„Theater total“ spielt Shakespeare

Komödie mit Pep im Kamelienhaus

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Sie verwirren die Sinne der Männer: Die Prinzessin und ihre Begleiterinnen, gespielt von Conny Walter, Leonie Löw und Ilka Ludwig.

Dudenhofen - So macht Shakespeare Spaß: Mit „Verlorene Liebesmüh‘“ in der Gärtnerei Fischer erlebten mehr als 1 000 Besucher am Wochenende einen Theaterklassiker in neuem Gewand. Von Ekkehard Wolf

Die intensive Probenarbeit war keine verlorene Liebesmüh‘: Mit herzlichem Beifall belohnten die Zuschauer die Leistung des elfköpfigen Ensembles von „Theater total“ in einer Inszenierung von Tanja Garlt.

Die turbulente Komödie stellt Lust und Leid der Verliebtheit dar: das Werben, das gegenseitige Necken und die lächelnde Zurückweisung. Erotische Andeutungen und der beständige Wechsel von Nähe und Distanz sind gepaart mit einer scharfzüngigen Ironie, bei der man nie genau weiß, was Scherz und was Ernst ist.

Mehr als 400 Jahre alt

Hin- und hergerissen: Stefan Schmidt, Lucas Pritchard und David Kowohl.

Die ausgefeilten Dialoge können auch heute erheitern, obwohl sie mehr als 400 Jahre alt sind. Dennoch braucht man Zeit, um sich in diese schöne Sprache einzuhören. Vielleicht kommt daher der Eindruck, dass das Stück anfangs etwas zäh in Gang kommt. Die Schauspieler jedenfalls sind von der ersten Minute an voll präsent. Erste Lacher erntet Thomas Lösch für seine Darstellung eines heißblütig-verliebten spanischen Adligen mit großspurigen Gesten und wildem Mienenspiel. Sein überbetonter Akzent („Sso iss ess“) sorgt später für einen weiteren Lacheffekt.

Acht Gesangsnummern bringen Pep ins Stück. Jazzschlager der 1950-er Jahre ergänzen die Handlung um das, was Shakespeares Figuren nicht sagen. Dabei machen die Schauspieler auch als Sänger eine gute Figur. Zu den Glanzpunkten gehören „Kokettier‘ nicht mit mir“ im Duett mit Ilka Ludwig und Stefan Schmidt sowie „Dein Kuss von gestern Nacht, mein Schatz“ mit Conny Walter. Lucas Pritchard schickt das Publikum mit dem Ohrwurm „Du bist dufte“ in die Pause.

Die schwierige Akustik im Gewächshaus meistert der Impuls-Kulturverein mit einem dichten Netz an Mikrofonen. Der Verzicht auf Headsets erlaubt einen ungestörten Blick auf die Mimik.

Konzentration auf das Theaterstück

Geschmeidig schlüpfen die Schauspieler in ihre Sänger-Rollen und wieder zurück. Nichts soll die Konzentration auf das Theaterstück stören. Die Inszenierung lenkt die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf das Hier und Jetzt des Dialogs. Wie im Licht eines Scheinwerfer-Spots agieren die Schauspieler, die gerade etwas zu sagen haben. Die anderen wenden sich ihnen in Blicken und Gesten zu. Es gibt keine Nebenhandlungen, die die Zuschauer ablenken könnten.

Dass „Verlorene Liebesmüh‘“ im früheren Königreich Navarra im Norden Spaniens spielt, muss man dem Text entnehmen. Weder das Bühnenbild noch die Kostüme deuten darauf hin. Auf der Bühne im Kamelienhaus steht nur eine angedeutete Hauswand mit verschlossener Tür; der Lauscher im Gebüsch „verbirgt“ sich hinter einer Topfpflanze. Auch die Kleidung ist stilisiert: Am Königshof tragen die Herren Frack und Schleife, die französische Prinzessin und ihre Hofdamen kommen in rosa-fleischfarbenen Abendkleidern. Die Botschaft: Navarra ist überall, wo Verliebte das Spiel des Werbens, Neckens und des Zögerns spielen.

Shakespeare-Theaterklassiker in neuem Gewand

Shakespeare-Theaterklassiker in neuem Gewand

Regisseurin Tanja Garlt hat eine männliche und eine weibliche Rolle eingespart: Der Lord Dumaine und die Hofdame Kathrine kommen bei ihr nicht vor. Wer das Original nicht kennt, vermisst die beiden nicht, denn auch in ungerader Zahl sind die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Temperamente deutlich herausgearbeitet. Jede/r zeigt auf seinem und ihrem Platz eine überzeugende Leistung, sei es David Kowohl als jung verliebter Longaville, Leonie Löw als schnippische und nur scheinbar unnahbare Rosaline, Michael Gelbke als spöttisch-zynischer Hofbeamter Boyet, Klaus Junkes-Kirchen als scharfsinniger Diener Dumm, Thorsten Stichweh als einfältig-durchtriebener Knecht Schädel oder Josefine Luise Wolf als die schöne Jaquenetta.

Ein Laientheaterstück am Hof des Königs von Navarro bringt schließlich alle noch einmal auf die Bühne: Ein „Stück im Stück“, mit dem sich das Theater über sich selbst lustig macht. Die Botschaft zum Schluss ist ein Musical-Lied von Irving Berlin von 1947: „There‘s No Business Like Showbusiness“.

Quelle: op-online.de

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