Training auf glatter Piste

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Gerd Hofferberth schraubt am liebsten in der vereinseigenen Werkstatt. Hier zentriert er ein Hinterrad.

Nieder-Roden ‐ Radsport kennt keine Winterpause. Zumindest nicht beim RSC Rodgau. Dessen Mitglieder fahren selbst bei Eis und Schnee. Sie pflügen sogar durchs Gelände. Dafür holt der Vereinsvorsitzende Gerd Hofferberth sein Cross-Rad aus der Garage. Von Bernhard Pelka

Dessen Reifen haben nicht nur ein grobes Stollenprofil, sondern auch vier Millimeter lange Spikes aus hartem Stahl. Vorn 240, am Hinterrad 460.

Unverwüstlich: Gerd Hofferberth fährt auch auf Eis und Schnee.

Die spitzen Stifte krallen sich in Schnee und Eis. „Was Besseres gibt‘s nicht bei dem Wetter“, ist der 74-Jährige zufrieden. Trotz seines reifen Alters, eines überstandenen Schlaganfalls und einer Operation im vergangenen Sommer zieht es den vitalen Rentner immer wieder aufs Rad. „Dass ich nach der Operation Pause machen musste, war furchtbar. Ich bin eben ein Radsportverrückter“, beschreibt er seine lebenslange Leidenschaft. Sie führte am Buß- und Bettag vor 25 Jahren zur Vereinsgründung. Und lässt den Senior bis zum heutigen Tag den Vorsitz des aus dem Jügesheimer Radsportverein Germania hervorgegangenen Clubs einnehmen.

Es schmerzt Gerd Hofferberth, dass sein Verein Nachwuchssorgen hat. „Es kommt keine Jugend nach“, klagt er. Diverse Dopingskandale unter den Profis etwa der Tour de France hätten dem Radsport weltweit sehr geschadet. Das Image sei mehr als beschädigt. „Dabei sind viele andere Sportarten auch betroffen“, verteidigt der begeisterte Straßenfahrer seinen Sport, dem er seit 56 Jahren treu ist.

Regelmäßige Touren nach Frankfurt

Noch 39 Mitglieder zählt der RSC in seinem Jubiläumsjahr. Manche von ihnen fahren Rennen auf der Straße und auf der Bahn. Klassiker wie „Rund um den Henningerturm“ oder „Rund um Frankfurt“ gehören zum festen Programm. Und natürlich die Rundfahrt am Otzberg.

Radtouren führen überdies regelmäßig nach Frankfurt, Rüsselsheim, Bischofsheim und Klein-Krotzenburg. Die dabei erfahrenen Wertungspunkte kommen ebenso ins Trainingsbuch wie die gefahrenen Jahreskilometer. In guter Erinnerung ist das Radrennen in der Partnerstadt Puiseaux. Auch wenn das nun schon viele Jahre zurückliegt.

Hunderte Spikes im Reifen machen die Fahrt auf Eis und Schnee relativ sicher.

Dienstags und donnerstags, pünktlich um 9 Uhr, tritt Gerd Hofferberth selbst in die Pedale. Dann bildet er mit seinen Freunden Udo Vor, Hans Gröger, Dieter Kretzschmar, Theo Beyerle und Ernst Lamprecht eine unerschütterliche Gemeinschaft. Denn gefahren wird bei jedem Wetter. Nicht unbedingt auf Höchstleistung, aber immerhin.
Zum Kader des Clubs zählen auch zwei Rennfahrer. Sie bringen es pro Kopf locker auf eine Jahresleistung von 12.000 Kilometer - 50 Prozent im Training, der Rest bei Rennen. Die werden immer von März bis September ausgetragen. Im Winter kommen zum Freilufttraining noch Waldlauf und Kraftsport mit Gewichten hinzu. Regelmäßig schwitzen die Pedalritter beim Trockentraining in einem Anbau auf Hofferberths Grundstück in Nieder-Roden. Die Rennmaschinen dort laufen auf Rollen.

Auf dem Gelände betreibt der Verein auch seine Geschäftsstelle und eine Werkstatt. Kettenwechsel, Zahnkränze erneuern, Felgen zentrieren: alles machen die Mitglieder selbst. „Da weiß man wenigstens, dass alles in Ordnung ist.“

Fakten

  • Dem Hessischen Radfahrerverband mit Sitz in Frankfurt (Otto-Fleck-Schneise 4 in Frankfurt, Tel.: 069 6789219) sind derzeit 255 Vereine angeschlossen.
  • Der Verband zählt zurzeit insgesamt 15.669 Mitglieder.
  • Darunter sind 2 391 Lizenzfahrer, die zum Beispiel auf der Bahn, der Straße und im Gelände Rennen fahren.
  • Dem Verband gehören 2132 Radtouristiker an, die Hessen und mehr auf zwei Rädern erkunden.
  • Überdies sind beim Radfahrerverband 364 Einzelmitglieder registriert, die keinem Verein angehören.
  • Kontakt RSC Rodgau: Tel.: 06106 72585.

Tipps für Radfahrer: Sicherheit im Winter

  • Breite Reifen mit gutem Profil sind im Schnee gut geeignet. Für Eis sind Spike-Reifen zu empfehlen.
  • Wer die Reifen nicht ganz fest aufpumpt, sorgt für besseren Bodenkontakt, braucht aber auch mehr Kraft zum Treten.
  • Den Sattel sollte man so niedrig einstellen, dass man mit beiden Füßen gut auf den Boden kommt. Bei einer Rutschpartie kann man beide Beine ausstrecken und das Rad stabilisieren, um einen Sturz zu vermeiden.
  • Immer zuerst hinten bremsen, dann vorne.
  • Wenn der Radweg nicht geräumt ist, darf und kann man auf die Straße ausweichen.
  • Bei der Kleidung ist es wichtig, mehrere Schichten sinnvoll zu kombinieren: Funktionswäsche (wie beim Skifahren), darüber warme Fleecekleidung und außen ein Schutz vor Wind und Nässe.

Quelle: op-online.de

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