Traktoren tuckern wie neu

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Der alte Traktor lässt sich im Winter ganz wunderbar als Zugmaschine für den Schlitten verwenden. Nina (11) hat auch viel Spaß am Hobby ihres Vaters Thomas Larisch.

Jügesheim - Für Otto und Thomas Larisch gibt es in ihrer Freizeit nichts Schöneres, als alte Traktoren zu restaurieren. Mit ihrem fünf Stücke umfassenden Fuhrpark gewähren die beiden Jügesheimer Einblicke in deutsche Ingenieursarbeiten aus dem letzten Jahrhundert. Von Andreas Pulwey

Ölflecken auf dem Werkstattboden oder Spinnweben unter dem Holzdach sucht man bei den Larischs vergebens. Tipptopp stehen die Maschinen in der Halle, obwohl sie Jahrzehnte lang ihren Dienst verrichteten und bis zu 70.000 Betriebsstunden auf dem Getriebe haben.

Die beiden Jügesheimer verfügen über handwerkliches Geschick. Nur noch alte Fotos erinnern an den elenden Zustand, in dem die Fahrzeuge beim Kauf waren. Heute stehen die Traktoren der Marken Lanz, MAN und Deutz in dem 100 Quadratmeter großen Schuppen, als seien sie soeben frisch aus der Produktionshalle geschoben werden.

„Aus Schrott zum Leben erweckt“, fasst Otto Larisch die Arbeit zusammen. 800 bis 1 000 Arbeitsstunden pro erworbenen Gefährt verbringen die beiden mit der Restauration. Den Motor zerlegen, defekte Teile ersetzen, die Beulen ausdellen und neue Reifen aufziehen, alles dauert seine Zeit. Besonders das Getriebe treibt den beiden den Schweiß auf die Stirn. Abschließend bekommen die Schmuckstücke noch ihre neue Lackierung. Selbstverständlich in den Originalfarben der Hersteller, denn auf Authentizität legen die beiden entschieden Wert.

Bilder der Traktorenschrauber

Leidenschaftliche Traktor schrauber

Auch der 22-er Deutz mit seinen 22 PS aus dem Jahr 1950 steht wie geleckt in der Scheune. „Der läuft seit 1950 wie das Lottchen“, freut sich Thomas Larisch, und dabei ist das Vehikel noch täglich im Einsatz. Der Original-Mähbalken und der Zwei-Schar-Wendepflug sind ebenfalls bestens erhalten.

Top in Schuss ist auch der Lanz-Bulldog mit dem Zweitakt-Dieselmotor. „Der muss vorgeglüht werden“, erklärt Thomas Larisch, und das Sommer wie Winter. Dabei genügt nicht wie bei modernen Dieselmotoren ein kurzes Warten nach dem Drehen des Zündschlüssels. Dem Lanz muss vor der Fahrt regelrecht Feuer unter dem Motorblock gemacht werden. Thomas Larisch entzündet eine Heizlampe. Wie ein Bunsenbrenner lodert die Flamme, die vorne am Motorblock angesetzt wird. Danach steht dem Fahrspaß nur noch das Anwerfen des Motors im Weg. Das Lenkrad wird auf die Kurbelwelle gesteckt, und die 10 383 Kubikzentimeter sind per Hand in Gang zu setzen. „Das machst du nur zwei Mal“, deutet Otto Larisch die notwendige Kraftanstrengung an. Dann entschädigt der besondere Klang der Motoren die beiden Handwerker für die harte Arbeit.

Mit dem Sound im Ohr geht es auf Ausstellungen. Ab und zu dient einer der Traktoren auch als fahrbarer Untersatz für ein Brautpaar.

Tochter Nina (11) hat bei Schnee im Winter noch eine ganz andere Verwendung für den alten MAN. Auf dem Schlitten sitzend und dick eingemummelt, lässt sie sich von ihrem Papa durch die weiße Pracht ziehen.

Quelle: op-online.de

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