleinert und in die Restmülltonne gestopft werden. Und die wäre dann sofort voll.

Besonders hart trifft der Terminstau beim Sperrmüll Bürger in Jügesheim und Nieder-Roden. Die Warteliste ist dort so lang, dass man erst in sechs bis acht Wochen einen Termin bekommt. In den anderen Stadtteilen liegt die Wartezeit zwischen vier und sechs Wochen - auch das strapaziert die Geduld.

„Das kann doch nicht wahr sein“, schimpft Josef Collet, der in der Jügesheimer Ortsmitte einen Garten entrümpeln will: „Früher waren es 14 Tage, jetzt sind wir bei sechs Wochen.“ Einige Eisenstangen, Holz und ein alter Hasenstall müssen noch vor Pfingsten raus. Die Stadtverwaltung bietet jedoch erst einen Abfuhrtermin nach den Feiertagen an. Zu spät: Am 11. Juni soll in dem Garten eine Hochzeit gefeiert werden. „Bis dahin ist genug Zeit“, meint Collet. Als Gebührenzahler fordert er von der Stadt mehr Flexibilität: „Wenn man etwas will, dann geht es auch.“

Stadt hat nicht viel Spielraum bei Terminvergabe

Die Stadtverwaltung beruft sich auf den Entsorgungsvertrag mit der Firma Remondis. Darin sind für jeden Stadtteil zwei Sperrmülltage pro Monat vereinbart. Im Müllauto hat nur eine begrenzte Menge Platz. Die städtische Abteilung Abfallwirtschaft vergibt die Termine nach Reihenfolge der Anmeldungen. Wenn eine Fuhre voll ist, gibt es erst zwei Wochen später wieder eine Chance.

Viel Spielraum hat die Stadt dabei nicht, wie Uwe Müller-Klausch von der städtischen Pressestelle bedauert: „Wenn ein Termin voll ist, ist er voll. In dem Moment, in dem wir so einen ,Notfall’ dazwischen schieben, fällt ein anderer Bürger raus. Das können wir nicht machen.“

Der Frühjahrsputz hat Folgen: Im Frühling fällt besonders viel Sperrmüll an. Doch diesmal sind die Mengen besonders hoch. Als Ursache vermutet man im Rathaus die gestiegene Kauflaune der Bevölkerung und den Boom im Möbelhandel. „Möbel kaufen bedeutet immer, dass auch der Sperrmüll in die Höhe geht“, erklärt Müller-Klausch.

Extrafahrten sind zu teuer

Zusätzliche Fahrten, um den Sperrmüll-Stau abzuarbeiten, scheiden nach Ansicht der Stadtverwaltung aus, damit die Abfallgebühren nicht unnötig steigen. Jede Extratour der Müllabfuhr koste rund 600 Euro: ein Mehraufwand, der allen Gebührenzahlern zur Last falle.

Für den Ärger über die langen Wartezeiten habe die Stadt Verständnis, sagt Uwe Müller-Klausch. Im Fall der Familie Collet bleibe den Betroffenen wohl nichts anderes übrig, als nach anderen Lösungen zu suchen. Manche sperrigen Gegenstände könne man zerkleinern und in die Mülltonne werfen, andere nehme vielleicht der Recyclinghof an. Darüber hinaus könne man Sperrmüll selbst zur Müllverbrennungsanlage Heusenstamm bringen - oder aber einen Containerdienst beauftragen. Eine Hochzeit müsse nicht am Sperrmüll scheitern.

Im ersten Zorn hatte Josef Collet einen Akt bürgerlichen Ungehorsams erwogen, wie er unserer Zeitung verriet: „Ich stell’ die Sachen auf die Gass’, dann soll die Stadt sie abholen, ist mir doch egal.“ Die Stadtverwaltung rät davon ab, denn „illegale Müllbeseitigung“ gilt als Ordnungswidrigkeit - auch das steht in der städtischen Abfallsatzung. Das kostet ein Verwarnungsgeld zwischen 25 und 1 000 Euro.

Quelle: op-online.de

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