Theaterensemble Großes Welttheater

Physiker und das Schicksal der Welt

+
Liebe bedeutet Lebensgefahr: Möbius (Michael Willmutz) und seine Krankenschwester (Simone Maier).

Weiskirchen - „Es gibt für uns Physiker nur noch die Kapitulation vor der Wirklichkeit. Sie ist uns nicht gewachsen. Sie geht an uns zugrunde. Wir müssen unser Wissen zurücknehmen, und ich habe es zurückgenommen." Von Sven Stripling

So fasst die männliche Hauptfigur im Dürrenmatt-Stück „Die Physiker“, ihr Handeln und den derzeitigen Stand der Wissenschaft zusammen. Die Theatergruppe „Großes Welttheater“ brachte das Stück um die Ethik der Wissenschaft am Freitagabend auf die Bühne des Bürgerhauses Weiskirchen.  Drei Physiker im Sanatorium. Einer hält sich für Sir Isaac Newton (Bernd Schneider), der zweite für Albert Einstein (Christian Auerswald) und dem dritten, Möbius (Michael Willmutz), erscheint angeblich der König Salomon. Ein skurriles Bild. Doch dem nicht genug: Einstein hat auch noch eine Krankenschwester ermordet, ebenso wie Newton kurze Zeit zuvor. Der Inspektor (Matthias Ott) sieht sich mit der Situation überfordert. Die Beweislage ist klar, der Fall denkbar einfach und doch kann er niemanden festnehmen, da die Täter sich bereits im Irrenhaus befinden. Dürrenmatt spielt hier auf satirische Weise mit dem Grotesken. Sprache und Wendungen zeigen, warum es sich bei dem Stück trotz des ernsthaften Themas um eine Komödie handelt.

Wieder ein Mord im Irrenhaus: Wer ist hier eigentlich verrückt?

Das Ensemble des Welttheaters weiß dies gekonnt umzusetzen. Wenn Bernd Schneider mit einem Wischmopp als Perücke des 18. Jahrhunderts die Bühne betritt und dem Inspektor erklärt, er sei gar nicht verrückt, ist für einige Lacher gesorgt. Auch die Verdrehung des Gesprächs zwischen der Oberschwester (Silvia Radtke) und dem Inspektor im ersten Akt bringt nach der Pause viele Zuschauer zum Schmunzeln. Denn nun ist nicht mehr der Inspektor beunruhigt, sondern sein Gegenüber, die Irrenärztin Fräulein von Zahnd (Christa Wolf).  Die ernste Fragestellung hinter den grotesken Szenen wird im Verlauf des Stücks nur zu deutlich. Allmählich offenbaren sich die Beweggründe der drei für verrückt gehaltenen Physiker. Das Finale ist entsprechend spektakulär: Die Irrenhaus-Insassen stehen sich mit Revolvern vor einer Wand aus Pappkartons gegenüber und verhandeln über das Schicksal der Welt. Das Bühnenbild aus Pappkartons mit der Aufschrift „zerbrechlich“, mag in diesem Sinn wohl eben jenes Schicksal der Welt verkörpern.

Großes Welttheater zeigt Momo

„Großes Welttheater“ zeigt Momo

Wer das Ensemble aus Christa Wolf, Michael Willmutz, Christian Auerswald, Bernd Schneider, Matthias Ott, Alfred Marker, Joachim Schwab, Klaus Liebler, Silvia Radtke, Simone Maier, Lars Keller, Thomas Hofferberth, Werner Conzé, Hans Bär, Bettina Hartmann, Nico Wright, Eric Höfling und Adrian Hofferberth, unter der Leitung von Melanie Wörner und Christa Wolf mit den „Physikern“ sehen möchte, hat dazu noch fünf Mal Gelegenheit: heute, morgen sowie am 23., 24., und 25. Oktober im Bürgerhaus Weiskirchen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare