Erstmals weniger als 300 Abonnenten im Theater

Theaterpublikum verjüngt sich

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Theaterpublikum verjüngt sich - Erstmals weniger als 300 Abonnenten im Theater

Der alternde Gesellschaft macht sich auch im Theater bemerkbar. Weil ältere Menschen ihre Abonnements nicht mehr verlängern, muss die Bühnenkultur neue Zuschauer gewinnen. Bisher klappt das in Rodgau ganz gut.

Nieder-Roden – Eine „demografische Umschichtung“ erwartet Kulturdezernent Winno Sahm für die nächsten Jahre. Die Theater-Abonnenten seien in der Mehrzahl „ein ziemlich betagtes Publikum“. Seine Vermutung: Das wird in zehn Jahren nicht mehr da sein.“

Wie schwer es langjährigen Stammgästen fällt, ihr Abonnement aufzugeben, weiß Silke Ott in der städtischen Kulturagentur. Manche Menschen haben mit zunehmendem Alter Bedenken, nach der Theatervorstellung im Dunkeln nach Hause zu gehen. Andere sind immer als Paar ins Theater gegangen, aber nun ist der Partner krank oder pflegebedürftig geworden.

„Es ist schon anrührend, wie sehr das Theater-Abo für manche Menschen zu den Lebensbezügen gehört“, sagt Stadtrat Sahm. Oft sei über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine emotionale Bindung gewachsen: „Der Abschied tut weh, weil er auch das eigene Altern spürbar macht.“

Für die Theaterreihe A hat die Kulturagentur erstmals weniger als 300 Abonnements verkauft. Das sind zwölf Plätze weniger als in der vergangenen Saison. „Die Situation ist nicht dramatisch“, sagt Sahm. Eine Abo-Quote von ungefähr 60 Prozent sei immer noch ein solider Grundstock.

Nur einen minimalen Rückgang verzeichnet die Abo-Reihe B (Kleinkunst und Kabarett). Dafür erfreut sich die Reihe C (Kleinkunst und Kabarett im kleinen Saal) steigender Beliebtheit. Exakte Zahlen will der Kulturdezernent erst nennen, wenn die Abo-Buchungen abgeschlossen sind. Auch nach dem Start des Einzelverkaufs am Donnerstag, 1. August, können Kunden noch ein Abonnement erwerben. Allerdings steht dann vielleicht nicht mehr der gleiche Sitzplatz für die ganze Spielzeit zur Verfügung.

Um den demografisch bedingten Rückgang an Abonnenten auszugleichen, möchte Kulturdezernent Winno Sahm neue Kundenkreise erschließen. „Beim Einzelkartenverkauf für bestimmte Veranstaltungen sehen wir schon, wie das erfolgreich zu machen ist“, sagt er. Es bedeute allerdings einen hohen Aufwand, jede Veranstaltung einzeln zu bewerben.

Viele Theaterfreunde wünschten sich flexiblere Modelle als ein herkömmliches Abonnement, weiß Sahm. Die Entscheidung für den Vertrieb der Einzelkarten übers Internet habe sich als richtig erwiesen, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann: „Es ist ja egal, auf welchem Weg Veranstaltungen ausgebucht sind.“

Kulturdezernent Winno Sahm warnt davor, allzu sehr auf die Auslastung zu schauen: „Wir haben nicht nur den Auftrag, die Bude vollzumachen.“ Es sei wichtig, immer wieder auch inhaltlich etwas zu riskieren. Die Talentsucher der städtischen Kulturagentur hätten schon oft ihr gutes Gespür bewiesen: „Wir haben in Kleinkunst und Kabarett schon Leute lanciert, die dann zwei oder drei Jahre später Erfolg hatten.“

VON EKKEHARD WOLF

Quelle: op-online.de

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