Nach mehr als 123 Jahren

Das Traditionsgeschäft Spahn schließt

+

Jügesheim - Nach mehr als 123 Jahren gibt ein Traditionsgeschäft auf: Das Textilhaus Spahn an der Schwesternstraße schließt seine Türen. Die Zeit des inhabergeführten Einzelhandels sei definitiv vorbei, glaubt Spahn.

Doch auch die bislang ergebnislose Diskussion um die Aufwertung des Ortskerns durch ein Einkaufszentrum habe zu einer unklaren Situation geführt, die eine verlässlich Planung zumindest nicht erleichtere. Wie Inhaber Christopher Spahn mitteilt, beginnt deswegen am Dienstag, 23. September, der Räumungsverkauf mit Ermäßigungen von bis zu 50 Prozent unter dem Motto „Rodgau steht Kopf“.

„Die Zeit des Konzeptes, wir wir es lange hatten und davon auch gut davon gelebt haben, ist vorbei“, glaubt Spahn. Hinzu kämen die standortspezifischen Gegebenheiten mit einem „vor allem in quantitativer Hinsicht unterdurchschnittlichen Angebot an Bekleidungsgeschäften“, die zu einer Abwanderung der Kunden führe, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die Schließung werden sicher auch viele Käufer bedauern, aber ich kann es nicht ändern“, erklärte Spahn gegenüber unserer Zeitung. Die Diskussionen um eine Aufwertung des Ortszentrums von Jügesheim durch ein Einkaufszentrum habe darüber hinaus zu einer unklaren Situation geführt, die eine verlässliche Zukunftsplanung nicht erleichtere.

Für die Mitarbeiter des alteingesessenen Bekleidungsgeschäfts bedeutet die Aufgabe des Traditionsgeschäftes: eine Angestellte geht in den Ruhestand, eine Auszubildende zieht ihre Abschlussprüfung vor. Für den Räumungsverkauf werden aber noch Aushilfen gesucht. Ob und in welchem Umfang am Standort an der Schwesternstraße mit einer Verkaufsfläche von etwa 500 Quadratmetern auch künftig Einzelhandel betrieben wird, steht nicht fest. Nach Auffassung des Unternehmers fehle es insbesondere an Nahversorgung mit Lebensmitteln östlich der S-Bahn.

Die zehn erfolgreichsten Handels-Unternehmen

Die zehn erfolgreichsten Handels-Unternehmen

Wie Bernhard Schanze, Leiter der Agentur für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, sagte, sei dies ein bedauerliches Ereignis, auch gerade im Hinblick auf die Pläne für die Umgestaltung der Stadtmitte. Das ist „ein struktureller Rückschlag“, findet er. Die Schließung eines solchen Hauses sei ein Signal, sagte Schanze: „Da hängen Fragen der Stadtentwicklung dran.“ Der Wirtschaftsförderer hofft, dass es zu einer neuen Vermietung kommt, damit ein zweiter größerer Leerstand wie im ehemaligen „Schlecker“-Laden vermieden werden könne. Das Ende des Traditionsgeschäftes bestätige, dass es höchste Zeit sei, der Situation etwas entgegenzusetzen und die Geschäfte nicht einfach sterben zu lassen.

siw

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare