Verknallt kommt von Knallkopf

+
Jetzt ist’s passiert: Der Ritter von Ripafratta, ein erklärter Frauenfeind, verfällt den Verlockungen der liebreizenden Wirtin Mirandolina.

Dudenhofen - Theater bildet, da kommen weder Fernsehen noch Kino mit. Denn wo - wenn nicht auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten - lassen sich Weisheiten wie diese besser verbreiten? Verknallt kommt von Knallkopf. Von Michael Löw

Im Gewächshaus der Gärtnerei Fischer führten Rodgaus Kulturpreisträgerin Tanja Garlt und ihr Ensemble „Theater Total“ mehr als 1 200 Besuchern eindrucksvoll vor Augen, was passiert, wenn ein scheinbar vernünftiger Mann sich den Kopf verdrehen lässt.

Die Geschichte von Carlo Goldonis „Mirandolina“ ist schnell erzählt. Zwei Adlige - der eine reich, der andere verarmt, Prahlhänse alle beide - wetteifern um die Gunst der intelligenten und hübschen Wirtin Mirandolina (Leonie Löw). Doch der Graf von Albafiorita (Thomas Lösch) und der Marquis von Forlipopoli (Marcus Mößinger) haben das Nachsehen, als Ritter Ripafratta (Stefan Schmidt) in der Herberge einkehrt. Der aber hat zwei Sätze zur Lebensmaxime erkoren: „Ich bin jemand, der seinen Seelenfrieden außerordentlich liebt.“ und „Whähh, sie ist eine Frau!“

Doch diese vermeintlich uneinnehmbare Männerfestung zerbröselt unter dem Ansturm von Mirandolinas Reizen, die getreu dem Motto „Mit Speck fängt man Mäuse“ dem Ritter persönlich ein Ragout auftischt, von dem die beiden hochwohl geborenenen Rivalen nur träumen können. Stefan Schmidt mimt den muffelig-souveränen Junggesellen, der im Lauf des Stückes zur Karikatur eines verliebten Galans wird, geradezu genial und sticht seine Rivalen nicht nur bei Mirandolina aus. Das beweist der Beifall aus dem vollen Gewächshaus. „Er ist ein echtes Talent“, lobt Regisseurin Tanja Garlt den Ingenieur aus Jügesheim, mit dem sie seit gut vier Jahren zusammenarbeitet. Aus einem professionell spielenden Ensemble ragen außerdem des Ritters hündisch ergebene Diener (Klaus Junkes-Kirchen und Michael Gelbke) heraus. Die Komödiantinnen (Tanja Rossbach und Thi Thanh Tam Tran) seien aber nicht nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Und von Mirandolinas Diener Fabrizio (Thorsten Stichweh) wird noch zu reden sein.

Bilder von der Aufführung

„Theater Total“ im Gewächshaus

Die stilvolle Kulisse bildete ein Gewächshaus, das Bernd und Ralf Fischer mitten im Frühjahrsgeschäft zur Kulturstätte verwandelt haben. In venezianischen Masken lustwandelten 16 Karnevalisten der TGS Seligenstadt vor den drei Aufführungen gestern, am Samstag und am Freitag mit den Gästen zwischen Kamelien und anderen Blumen. Frank Redemann und seine Leute vom Kulturverein Impuls waren nicht nur Mitveranstalter, sondern übernahmen in der Gärtnerei auch die Rolle, die Mirandolina auf der Bühne spielte.

Birgit Mayer-Tauber hatte sich für die aufwändigen Kostüme die Finger wund genäht, die Parres Hair-Company frisierte die Akteure im Stil des 18. Jahrhunderts. Schirmherr war Landrat Oliver Quilling.

Am Ende heiratete Mirandolina übrigens weder Ritter noch Marquis oder Graf, sondern ihren treuen Diener Fabrizio. Doch die Art, wie die raffinierte Wirtin diese Ehe eingefädelt hatte, bestätigte am Ende des Herrn von Ripafrattas Weisheit: „Whähh - sie ist eine Frau!“

Quelle: op-online.de

Kommentare