Thüringer Woche mit 170 Jahre Handwerk

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Mit einem Rundgang eröffneten gestern Gewerbevereinsmitglieder und der städtische Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze (Zweiter von links) die Thüringer Woche. Gefallen fanden sie unter anderem an handgebundenen Zwiebel- und Knoblauchzöpfen, verziert von bunten Blumen.

Rodgau (bp) - Nach dem Malheur um den vergessenen verkaufsoffenen Sonntag soll’s in Jügesheim die Thüringer Woche jetzt alleine richten. Gestern wurde die kompakte Schau mit 17 Teilnehmern in der Rodgau-Passage und Hintergasse eröffnet.

Sie bietet 170 Jahre Handwerkstradition auf engstem Raum. So lange betreiben der Korbflechter, Bürstenmacher, Scherenschleifer und Porzellanformer ihr Geschäft zusammen. Die Thüringer Woche ist als Gewerbeausstellung deklariert. Deshalb können Ladenbesitzer ihre Ware auch ohne verkaufsoffenen Sonntag vor dem Geschäft präsentieren und verkaufen. Innerhalb der Verkaufsräume ist dies allerdings verboten. Dort darf nicht einmal eine Beratung stattfinden.

Die Veranstaltung des Fördervereins Rodgau GHD führt 17 Aussteller aus unserem Nachbarbundesland nach Jügesheim. Sie öffnen ihre Buden heute und Samstag von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag mit Rücksicht auf die Kirche von 13 bis 19 Uhr. Am Rathausplatz, in der Hintergasse und der Rodgau-Passage ist einiges los.

Mit dabei ist Scherenschleifer und Schmied Helge Hanft (49). Sein Handwerk übt er schon seit 32 Jahren aus, derzeit hauptberuflich mit einer eigenen Werkzeugschleiferei. In Jügesheim nimmt er an seinem Stand gerne Aufträge an und bearbeitet alles, was sich schärfen lässt. Oder die Eheleute Sabine und Hans Holland-Moritz: Sie sind Eigentümer der kleinsten deutschen Porzellanmanufaktur in Martinroda, einem beliebten Wanderziel in Thüringen. Die beiden beschäftigen zuhause in der Werkstatt lediglich eine einzige Mitarbeiterin - das war’s.

Kulinarisches Angebot mit Thüringer Spezialitäten

Erika Werk aus Erfurt ist hingegen schon seit 40 Jahren Korbflechterin. Derzeit bietet sie ihre Ware in der Rodgau-Passage an. Als Urgestein seiner Zunft gilt Peter Grau. Er verdient sein Geld als Kürschner. „Mein Handwerk hab ich vom Vater gelernt, meine Tochter übernimmt es von mir. Derzeit studiert sie auf einer Design-Schule“, blickt der Mann zuversichtlich in die Zukunft.

Das kulinarische Angebot (Thüringer Spezialitäten wie Gurken und Gewürze, Eichsfelder Wurst, der Suhler Holzkohle-Stadtgrill, die Schlossbrauerei Schwarzbach, eine Gulaschkanone, Süßwaren und mehr) konzentriert sich am Rathausplatz. Die Handwerkerstände und das Angebot von vier Hobbykünstlern bilden weitere Anziehungspunkte. Und das Deutsche Rote Kreuz stellt an der Weiskircher Straße seine Fahrzeuge aus.

Die Hintergasse bleibt während der Thüringer Woche für den Autoverkehr frei. Die Stadt ist nicht der Meinung, dass es zu eng wird zwischen den Buden. Auch habe der Veranstalter nicht beantragt, die Straße zu sperren, sagte eine Stadt-Sprecherin gestern auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir waren vor Ort. Es ist alles im grünen Bereich.“ Von Rodgau ziehen die Aussteller weiter nach Neu-Isenburg. Dort bieten sie dann vom 1. bis 4. November ihre Waren und Dienstleistungen an.

Quelle: op-online.de

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